Ich liebe Fahrgäste.....
Seit nunmehr 27 Jahren übe ich meinen Beruf als Busfahrerin aus und es gibt positives und negatives, wie ich jedem Beruf.Die nachfolgende Geschichte hilft vielleicht den Fahrgästen, sich mal ein Gedanken über den Fahrer/in zu machen, anstatt immer nur das Negative zu sehen.
Natürlich habe ich auch nur hier nicht die ganze Geschichte veröffentlicht, weil,na ja, aus bekannten Gründen es immer wieder Text-Diebe gibt und ich es lieber für mich nutzen möchte,lach.....
Viel Spass
Sorajah
Der Stau - die verlorene Zeit -
oder was es heißt, der Zeit hinterher zu fahren !
Also, als erstes braucht man einen Omnibus,
eine genau anzeigende Armbanduhr, viel Wechselgeld
und vor allem gute Nerven.
Besitzt man nun diese Dinge, hat man alle Voraussetzungen erfüllt, ein guter Busfahrer/in zu werden.
Wenn man dann noch das Glück hat,
dass Fahrgäste an der Haltestelle stehen,
kann die Fahrt losgehen.
Vorher wäre noch zu vermerken, Verspätungen sind nicht plötzlich da, sie bauen sich Stück für Stück auf.
Ich erzähle hier meine Geschichte in verschärfter Form,
es kommen meist nicht alle Dinge auf einmal zusammen,
aber um zu demonstrieren,
was einem so alles passieren kann auf der Linienfahrt.
Und es soll doch tatsächlich Fahrgäste geben,
die meinen, die Busfahrer haben geschlafen
oder nur zu lange Pause gemacht,
wenn der Bus nicht pünktlich an der Haltestelle zur angegebenen Uhrzeit steht !
Hamburg, an einer X-beliebigen Haltestelle......
eine X-beliebige Linie....
Es ist 7.30 Uhr, mein Omnibus rollt in die erste Haltestelle.
Es steigen drei Fahrgäste ein, freundlich grüßend.
Auch meine Laune ist bestens.
An der nächsten sind es schon fünf Fahrgäste,
drei davon müssen bezahlen.
Alle haben passendes Fahrgeld. So liebe ich es.
Es geht flott voran.
An der kommenden Haltestelle sieht es schon
ein wenig anders aus.
Mit der U- Bahn und anderen Bussen
muss ein Anschluss hergestellt werden.
Es ist ein Kommen und Gehen.
Es laufen so viele gehetzte Menschen herum,
dass man nicht mehr sieht,
wer zu welchem Bus läuft.
Also heißt es warten, bis jeder seinen Platz gefunden hat.
In dem Augenblick, als ich die Türen schließen will,
kommt noch ein Mann von der U- Bahn herübergelaufen
und winkt wie wild mit seinem Regenschirm.
Gilt dieser freundliche Gruß mir?
Ja, ich fürchte, er meint mich.
Also warte ich und öffne noch einmal die hintere Tür.
Kaum, dass der Fahrgast sich in meinem Bus befindet, schließe ich die Tür und nehme die Fahrt wieder auf.
Nicht, dass sich noch jemand überlegt,
lieber mit mir zu fahren.
Ein Blick auf die Armbanduhr verrät mir,
dass ich 4 Minuten Verspätung habe.
Um mich selber zu beruhigen denke ich,
das macht überhaupt nichts, das hole ich schon wieder auf. Die Fahrt geht weiter.
Bis zum nächsten Halt ist es eigentlich nicht sehr weit. Wenn, ja wenn dazwischen nicht so viele PKW´s
stehen würden.
Man kann die riesige Kreuzung schon sehen
und aus jeder Richtung kommen die Autos herangerollt,
um schnell zur Arbeit zu gelangen.
Kaum mit meinem Bus angefahren,
stehe ich auch schon wieder auf der Bremse.
Eine wichtige Frage geht mir durch den Kopf!
Müssen eigentlich alle Arbeitnehmer
zur gleichen Uhrzeit anfangen?
Ca. 150 m bis zur Ampel- Kreuzung.
Bis dorthin sehe ich nur noch Autos.
