Es war einmal in einem kleinen malerischen Dorf ein Kaufmann. Er war so niedlich anzusehen, dass sich alle Bewohner des Ortes freuten, wenn sie ihn in seinem Lädchen besuchen konnten. Immer kamen viele Kinder zu ihm, dann aber auch die Mütter und Väter, die sich so gerne mit ihm unterhielten. Er hatte für jeden von den Menschen etwas Nützliches, was sie gerne mit nahmen. Nun, ist nicht zu vergessen, dass er Illusionen verkaufte, kleine niedliche Illusionen, die die Leute für ihren Alltag brauchten. Für die Kinder waren sie aus festem Material, wie Luftballons, die vor Freude quietschten, wenn sie ihre Form durch Aufblasen erhielten, oder Pfeifen auf die die Vögel antworteten. Die Erwachsenen bekamen gute Ratschläge, wie sie mit ihrem Leben besser umgehen konnten. Alle folgten ihm aufs Wort, denn er war sehr angesehen und keiner vergaß ihm einen Obolus dafür zu entrichten.
Es sprach sich herum, welch ein wundersamer Mensch in dem kleinen Ort lebte und bald kamen die Menschen aus den Nachbardörfern, um ebenfalls eine Illusion mit nach Hause zu nehmen. Sein Laden erschien ihm selbst zu klein, für die Masse an Menschen, die ihn täglich besuchten. Er überlegte kurz und entschied sich in eine größere Stadt zu gehen, damit er den Anforderungen gerecht würde. Ein großer Laden mit diesem kleinen Mann wirkte putzig auf die übrige Bevölkerung. Sie kamen aus Neugierde und wollten größere Illusionen, als wie er sie in dem kleinen Ort verkauft hatte. Ab dem Moment glaubte er, dass sich die Menschen aus seinem kleinen Ort in ihm nie das gesehen hatte, was er wirklich war. Er lieferte nicht mehr wie zuerst, seine Illusionen einmal in der Woche in den kleinen Ort, sondern lächelte über deren Kleingläubigkeit. Er hatte sie so gesehen, nie gebraucht, diese Menschen, die mit so wenig zufrieden waren.
Er wurde reicher und stolzer, als er sich das je erträumte. Er hatte ganz vergessen, dass er über seine Illusionen nachdenken musste, bevor er sie einfach so über den Ladentisch gab. Denn jeder Kaufmann prüft seine Ware, bevor er sie weiter gibt. Die Illusionen wurden größer und mächtiger, bis ihm eines Tages einfiel, dass es keine wirklich größeren mehr gab, obwohl die Menge sie verlangte. Deshalb hatte er den Einfall, dass er den Menschen die Illusionen wieder nehmen könnte, um sie dann teurer als je zuvor weiter zu verkaufen. Wenn sie sich sie wieder abnehmen lassen, ohne dass sie es merken, weil sie schließlich an ihn glaubten, dann ist es das bessere Geschäft. Gesagt, getan, er nahm, was er nehmen konnte und gab es an die Nächsten. Natürlich lag der Verdacht der Menschen nahe, dass der kleine Kaufmann sie betrog. Aber mit allen seinen schönen Worten konnte er sie an der Nase herum führen. Bis eines Tages ein Kunde, der eine riesige Illusion ausgebaut hatte und zu wahrhaftigen Höhenflügen aufgestiegen war, in seinem Laden erschien.
Der kleine Kaufmann sah ihn erst nicht, denn er hatte die Brille der Illusionisten auf, die ihm die freie Sicht auf das Leben nahmen. Erst, als er angesprochen wurde, erschrak er, denn er wusste nur allzu gut, dass er auch ihn betrogen hatte. Nach und nach füllte sich der kleine Laden, mit Menschen die aufgerufen wurden, ihre Illusionen wieder zu holen. Sie hatten natürlich viel dafür bezahlt und wollten ihr Geld wieder haben. Der kleine Kaufmann erzählte ein neues Märchen und vertröstete jeden, dass alles am nächsten Tag wieder an seinem Platz wäre.
Am Abend packte er seine Sachen und ging schnurstracks in den kleinen Ort zurück, in dem er begonnen hatte. Hier fing alles an und hier bleibe ich doch besser, dachte er. Aber, man erwartete ihn schon. Die Kinder waren erwachsen und die Menschen, die er verlassen hatte, alt. Was willst Du hier, fragten sie und er antwortete, dass er sie nie vergessen konnte und die Liebe zu ihnen so groß ist, dass er lieber bei ihnen verweilen möchte. Die Menschen sahen ihn an und zeigten ihm den Weg zurück, den er sich selbst ausgesucht hatte. Der einstmals kleine Laden, war nun riesig und ein ebenso lieber Mensch verkaufte Realitäten. Es war kein Platz mehr für Illusionen in dem Ort.