Vielleicht sollten wir einmal umdenken. Ich kann mir vorstellen, dass es bei den Klagen über Dauerbelastung nicht immer um die Beschreibung körperlicher oder mentaler Befindlichkeiten geht.
Stress ist auch so etwas wie ein Statussymbol: Ich bin gestresst, also bin ich ... Wer seinen Alltag ohne allzu große Hektik meistert, kommt schnell in den Verdacht, nicht besonders engagiert zu sein. Leistung ist bekanntlich in unserer Kultur sehr wichtig. Möglicherweise ist tief in uns die Überzeugung verankert: Nur wer sich regelmäßig auspowert, verdient Beachtung und wird anerkannt. Und weil es kaum etwas Schlimmeres gibt, als nicht anerkannt zu werden, möchte man unbedingt im großen (Stress)-Strom mitschwimmen.
Nicht selten wünscht man sich jedoch das Gegenteil: Entspannung. Endlich in Ruhe die Zeitung zu lesen, sich um sein Hobby zu kümmern - oder einfach mal gar nichts zu tun. Wären wir entspannter, wenn Telefone und E-Mails nicht erfunden worden wären? Was wäre, wenn wir uns nur nach unserem ganz eigenen Rhytmus richten würden? Man könnte es ausprobieren: Öfter gegen den Strom schwimmen, sich stressigen Gesprächen entziehen und dem äußeren Druck eine gehörige Portion Gelassenheit entgegensetzen.
Also träumen wir nicht länger von Entspannung, sondern versuchen, so entspannt wie möglich zu leben.
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Kathrin Bode