Die Ampel ist aber auch wirklich sehr kurz eingestellt. Eigentlich würden 5 Autos bei der Grünphase rüberkommen,
da aber bekanntlich der erste PKW- Fahrer
erst den Gang einlegt,
wenn die Ampelschaltung schon auf Grün steht,
werden es wohl nur 3 werden......
Im Stillen rechne ich mir aus,
dass ich vier Ampelphasen brauche,
um auch die Kreuzung passieren zu dürfen.
Kommen ca. 6 Minuten Verspätung zu meinen
bisherigen 4 Minuten dazu.
Bei 15 Minuten Pause an der Endhaltestelle
bleiben mir zumindest noch 5 Minuten fürs Frühstück. -
Das muß reichen -.
Oder muss ich auch noch das WC aufsuchen ???????
Endlich komme ich nach einiger Zeit
( bei spätgelb ) mit über die Kreuzung. Geschafft!
An der nächsten Haltestelle möchte niemand
ein- oder aussteigen.
"Glück muß man haben."
Ich freue mich schon,
weil an der nachfolgenden Haltestelle
auch niemand aussteigen will,
denn bis jetzt leuchtet noch nicht das Stop- Licht !!!
Das war wohl etwas verfrüht,
denn im letzten Moment macht mir ein herbeieilender Fahrgast einen Strich durch die Rechnung .
Gerade jetzt, wo doch niemand aussteigen will
und ich ein paar Minuten gutmachen kann.
Na gut, warten ist angesagt.
Eigentlich könnte man ja erwarten,
dass man pünktlich an der Haltestelle steht, oder ?
In der Bedienungsanleitung für Fahrgäste steht drin,
der Fahrgast muss sich 2 Minuten vorher
an der Haltestelle einfinden !
Mit 1 Minute wäre ich auch schon zufrieden.
Na gut, überredet, pünktlich auf die Minute,
damit könnte man dem Busfahrer auch schon
eine sehr grosse Freude bereiten !.
Aber vielleicht hat der junge Mann ja
heute mal ausnahmsweise verschlafen
und dafür hat man ja Verständnis!
Mit immer noch freundlichem Gesicht warte ich ab,
bis er keuchend die hintere Eingangstür erreicht hat,
damit ich meine Fahrt fortsetzen kann.
Nach sehr kurzer Zeit allerdings verfinstert sich
mein Gesichtsausdruck,
denn dieser Mensch wagt es doch tatsächlich,
zu bedanken. Statt dessen setzt er seine Kophörer auf,
um sich von seiner Musik berieseln zu lassen.
Natürlich so laut, dass die Leute in seiner näheren Umgebung auch etwas davon haben und somit keine Chance mehr haben, noch einmal etwas einzunicken.
Ein Vorsatz steigt in mir auf:
falls dieser junge Mann noch einmal seinen
Frühsport verrichten möchte,
dann nicht in der Nähe von meinem Bus!
Dieses Gesicht ist gemerkt und notiert!
Ich werde meinen Blick dann nach links wenden,
leider kann auch ich nicht alles sehen.
Die Fahrt geht weiter.
Ich betrachte mir die Gegenfahrbahn.
Blechkaravane.
Meter für Meter tasten sie sich vor.
Na toll, dort werde auch ich mich anstellen müssen
auf der Rückfahrt.
Meine Laune sinkt langsam aber sicher auf den Nullpunkt.
Die nächsten drei Haltestellen -
ohne besondere Vorkommnisse.
An der vorletzten Haltestelle stehen vier Fahrgäste.
Inzwischen habe ich mir 14 Minuten Verspätung eingehandelt. Die Fahrgäste steigen mit ernstem Gesicht ein
und alle benutzen den vorderen Einstieg.
Einer von ihnen schaut zu seiner Armbanduhr,
mit der Bemerkung:
"Wo kommen Sie denn her, reichlich spät heute, was?"
( Ob er wohl eine neue Armbanduhr bekommen hat?
Aber ich frage ihn lieber nicht danach! )
Doch bevor ich mich verteidigen kann,
geht er nach hinten durch, setzt sich
und starrt mich die ganze Zeit mit bitterbösem Blick an.
