Meine Lebensregeln sind mir irgendwann einmal so zugefallen. Da gibt es welche, die ich von meiner Großmutter oder meinem Vater habe. Andere sind zu mir gekommen durch den Kontakt zu anderen Menschen.
Es gab einmal vor Jahren eine Kindersendung im Fernsehen, die meine Tochter geliebt hat. "Janosch's Traumstunde". Darin machte sich der kleine Tiger oft auf den Weg um Pilze zu finden. Diese Wortwahl hat mir gefallen. Jahre später nahm ich an einem Kurs der Volkshochschule teil. Das Publikum war gemischt. Männlein und Weiblein im Alter von 25 bis 81. Doch gerade diese Mischung war für alle ein Gewinn.
Der Kurs war zu Ende. Wir machten uns bereit für den Heimweg. Eine junge Frau wühlte und kramte mit immer hastigeren Bewegungen in ihrer Handtasche.Das begleitende Selbstgespräch wurde lauter und ärgerlicher. Etwa einen Meter entfernt blickte eine Teilnehmerin von etwa 70 Jahren sehr gelassen in die weit geöffnete Tasche. "Scheiße!" Ein Schrei, ein Klirren. Die junge Frau hatte die Tasche mit Schwung ausgeleert. Nun schob sie die vor ihr liegenden Schätze auseinander. "Verdammt. Gerade heute, wo ich noch etwas vorhabe, muss ich hier herumstehen und Autoschlüssel suchen." Sie blickte zu der älteren, die scheinbar auch noch nicht das Objekt der Begierde erspäht hatte."Auch der Autoschlüssel?" Die Dame lächelte: "Ja. Ich finde ihn." Die jüngere warf mit reichlich Wut im Bauch ihre Habseligkeiten in die Tasche zurück. "Ach, ich könnte platzen. Warum bleiben Sie eigentlich so ruhig?" " Ich suche nicht, ich finde." "Wie das?" "Es ist ganz einfach. Was meinen Sie wie oft ich in meinem Leben schon etwas gesucht habe. Auf die gleiche Art wie Sie. Je hektischer ich wurde, um so schwieriger die Suche. Dann fehlte mir nicht nur der Schlüssel, sondern auch die gute Laune. Irgendwann beschloss ich nicht mehr zu suchen. Ich finde. Wenn nicht gleich, dann später." Sie lächelte, griff in die Tasche und zog den Schlüssel hervor. Beide lachten. Sie lachten noch mehr, als die junge Frau ihren Schlüssel in der Jackentasche fand.
Ich war nur die stille Beobachterin dieser Szene. Doch der Eindruck war nachhaltig. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Beleg für Steuererklärung brauche, gehe ich ihn finden. Er ist ja in dem Stapel der Belege. Gut manchmal finde ich etwas, das schon völlig aus meinem Gedächnis verschwunden war. Pause zum Freuen. Den Beleg finde ich dann auch.
Eigentlich suchst du doch,wird der eine oder andere einwenden. Sicher. Doch meine Einstellung ist eine andere geworden. So bald ich fest glaube, dass ich es finden werde, gehe ich anders an die Dinge heran. Suchen hat für mich etwas Stress zu tun. Finden mit Überraschung und Freude.
Ich suche nicht, ich finde. So steht es auch in meinem Profil. Diese kleine Geschichte erklärt, weshalb.
Ich suche nicht, ich finde
Die zweite meiner zehn Lebensregeln. Vom Suchen und Finden
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