An alle, die diesen Artikel anklicken….lest ihn bitte wertefrei…es ist ein Erfahrungsbericht.
Er wird den Einen berühren…den Anderen vielleicht abstoßen.
Es ist immer noch Zeit…einfach wegzuklicken.
Es ist Samstag.
Heute lasse ich mich auf ein neues Abenteuer ein. Ich bin neugierig…und viele außergewöhnliche Erfahrungen haben mich die letzten Jahre begleitet.
Es erwartet mich heute eine schamanische Familienaufstellung und ich habe überhaupt keine Ahnung, um was es sich handelt.
Kurz vor 10 Uhr werde ich von meiner Freundin abgeholt. Wir fahren nach Darmstadt. Dort werden wir schon erwartet. Mitten in der Innenstadt befindet sich die Räumlichkeit, in der heute B. diese Familienaufstellung als Couch leiten wird. Sie hat seit einiger Zeit die Ausbildung dazu beendet…doch irgendwie noch nicht ihr Wissen weitergegeben.
So ist für sie heute Premiere angesagt…sicherlich ist sie genauso aufgeregt, wie wir alle anderen auch.
In einem kleinen Vorraum sind Getränke, Kaffee und ein kleines Buffet aufgebaut. Wir legen unsere Fressalien dazu und so ist schon mal eines klar. Wir werden weder Hunger noch Durst leiden müssen.
Die Familienaufstellung findet in einem lichtdurchfluteten Raum statt. Große Fenster, eine Tür, die auf den Balkon führt. Helles, freundliches Parkett…schöne Bilder an der Wand. In der Mitte des Raumes liegt liebevoll dekoriert ein orangenes Tuch, darauf steht eine Vase mit Rosen, ein kleiner Buddha, eine brennende Kerze und ausgelegte Bildkarten, denen man nur die Rückseite ansieht. Der Raum war schon vor unserer Ankunft ausgeräuchert worden….also sind nur gute Kräfte anwesend.
Insgesamt sind wir 8 Personen und jede von uns soll heute zu seiner eigenen Familienaufstellung kommen.
Wir nehmen auf dem Boden, auf unserer Decke, auf unserem Kissen, Platz. An den Füßen tragen wir dicke, warme Socken.
B. erklärt uns die Vorgehensweise, stellt sich und ihr Anliegen mit einem wunderbaren Gedicht vor. Es handelt von unseren Flügeln, die wir alle haben, die wir nicht am Wachstum hindern sollen und mit denen wir das Fliegen lernen sollen…natürlich steht diese Wortmetapher für die eigenen, innere Freiheit…den gesunden Egoismus, den wir uns nicht nehmen lassen sollen.
Wir erfahren etwas über Energiefluß, Metaphysik, Reflektion und dem kollektivem Bewusstsein und dürfen eine Karte ziehen.
Meine Karte: Geistiges Wachstum….und da liege ich ziemlich nahe an meiner Thematik. Marlies der Luftmensch, der seine Gedanken fliegen lässt, die Freiheit der Gedanken und Ideen braucht und dafür die letzte Zeit viel losgelassen hat und in ihrem Wachstum nicht behindert werden möchte.
In den nächsten Stunden werde ich stellvertretend aufgestellt, schlüpfe mal in die Rolle eines Großvaters, einer Schwester, von Müttern. Immer mit einer anderen Lebensgeschichte und einem anderen Personenbild. Ich bin voller Staunen, wie gut man sich in diese Rollen hineinlebt, für kurze Zeit, sie ausspielt und damit zu Lösungsansätzen verhilft.
Irgendwann treten auch Kopfschmerzen auf, denn es steckt viel Emotionalität dahinter. Die Tempotaschentücher werden knapp, denn die Tränen fließen so leicht.
Meine Familienaufstellung ist nun dran.
Mein Thema, ich habe so vieles losgelassen, mich von den Verantwortungen verabschiedet. Mein Exmann, Haus, Garten….Loslassen in Liebe….doch loslassen musste ich dazu auch meine Söhne, 14 und 16 Jahre alt.
Was mich drückt ist ein Gefühl der Schuld und ich möchte mich davon befreien.
Meine Freundin stelle ich auf für mich.
Eine der Frauen für meinen Exmann. Zwei Andere vertreten meine Söhne. Eine Frau steht stellvertretend für die Schuld. Ein weißer Stuhl steht für die räumliche Entfernung.
Natürlich habe ich kurz vorher meine Lebensgeschichte erzählt. Nun stelle ich die Personen im Raum auf. Alle schauen seitlich zum Fenster, zum Licht hin. Meine Freundin steht auf der linken Seite, die Schuld steht hinter ihr und hat die Hände auf ihrer Schulter.