Ganz ruhig sage ich zu mir, nur nicht provozieren lassen.
Einer der Fahrgäste muss bezahlen und legt mir einen 50 € Euro- Schein auf den Tresen,
mit einem Ohr am Handy und sagt forsch zu mir:
"Einmal in die Innenstadt"!!!!!
Ich sage ihm, das ich den Schein nicht wechseln kann,
dann wäre mein ganzes Kleingeld weg,
aber er hört mich gar nicht,
weil er ja mit seinem gegenüber am Handy weiterreden muss. So, wie ich es mitbekomme, redet er mit seiner Freundin / Frau, die etwas sucht.......
Plötzlich schaut er mich an
und sagt mit einem noch forscheren Ton:
"Haben Sie mich nicht gehört, ich will in die Innenstadt", und wieder mit dem Ohr am Handy.
Mein Hals schwillt an, sehr sogar.
Ich beachte den Herrn nicht weiter ,
ignoriere den grossen Schein auf dem Tresen
und fahre einfach los.
Ich grummel so leise vor mich hin,
als plötzlich dieser oberfreundliche Herr
in sein Handy spricht,
"Süsse, wir reden nachher weiter,
ich werde hier gerade veräppelt",
( das richtige Wort, welches der Herr benutzte,
möchte ich hier nicht kundtun )
klappt sein Handy zusammen
und wollte gerade ausholen......
“ Haben Sie........."
Ich schnitt ihm das Wort ab und sage:
"Junger Mann, sie haben mich wohl nicht verstanden,
es ist unhöflich, mit 2 Leuten gleichzeitig zu reden
und ich habe ihnen 2 mal gesagt,
das ich den Schein nicht wechseln kann,
da ansonsten mein ganzes Wechselgeld aufgebraucht ist"!
( Mein Hals......na, Sie wissen schon....)
"Da kann ich auch nichts für
und Sie müssen den Schein wechseln" !!!!!
Oha, dachte ich mir, so einer........
Na gut, dann werden wir ihn mal auflaufen lassen.
( Normalerweise würde ich im Bus nachfragen,
ob jemand den Schein wechseln kann,
aber in diesem Fall............no) !!!
Der Ton macht immer noch die Musik,
das hat sich im Laufe der Jahre auch noch nicht geändert !
"Ok, sage ich ihm: "Sie haben 2 Möglichkeiten:
Ich gebe Ihnen auf 20 € Euro raus
und gebe Ihnen eine Quittung
und da sie ja sowieso in die Innenstadt müssen,
dürfen Sie sich des restliche Wechselgeld gern
im Hochbahnhaus abholen.
Oder sie steigen bitte an der nächsten Haltestelle aus
und wechseln den Schein,
dann nimmt sie mein nachfolgender Kollege
gern weiter mit"!!!!!
Ich sage Ihnen, das Gesicht von dem Herrn
hätten Sie sehen sollen..........
Er konnte kaum noch etwas sagen und wutentbrannt nahm er seinen Schein und nachdem ich schon an der nächsten Haltestelle angekommen war,
gab er mir zu verstehen, ohne Worte,
das er gern den Bus verlassen möchte......
Reisende Leute soll man nicht aufhalten !!!!!
Ich bin normalerweise sehr freundlich
und so leicht bringt mich auch nichts aus der Ruhe, aber......Ein wenig Höflichkeit von Seiten der Fahrgäste kann man doch erwarten, oder ?
Ich schaue jetzt nicht auf die Uhr,
ich möchte gar nicht wissen,
wieviel Zeit ich dadurch verloren habe!!!
Ich mache diesen Job seit fast 28 Jahren, aber immer wieder ärgern mich unhöflichen Leute und ich denke,
das muss man nicht so einfach hinnehmen !
Wie man in den Wald............
das kennen Sie doch oder ?????.....
Mit knirschenden Zähnen fahre ich meinem Ziel entgegen.
Endlich, die Fahrgäste stürmen raus und ich schaue zur Uhr. Den Kampf mit der Zeit habe ich verloren!
Frühstück gestrichen. Das WC gestrichen.......
