Schon einmal habe ich es geschafft mich wieder lieb zu haben und ich weiß, ich werde es wieder schaffen. Vor etwas weniger als vier Jahren ist mein Mann gestorben. Er hatte Krebs. Damals ist eine Welt für mich zusammen gebrochen. Ich wusste nicht wie es weitergehen sollte. Die Zeit in der er krank war, besonders die Zeit seines Sterbens, hatte mich sehr viel Energie gekostet. Es war damals sein Wunsch zuhause zu sterben und ich habe ihm den Wunsch ohne groß zu überlegen erfüllt. Hab damals aber nicht darüber nachgedacht, was es mich persönlich kosten würde es zu tun. Es war eine sehr schlimme Zeit, die ich aber in meinem Leben nicht mehr missen möchte, weil ich meinen Mann sehr lieb gehabt habe und dass, das letzte war, was ich für ihn tun konnte.

Als er dann gestorben ist, im März ist es vier Jahre her, war es zum einen eine große Erleichterung nicht mehr zuschauen zu müssen, wie der Mensch, den man so viele Jahre lieb gehabt hat sich quälen muss. Wir waren damals 25 Jahre zusammen. Aber wie sollte es weitergehen. Wir hatten drei Söhne zusammen. Der mittlere meiner Söhne war damals grad 18 Jahre alt geworden und geistig behindert. Der große war 21 und der kleine 13 Jahre alt.

Eltern hatte ich keine mehr und zu meinen Schwiegereltern hatte ich kein gutes Verhältnis. Ich beschloss mit den Jungs neu anzufangen. Ich verließ Haus und Hof, wo ich mit meinem Mann 15 Jahre gelebt und gearbeitet habe. Wir hatten eine kleine Baumschule, die meinen Schwiegereltern gehörte, die neben uns wohnten. Mein Ältester hatte den Wunsch alleine zu leben und suchte sich eine eigene Wohnung. Ich wollte weg, ziemlich weit weg von hier. Beschloss mit den beiden jüngeren zu meiner Freundin nach Walsrode zu ziehen. Was aber nicht klappte, weil es dort keine passende Wohnung gab für mich.

Also verschlug es mich hierher. Zwar nur etwa 25 km von meinem alten Zuhause entfernt aber weit genug weg von meinen ungeliebten Schwiegereltern. Hier baute ich mir mit meinen Jungs ein neues Zuhause auf. Ich mietete ein kleines Häuschen auf dem Land, wo ich heute noch mit den beiden Jungs wohne. Wir haben alle zusammen dieses Häuschen renoviert, was eine große Leistung war, denn wir mussten vieles alleine machen zum ersten Mal ohne Papa. Wir hatten ein paar enge Freunde die uns halfen. Es klappte wunderbar, weil wir alle zusammen hielten und an einem Strang zogen.

Ich trennte mich von ganz vielen alten „Freunden“. Und lebte hier mit meinen Jungs ein bescheidenes Leben. Es dauerte eine ganze Zeit, bis ich endlich das Gefühl von zuhause bekam. Es war immer wieder ungewohnt hierher zu fahren. Oft erwischte ich mich dabei, dass ich den falschen Weg einschlug und zu meinem alten Zuhause auf dem Weg war. Aber mit der Zeit gewöhnten wir uns hier ein. Die Nachbarn machten es uns sehr leicht und waren super nett und nahmen uns gleich in ihre Gemeinschaft auf.

So nach und nach kehrte auch wieder Frieden in meinem Inneren ein. Es dauerte etwa ein Jahr lang. Neue Freundschaften entwickelten sich und es gab eine Menge neuer Kontakte. Mit meinem neuen Leben war ich zufrieden. Ich hatte alles was ich brauchte. Meine Jungs, meine Hunde und mein Pferd. Ich war selten alleine, weil ich viele Freundinnen hatte, die mich hier regelmäßig besuchten.

Ich suchte mir einen Job, den ich mit den Zeiten an denen mein Sohn aus der Tagesbildungs-stätte kam vereinbaren konnte. Ich hatte nette Arbeitskollegen und in meiner Freizeit ging ich reiten. Alles war tutti. Ich war glücklich und zufrieden. Ich ruhte in mir selbst und hatte mich wieder lieb. Ich dachte zwar oft daran, dass es schöner wäre wenn es wieder einen Mann geben würde in meinem Leben, aber so war es auch in Ordnung.

Dann und wann hatte ich mal eine Verabredung mit einem Mann, aber es war nie jemand dabei der mich ernsthaft interessiert hat. Und zu mehr als einem Kennen lernen ist es nie gekommen. Ich war doch zufrieden damit hier so zu leben und hatte alles was mein Herz begehrte.

Dann ergab es sich, letztes Jahr im August, dass ich hier einen Mann kennen lernen durfte. Hier auf PN. Es kam wie es kommen musste, ich verliebte mich sehr in diesen Mann. Nur er, leider wohl nicht so sehr in mich. Denn nach ein paar Monaten, ließ er mich einfach mit einer kurzen SMS mit den Worten – Es tut mir Leid – stehen. Das war alles was ich zu hören oder besser zu lesen bekam. Hinzu kam auch noch, dass eine Freundin, die ich sehr gern hatte, die aber leider keine war, sich auch noch von meiner Seite verabschiedete. Dann noch Probleme mit meinem behinderten Sohn, die ich nicht erwartet hatte. Das hat mich so sehr umgehauen, dass es mir, im Moment, schwer fällt mich wieder lieb zu haben.

Ständige Zweifel, unbeantwortete Fragen quälen mich seit dem. Ich frage mich ständig was ich falsch gemacht habe oder falsch mache. Aber darauf gibt und gab es keine Antworten. Ich werde versuchen mich nicht mehr zu quälen, denn warum soll ich den Fehler denn bei mir suchen? Er wollte es nicht mit mir besprechen, ob es jetzt darum war mich zu schützen oder weil er zu feige war. Ich weiß es nicht und es soll mir auch völlig egal sein. Vorbei ist vorbei.

C'est la vie. So ist das Leben. Es wird neue Menschen geben in meinem Leben, Menschen die wissen wie ich ticke und die mich lieb haben mit all meinen Ecken und Kanten, Menschen, die auch ich lieben kann, weil sie es wert sind geliebt zu werden. Ein paar alte wirkliche Freunde, die ich sehr lieb habe, gibt es auch noch.

Ich brauch nur noch ein bisschen, nur noch ein bisschen Zeit um meine Wunden zu lecken, dann werde ich mich auch wieder lieb haben können. Versprochen!

Euch allen möchte ich Danke sagen, Danke dass ihr für mich da seid und mir die Kraft zurückgebt, die ich für einen Moment verloren glaubte...

Eure Winnie Pooh