Meine Söhne, in der Mitte mein Exmann, stehen auf der rechten Seite.
Dazwischen steht im Raum der weiße Stuhl, Sinnbild für die räumliche Entfernung.
Nun trete ich hinter jeden Einzelnen und sage etwas zur Person.
Ich…stellvertretend meine Freundin….möchte leben, strahlen, liebe die Natur, brauche Freiheit, erlebe gerade die Liebe in einer Beziehung.
Die Schuld….ich sehe meine Kinder zu wenig, kann ihnen nicht helfen, kann sie nicht wirklich mehr auf ihrem Weg begleiten.
T. mein älterer Sohn, als Kleinkind ein Sorgenkind, das nicht essen wollte, das nicht erwachsen werden wollte. Er ist zerrissen, kennt noch nicht seinen Platz in dieser Welt…und der Vater kann ihm nicht helfen.
S., mein Exmann, der mich geheiratet hat um in Deutschland bleiben zu können. Der sich seit vielen Jahren in verschiedenen Selbstständigkeiten versucht hat. Mal mit gutem Erfolg, in den letzten Jahren aber nicht mehr auf einen grünen Zweig kommt. Der mit seiner jordanischen Kultur verbunden ist, mit den Regeln, Traditionen und Gesetzen, der seinen Kindern nicht wirklich helfen kann, sie aber liebt.
K. mein Jüngster …ADS Syndrom und immer wieder Schwierigkeiten mit Lehrerinnen . Der mir ganz besonders ans Herz gewachsen ist, wir lieben beide den Tanz, der nun jeden Dienstagnachmittag zu mir kommt, vom Vater gebracht, Hausaufgaben, schöne Gespräche und die obligatorische Pizza…das ist Mamaheimat.
Ich gehe nun auf meinen Platz, eine Art Beobachtungsposten und B. lässt das Spiel beginnen.
Sie stellt die Fragen und nun kann vor meinen Augen der Film der Wahrheit ablaufen.
Es ist zuviel, den Probanten geht es in ihren Rollen nicht gut.
Es geht so tief.
Ich kann es nicht aufhalten, schreie meinen Schmerz und meine Traurigkeit heraus.
Hier ist der Platz, an dem ich es darf, hier fühle ich mich aufgehoben. Bekomme eine Decke, ein Kissen, bin längst zu Boden gegangen.
Hier wird die Schuld verabschiedet und darf die Liebe ihren Platz einnehmen.
Hier erklärt mir mein Sohn T., dass ich mir keine Sorgen machen soll, dass er seinen Weg gehen möchte, an der Seite seines Vaters Wärme empfindet und sich zu ihm hingezogen fühlt (das wusste ich in meinem Innersten längst)
Kann mich von meiner Anklage befreien, die zwischen mir und meinem Ex steht. Die Frage, warum hast du die räumliche Trennung erwirkt, warum kannst du deinen Kindern keine Stütze sein.
Mein Sohn K. erklärt mir, dass er zu seinem Bruder nicht wirklich einen Draht hat. (Auch das wusste ich längst), dass er mich liebt und sich auf die gemeinsamen Dienstage freut.
Ein ganz anderes Weinen nimmt nun den Raum ein. Erleichterung, Friede , Freude und ganz viel Liebe kommt an die Oberfläche.
B. nimmt nun meine Hand und stellt mich an die Stelle der Schuld. Meine Hände ruhen auf der Schulter meiner Freundin und B. tritt hinter mich. Warme Hände liegen nun auf meiner Schulter und sie spricht die Liebe herbei.
Die Liebe, die Selbstliebe tritt nun an den Platz, die Kraft, die eigentlich schon immer da war und mir meinen Weg ermöglichte.
Am Ende umarme ich meine Söhne und spüre ihre Liebe und Wertschätzung. Umarme meinen Exmann, sage ihm, dass wir keine Schuld daran haben, dass unsere Weltbilder so unterschiedlich sind und ich spüre, dass wir uns trotzdem im Herzen behalten werden.
Das ist Familienaufstellung und im Moment fühle ich mich nur totmüde und ausgelaugt. Meine Augen brennen vom vielen Weinen.
Doch zum Schluss ziehen wir nochmals eine Bildkarte.
Wahrheit und Integrität, steht auf dieser wunderschönen Karte. Eine Venus, die von lauter Kinderengeln umgeben ist, Lachen, Strahlen, Freude und Lebenslust, alles ist auf diesem Bild vereint.
Damit gehe ich aus dieser wunderbaren Erfahrung, gehe zurück in meine Welt und weiß, ich bin auf dem richtigen Weg zu mir selbst.
Marlies
Ich möchte mich von meiner Schuld verabschieden...
.....die Erfahrung einer schamanischen Familienaufstellung.
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