Zeitung lesen....gestrichen.......
Ok, sage ich mir, ich bin ja gut durchtrainiert.......
Eine Minute steht mir noch zur Verfügung.
Was fange ich bloss damit an?????.....
Plötzlich fällt mir mit Schrecken ein,
was mir auf der Rücktour bevorsteht.
Noch mehr Verspätung!
Hält das meine durchtrainierte Blase auch durch?
Ich lasse es auf einen Versuch ankommen.
Schnell das Fahrtziel geändert
und gleich wieder an den Start,
wo schon genügend Fahrgäste auf mich warten.
Jeder will oder muß bezahlen.
Ich wollte gerade die Türen schliessen,
da kommt noch eine Dame mit Kind
und einem Kinderwagen angerannt.
Ok,ich fahre die Rampe raus,
die sehr langsam ausfährt und die Dame kann einsteigen.
Ich gehe wieder zu meinem Platz,
da steht das Kind vor mir und sagt sehr zögernd,
das ihre Mama noch einen Fahrschein braucht.
Sie steht so schüchtern vor mir, herzallerliebst.
Ich gebe ihr einen Fahrschein
und stolz läuft sie zu ihrer Mama.
Das sind Momente, die heitern mich auf.
Was mich allerdings kaum aufheitern wird,
ist der Rückstau, in den ich jetzt fahren muss.
Gesagt - getan, auf der Rücktour schließen wir uns
der „ Blechkommpanie - roll roll “ an
( Kennen sie noch die Augsburger Puppenkiste ? )
Schrittempo.
Nochmals ein verstohlener Blick zur Uhr. 8.06 Uhr. Hauptverkehrszeit. Ich habe jetzt 5 Minuten in der Uhr
und wir haben noch nicht einmal
die 3. Haltestelle erreicht !
Aber sie ist wenigstens schon in Sicht.
Ich kann erkennen,dass noch eine Dame
mit einem Kinderwagen ungeduldig mir entgegen schaut.
Ich schaue in den Innenspiegel und sehe mindestens
fünfzig Fahrgäste in meinem Bus sitzen.
Na ja denke ich, dort wird bestimmt jemand
so freundlich sein, der Dame zu helfen.
Es sind ja auch keine jungen kräftigen durchtrainierten Männer zur Hand, denn, die sitzen alle schon auf der hinteren Bank, jeder mit seinem MP3 Player
oder einem Handy beschäftigt.
Und bevor ich mir jemanden rauspicke,
das er mit anpacken soll, mach ich das lieber selber,
das geht wesentlich schneller.
Bei ihr angekommen, öffne ich die Türen und stelle mal wieder fest, dass sich niemand spontan erhebt,
um der Dame zu helfen.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder ! Nun gut!
Ich betätige wieder einmal die Rampe,
aber..........sie rührt sich nicht.....
na toll, eben ging doch noch alles?........
ich betätige wieder den Knopf.....
aber, es rührt sich immer noch nichts......
ok, sage ich mir, alles gar nicht so schlimm,
schnell die Feststellbremse angezogen
und ich gehe durch den Bus zur hinteren Einstiegstür.
Bevor ich jemanden bitte, habe ich es selbst schon erledigt.
Schließlich war ich als Frau auch schon einmal in der Situation, einen Kinderwagen mit einem Bus
transportieren zu müssen.
Leider ist man dann immer auf die Hilfsbereitschaft der anderen Menschen angewiesen.
Zur Belohnung bekomme ich ein freundliches
"Danke schön". ...Na, es geht doch ......
Auf meinem Weg zum Fahrersitz bemerke ich ein paar verschämte, zur Seite schauende Blicke. Sie wissen warum!
Ich fahre weiter.......ne, ich fahre nicht weiter, ich möchte gern, aber ich kann nicht, ich stehe...........
Ich kann nicht fahren, weil irgendwelche Autos mir den Weg versperren........
Wir tasten uns cm für cm vor, na,
das kann ja heiter werden...
So schnell mache ich mir eigentlich keine Sorgen,
wenn da nicht.....ja, wenn da nicht meine Blase wäre,
die sich wieder meldet......
