"Kann ich mal dein Handy benutzen? Mein Akku ist leer. Danke."
"Hallo,grüß dich,
"im Urlaub."
"Klar warum soll ich nicht? Du weißt doch, wir hatten darüber
geredet."
"Auf der MS Augusta."
"Herrlich, manchmal ist das Meer sehr stürmisch. Die ersten zwei Tage war ich ziemlich seekrank",
wie?"
"Ja, jetzt geht's mir wieder besser."
"Ich habe für vier Wochen gebucht, danach sehe ich weiter. Vielleicht bleibe ich noch eine Weile, wo es mir gut gefällt.Ich hab keine Eile."
"Was meinst du mit Geld, warum soll es nicht reichen? Ach habe ich es dir nicht erzählt, ich dachte schon, ja langsam werde ich alt.
18500.- im Lotto",
"das schminke dir mal schön ab. Ich komme erst wieder, wenn alles verbraten ist.
"Tschüss, der Akku ist leer."
"Mann hast du eine blühende Fantasie, wen hast du eben so angelogen? Glauben die wirklich alles, was du sagst?"
"Klar doch,wen geht es etwas an, dass ich mal wieder einsitze? Meine eineinhalb Jahre schaffe ich schon, ohne dass meine ehrenwerte Verwandtschaft etwas davon erfährt.
"Bist du verheiratet?"
"Das war einmal."
"Und, hast du Kinder?"
"Du spinnst wohl, glaubst du im Ernst, dass ich dann solche Sachen mache?"
"Du bist mir ein Schlawiner, das muss ich mir für die Zukunft merken."
"Ich melde mich einmal im Monat, dass sie keinen Verdacht schöpfen, das klappte bisher immer. Und ehe ich zurückkomme, verbrenne ich mir das Gesicht und den Oberkörper auf der Sonnenbank."
"An was du alles denkst, ich muss dich bewundern. Wollen sie keine Ansichtskarten, das ist doch so üblich?"
"Da habe ich vorgesorgt, ich schreibe schon lange nicht mehr. Jetzt sind sie es gewohnt."
"Warum bist du denn hier?"
"Nun, das ist eine lange Geschichte."
"Nur zu, wir haben doch Zeit."
"Ich bin ein Taschendieb."
("Automatisch tastete mein Gegenüber nach seiner Geldbörse.)
"Du musst vor mir keine Angst haben, ich ziehe nur, wo es sich auch lohnt."
"Erlaube mal."
"Doch ich meine, wo richtig viel Zaster drin ist."
"Aha, daher die 18500.-Euro."
"Ja, soviel wären es jetzt."
"Hast du denn schon alles ausgegeben?"
"Bis auf den letzten Cent."
"Und nichts auf die Seite gelegt für die Zukunft? Das verstehe ich nicht."
"Wozu, ich brauche es nicht, ich kann mir immer etwas besorgen."
"Aber was hast du dann damit gemacht?"
"Das ist die eigentliche Geschichte.
Ich ziehe nur, wo es sich lohnt, und stecke dem nächsten Opfer die leere Brieftasche zu. Was glaubst du, wie verwirrt der ist, wenn er statt der eigene eine fremde öffnet. Ich bin stets in seiner Nähe, denn das Schauspiel will ich mir nicht entgehen lassen.
Und noch verblüffter sind die Menschen denen ich helfe. Zum Beispiel die alte Frau, die an der Supermarktkasse stand, und rechnete. "Kann ich die Schokolade noch bezahlen?"
Das war vielleicht ein Hammer.
Ich steckte ihr einen Fünfziger zu. Als sie bezahlen wollte, sah sie ganz ungläubig das viele Geld. Sie drehte es in den Händen und sagte: "Aber woher?"
Der Marktleiter stand in der Nähe. Er beobachtete die Szene und griff ein, "der fiel mir aus der Tasche."
Ohne weiteres nahm er ihr den Schein ab."
"Das konntst du doch nicht hinnehmen?"
"Nein, ich sann auf Rache. Wenig später war er ihn wieder los und mit ihm seine Geldbörse.
Oder die Mutter mit den drei Gören, die quengelten und wollten unbedingt ins Kino. Harry Potter lief.
Ich gab ihr einen Hunderter und sie musste mir versprechen, sofort mit den Kindern hineinzugehen. "Ich passe auf, dass ihr auch wirklich geht," drohte ich. Alle sahen mich an, als sei ich ein Geist.
Meistens gebe ich den Bettlern eine größere Summe."
"Erkennen sie dich nicht wieder?"
"Klar doch,sie freuen sich und halten den Mund."
"Und doch haben sie dich erwischt."
"Lange Zeit tat ich nichts, aber um nicht aus der Übung zu kommen fasste ich den Entschluss. Ich tue es wieder einmal."
(Nun machte ich in meiner Erzählung eine Pause, aber mein Gegenüber war so fasziniert, dass er mich aufforderte:)
"Und weiter"
"Ich geriet an einen Polizeikommissar in Zivil."
"Und darum bist du hier."
"Aber alle die anderen Spielchen konnte man mir nicht zur Last legen. Sie versuchten es zwar, doch keiner hatte mich beobachtet."
"Warum brummst du zwei Jahre? Das ist doch zuviel für Taschendiebstahl?"
"Ich hatte noch Bewährung."---
"Weswegen?"
"Einbruch, doch das lohnt sich heute nicht mehr. Die Wertsachen zu verhökern war sehr schwierig, auf den Flohmärkten werfen sie dir den Plunder nach. Und außerdem musste ich zu lange auf mein Geld warten."
"Wenn du rauskommst, was machst du dann?"
"Was wohl, weitermachen!"
Bild set von Pixelio
Artikel von mir,
alias Linda Bohrmann
alias Tonischreibt
Ich wurde erwischt
Eine nicht ganz ernstzunehmende Geschichte
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