Lieber Gott, muss denn ausgerechnet heute mal wieder alles zusammenkommen ?
Ich höre jetzt schon die nächsten Fahrgäste auf mich einreden, wo ich denn jetzt erst herkomme?......
und so weiter.........
Auch hier folgt keine Fortsetzung, smile.........
lg Sorajah
oder was es heißt, der Zeit hinterher zu fahren !
Also, als erstes braucht man einen Omnibus,
eine genau anzeigende Armbanduhr, viel Wechselgeld
und vor allem gute Nerven.
Besitzt man nun diese Dinge, hat man alle Voraussetzungen erfüllt, ein guter Busfahrer/in zu werden.
Wenn man dann noch das Glück hat,
dass Fahrgäste an der Haltestelle stehen,
kann die Fahrt losgehen.
Vorher wäre noch zu vermerken, Verspätungen sind nicht plötzlich da, sie bauen sich Stück für Stück auf.
Ich erzähle hier meine Geschichte in verschärfter Form,
es kommen meist nicht alle Dinge auf einmal zusammen,
aber um zu demonstrieren,
was einem so alles passieren kann auf der Linienfahrt.
Und es soll doch tatsächlich Fahrgäste geben,
die meinen, die Busfahrer haben geschlafen
oder nur zu lange Pause gemacht,
wenn der Bus nicht pünktlich an der Haltestelle zur angegebenen Uhrzeit steht !
Hamburg, an einer X-beliebigen Haltestelle......
eine X-beliebige Linie....
Es ist 7.30 Uhr, mein Omnibus rollt in die erste Haltestelle.
Es steigen drei Fahrgäste ein, freundlich grüßend.
Auch meine Laune ist bestens.
An der nächsten sind es schon fünf Fahrgäste,
drei davon müssen bezahlen.
Alle haben passendes Fahrgeld. So liebe ich es.
Es geht flott voran.
An der kommenden Haltestelle sieht es schon
ein wenig anders aus.
Mit der U- Bahn und anderen Bussen
muss ein Anschluss hergestellt werden.
Es ist ein Kommen und Gehen.
Es laufen so viele gehetzte Menschen herum,
dass man nicht mehr sieht,
wer zu welchem Bus läuft.
Also heißt es warten, bis jeder seinen Platz gefunden hat.
In dem Augenblick, als ich die Türen schließen will,
kommt noch ein Mann von der U- Bahn herübergelaufen
und winkt wie wild mit seinem Regenschirm.
Gilt dieser freundliche Gruß mir?
Ja, ich fürchte, er meint mich.
Also warte ich und öffne noch einmal die hintere Tür.
Kaum, dass der Fahrgast sich in meinem Bus befindet, schließe ich die Tür und nehme die Fahrt wieder auf.
Nicht, dass sich noch jemand überlegt,
lieber mit mir zu fahren.
Ein Blick auf die Armbanduhr verrät mir,
dass ich 4 Minuten Verspätung habe.
Um mich selber zu beruhigen denke ich,
das macht überhaupt nichts, das hole ich schon wieder auf. Die Fahrt geht weiter.
Bis zum nächsten Halt ist es eigentlich nicht sehr weit. Wenn, ja wenn dazwischen nicht so viele PKW´s
stehen würden.
Man kann die riesige Kreuzung schon sehen
und aus jeder Richtung kommen die Autos herangerollt,
um schnell zur Arbeit zu gelangen.
Kaum mit meinem Bus angefahren,
stehe ich auch schon wieder auf der Bremse.
Eine wichtige Frage geht mir durch den Kopf!
Müssen eigentlich alle Arbeitnehmer
zur gleichen Uhrzeit anfangen?
Ca. 150 m bis zur Ampel- Kreuzung.
Bis dorthin sehe ich nur noch Autos.
Die Ampel ist aber auch wirklich sehr kurz eingestellt. Eigentlich würden 5 Autos bei der Grünphase rüberkommen,
da aber bekanntlich der erste PKW- Fahrer
erst den Gang einlegt,
wenn die Ampelschaltung schon auf Grün steht,
werden es wohl nur 3 werden......
Im Stillen rechne ich mir aus,
dass ich vier Ampelphasen brauche,
um auch die Kreuzung passieren zu dürfen.
Kommen ca. 6 Minuten Verspätung zu meinen
bisherigen 4 Minuten dazu.
Bei 15 Minuten Pause an der Endhaltestelle
bleiben mir zumindest noch 5 Minuten fürs Frühstück. -
Das muß reichen -.
Oder muss ich auch noch das WC aufsuchen ???????
Endlich komme ich nach einiger Zeit
( bei spätgelb ) mit über die Kreuzung. Geschafft!
An der nächsten Haltestelle möchte niemand
ein- oder aussteigen.
"Glück muß man haben."
Ich freue mich schon,
weil an der nachfolgenden Haltestelle
auch niemand aussteigen will,
denn bis jetzt leuchtet noch nicht das Stop- Licht !!!
Das war wohl etwas verfrüht,
denn im letzten Moment macht mir ein herbeieilender Fahrgast einen Strich durch die Rechnung .
Gerade jetzt, wo doch niemand aussteigen will
und ich ein paar Minuten gutmachen kann.
Na gut, warten ist angesagt.
Eigentlich könnte man ja erwarten,
dass man pünktlich an der Haltestelle steht, oder ?
In der Bedienungsanleitung für Fahrgäste steht drin,
der Fahrgast muss sich 2 Minuten vorher
an der Haltestelle einfinden !
Mit 1 Minute wäre ich auch schon zufrieden.
Na gut, überredet, pünktlich auf die Minute,
damit könnte man dem Busfahrer auch schon
eine sehr grosse Freude bereiten !.
Aber vielleicht hat der junge Mann ja
heute mal ausnahmsweise verschlafen
und dafür hat man ja Verständnis!
Mit immer noch freundlichem Gesicht warte ich ab,
bis er keuchend die hintere Eingangstür erreicht hat,
damit ich meine Fahrt fortsetzen kann.
Nach sehr kurzer Zeit allerdings verfinstert sich
mein Gesichtsausdruck,
denn dieser Mensch wagt es doch tatsächlich,
zu bedanken. Statt dessen setzt er seine Kophörer auf,
um sich von seiner Musik berieseln zu lassen.
Natürlich so laut, dass die Leute in seiner näheren Umgebung auch etwas davon haben und somit keine Chance mehr haben, noch einmal etwas einzunicken.
Ein Vorsatz steigt in mir auf:
falls dieser junge Mann noch einmal seinen
Frühsport verrichten möchte,
dann nicht in der Nähe von meinem Bus!
Dieses Gesicht ist gemerkt und notiert!
Ich werde meinen Blick dann nach links wenden,
leider kann auch ich nicht alles sehen.
Die Fahrt geht weiter.
Ich betrachte mir die Gegenfahrbahn.
Blechkaravane.
Meter für Meter tasten sie sich vor.
Na toll, dort werde auch ich mich anstellen müssen
auf der Rückfahrt.
Meine Laune sinkt langsam aber sicher auf den Nullpunkt.
Die nächsten drei Haltestellen -
ohne besondere Vorkommnisse.
An der vorletzten Haltestelle stehen vier Fahrgäste.
Inzwischen habe ich mir 14 Minuten Verspätung eingehandelt. Die Fahrgäste steigen mit ernstem Gesicht ein
und alle benutzen den vorderen Einstieg.
Einer von ihnen schaut zu seiner Armbanduhr,
mit der Bemerkung:
"Wo kommen Sie denn her, reichlich spät heute, was?"
( Ob er wohl eine neue Armbanduhr bekommen hat?
Aber ich frage ihn lieber nicht danach! )
Doch bevor ich mich verteidigen kann,
geht er nach hinten durch, setzt sich
und starrt mich die ganze Zeit mit bitterbösem Blick an.
Ganz ruhig sage ich zu mir, nur nicht provozieren lassen.
Einer der Fahrgäste muss bezahlen und legt mir einen 50 € Euro- Schein auf den Tresen,
mit einem Ohr am Handy und sagt forsch zu mir:
"Einmal in die Innenstadt"!!!!!
Ich sage ihm, das ich den Schein nicht wechseln kann,
dann wäre mein ganzes Kleingeld weg,
aber er hört mich gar nicht,
weil er ja mit seinem gegenüber am Handy weiterreden muss. So, wie ich es mitbekomme, redet er mit seiner Freundin / Frau, die etwas sucht.......
Plötzlich schaut er mich an
und sagt mit einem noch forscheren Ton:
"Haben Sie mich nicht gehört, ich will in die Innenstadt", und wieder mit dem Ohr am Handy.
Mein Hals schwillt an, sehr sogar.
Ich beachte den Herrn nicht weiter ,
ignoriere den grossen Schein auf dem Tresen
und fahre einfach los.
Ich grummel so leise vor mich hin,
als plötzlich dieser oberfreundliche Herr
in sein Handy spricht,
"Süsse, wir reden nachher weiter,
ich werde hier gerade veräppelt",
( das richtige Wort, welches der Herr benutzte,
möchte ich hier nicht kundtun )
klappt sein Handy zusammen
und wollte gerade ausholen......
“ Haben Sie........."
Ich schnitt ihm das Wort ab und sage:
"Junger Mann, sie haben mich wohl nicht verstanden,
es ist unhöflich, mit 2 Leuten gleichzeitig zu reden
und ich habe ihnen 2 mal gesagt,
das ich den Schein nicht wechseln kann,
da ansonsten mein ganzes Wechselgeld aufgebraucht ist"!
( Mein Hals......na, Sie wissen schon....)
"Da kann ich auch nichts für
und Sie müssen den Schein wechseln" !!!!!
Oha, dachte ich mir, so einer........
Na gut, dann werden wir ihn mal auflaufen lassen.
( Normalerweise würde ich im Bus nachfragen,
ob jemand den Schein wechseln kann,
aber in diesem Fall............no) !!!
Der Ton macht immer noch die Musik,
das hat sich im Laufe der Jahre auch noch nicht geändert !
"Ok, sage ich ihm: "Sie haben 2 Möglichkeiten:
Ich gebe Ihnen auf 20 € Euro raus
und gebe Ihnen eine Quittung
und da sie ja sowieso in die Innenstadt müssen,
dürfen Sie sich des restliche Wechselgeld gern
im Hochbahnhaus abholen.
Oder sie steigen bitte an der nächsten Haltestelle aus
und wechseln den Schein,
dann nimmt sie mein nachfolgender Kollege
gern weiter mit"!!!!!
Ich sage Ihnen, das Gesicht von dem Herrn
hätten Sie sehen sollen..........
Er konnte kaum noch etwas sagen und wutentbrannt nahm er seinen Schein und nachdem ich schon an der nächsten Haltestelle angekommen war,
gab er mir zu verstehen, ohne Worte,
das er gern den Bus verlassen möchte......
Reisende Leute soll man nicht aufhalten !!!!!
Ich bin normalerweise sehr freundlich
und so leicht bringt mich auch nichts aus der Ruhe, aber......Ein wenig Höflichkeit von Seiten der Fahrgäste kann man doch erwarten, oder ?
Ich schaue jetzt nicht auf die Uhr,
ich möchte gar nicht wissen,
wieviel Zeit ich dadurch verloren habe!!!
Ich mache diesen Job seit fast 28 Jahren, aber immer wieder ärgern mich unhöflichen Leute und ich denke,
das muss man nicht so einfach hinnehmen !
Wie man in den Wald............
das kennen Sie doch oder ?????.....
Mit knirschenden Zähnen fahre ich meinem Ziel entgegen.
Endlich, die Fahrgäste stürmen raus und ich schaue zur Uhr. Den Kampf mit der Zeit habe ich verloren!
Frühstück gestrichen. Das WC gestrichen.......
Zeitung lesen....gestrichen.......
Ok, sage ich mir, ich bin ja gut durchtrainiert.......
Eine Minute steht mir noch zur Verfügung.
Was fange ich bloss damit an?????.....
Plötzlich fällt mir mit Schrecken ein,
was mir auf der Rücktour bevorsteht.
Noch mehr Verspätung!
Hält das meine durchtrainierte Blase auch durch?
Ich lasse es auf einen Versuch ankommen.
Schnell das Fahrtziel geändert
und gleich wieder an den Start,
wo schon genügend Fahrgäste auf mich warten.
Jeder will oder muß bezahlen.
Ich wollte gerade die Türen schliessen,
da kommt noch eine Dame mit Kind
und einem Kinderwagen angerannt.
Ok,ich fahre die Rampe raus,
die sehr langsam ausfährt und die Dame kann einsteigen.
Ich gehe wieder zu meinem Platz,
da steht das Kind vor mir und sagt sehr zögernd,
das ihre Mama noch einen Fahrschein braucht.
Sie steht so schüchtern vor mir, herzallerliebst.
Ich gebe ihr einen Fahrschein
und stolz läuft sie zu ihrer Mama.
Das sind Momente, die heitern mich auf.
Was mich allerdings kaum aufheitern wird,
ist der Rückstau, in den ich jetzt fahren muss.
Gesagt - getan, auf der Rücktour schließen wir uns
der „ Blechkommpanie - roll roll “ an
( Kennen sie noch die Augsburger Puppenkiste ? )
Schrittempo.
Nochmals ein verstohlener Blick zur Uhr. 8.06 Uhr. Hauptverkehrszeit. Ich habe jetzt 5 Minuten in der Uhr
und wir haben noch nicht einmal
die 3. Haltestelle erreicht !
Aber sie ist wenigstens schon in Sicht.
Ich kann erkennen,dass noch eine Dame
mit einem Kinderwagen ungeduldig mir entgegen schaut.
Ich schaue in den Innenspiegel und sehe mindestens
fünfzig Fahrgäste in meinem Bus sitzen.
Na ja denke ich, dort wird bestimmt jemand
so freundlich sein, der Dame zu helfen.
Es sind ja auch keine jungen kräftigen durchtrainierten Männer zur Hand, denn, die sitzen alle schon auf der hinteren Bank, jeder mit seinem MP3 Player
oder einem Handy beschäftigt.
Und bevor ich mir jemanden rauspicke,
das er mit anpacken soll, mach ich das lieber selber,
das geht wesentlich schneller.
Bei ihr angekommen, öffne ich die Türen und stelle mal wieder fest, dass sich niemand spontan erhebt,
um der Dame zu helfen.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder ! Nun gut!
Ich betätige wieder einmal die Rampe,
aber..........sie rührt sich nicht.....
na toll, eben ging doch noch alles?........
ich betätige wieder den Knopf.....
aber, es rührt sich immer noch nichts......
ok, sage ich mir, alles gar nicht so schlimm,
schnell die Feststellbremse angezogen
und ich gehe durch den Bus zur hinteren Einstiegstür.
Bevor ich jemanden bitte, habe ich es selbst schon erledigt.
Schließlich war ich als Frau auch schon einmal in der Situation, einen Kinderwagen mit einem Bus
transportieren zu müssen.
Leider ist man dann immer auf die Hilfsbereitschaft der anderen Menschen angewiesen.
Zur Belohnung bekomme ich ein freundliches
"Danke schön". ...Na, es geht doch ......
Auf meinem Weg zum Fahrersitz bemerke ich ein paar verschämte, zur Seite schauende Blicke. Sie wissen warum!
Ich fahre weiter.......ne, ich fahre nicht weiter, ich möchte gern, aber ich kann nicht, ich stehe...........
Ich kann nicht fahren, weil irgendwelche Autos mir den Weg versperren........
Wir tasten uns cm für cm vor, na,
das kann ja heiter werden...
So schnell mache ich mir eigentlich keine Sorgen,
wenn da nicht.....ja, wenn da nicht meine Blase wäre,
die sich wieder meldet......
Lieber Gott, muss denn ausgerechnet heute mal wieder alles zusammenkommen ?
Ich höre jetzt schon die nächsten Fahrgäste auf mich einreden, wo ich denn jetzt erst herkomme?......
und so weiter.........
Auch hier folgt keine Fortsetzung, smile.........
lg Sorajah
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