In der Stille der Nacht ... dieser Nacht ... und irgendwann ... unserer Nacht?
Ich liebe diese Stimmung. Nichts lenkt mehr ab. Der teilweise auch hektische Arbeits-Tag hat sich verabschiedet und Ruhe kehrt ein. Und immer mehr. Die wohlsame, beschützende Stille einer Nacht. Häufig begleitet mich Musik. Ich lese. Tageszeitung. Oder ein Buch. Bin weg von dieser Welt. Versunken in einer wunderschönen anderen. Und sanfte Ruhe und eine wohltuende besinnliche unendliche Stille zieht in mir ein. Bin mal wieder auf meiner Lebensinsel, dieser Oase - die doch jeder braucht. Und ein jeder wird eine andere haben. In diesen Momenten lebe ich - DAS ist Leben. Mehr davon! Es ist völlig unabhängig von materiellen Dingen - zurück zur Natur - weniger ist (fast) immer mehr. Da will ich hinkommen ... meine Lebens-Maxime.
Diese Nacht ... leichte Nebelschwaden von berührender Melancholie ziehen auf
Draußen ist`s stockdunkel. Das Licht in meinem Raum habe ich ausgeknipst. Licht würde meine Stimmung jetzt zerstören, dieses grell-gleißende Licht. Nein! Nicht jetzt ... 2 Kerzen begleiten mich. Eine rechts von mir, die andere links. Ihre Farbe: b l a u. Wie kann es anders sein? Kenne ich eine andere Kerzenfarbe? Ich liebe Blau. Eine Tasse Tee nach der anderen trinkend. Literweise.
Ich höre Musik über Kopfhörer. Wunderschöne. Sehr weiche, wehmütige fast schon schluchzende Klänge. Klaviermusik i n Moll. Die Musik entspricht meiner Stimmung. Und verstärkt sie.
Musik - ein wunderschönes Gefühl. Und das, was Leben lebenswert macht, sind`s nicht nur Gefühle ?
Schon vorhin, vor Stunden, hatte ich ausgiebigst Lieblings-Musik gehört. Sanft, weich, melodiös. Sphärische Klänge, Himmelssphären-Musik nicht ungleich. Habe nach ihr getanzt. Wie so oft. Waren`s 15 - waren`s 30 Minuten? Mit sehr weichen Bewegungen. Sehr, sehr viel mit den Armen: in der Luft Figuren beschrieben. Runtergehend bis fast auf den Boden. Hochgehend ... mit weit ausgestreckten Armen ... die sich ganz langsam aufeinander zu bewegen ... in Zeitlupe eine langsam aufblühende Rose nachahmend. Meine Hände berühren meinen Kopf ... ich fühle ein Elektrisieren. Das mit jeder Kopfhaarberührung stärker wird. Ich spüre es für Momente in meinem gesamten Körper. Mein Körper ist elektrisiert. Würde in manchen Momenten liebendgerne Drehungen machen. Geht in meiner Wohnung schlecht. ... ... ... Ich bin mal wieder in meiner alten Welt. In meiner Welt des Tanzens. Freestyle. Tanzen ist die Sprache der Gefühle. War es immer schon für mich. Und früher stundenlang nonstop.
Ja - Musik ist ein wunderbares Gefühl. Läßt mich in der Regel sofort in eine ganz andere Stimmung gleiten. Musik i s t Gefühl ... sie ist dann total in mir ... ich bin Gefühl. Schon seit einiger Zeit. Wie so oft. Das, was Leben für mich an allererster Stelle lebenswert macht .... sind Gefühle, ist meine Gefühls-Welt.
Ich höre die melancholische Musik immer wieder ... ohne Ende. In immer wiederkehrenden Schleifen. Es paßt zu dieser unendlichen Nacht. Und es erinnert mich an früher: es gab immer wieder diese Lieder. Ganz bestimmte. Ich hörte sie immer wieder und immer wieder. Oft stundenlang - so wie jetzt. Und diese besonderen Lieder standen häufig stellvertretend für etwas ganz anderes. Für eine ganz besondere Begegnung. Zwischen dir und mir.
Etwa Gordon Lightfoot, diese so zarten, romantischen Lieder. Gitarre - eine wundervolle Stimme. Damals in Marburg. Du Studentin der Psychologie an der Uni Marburg, ich in Kassel studierend. Wir beide am Anfang unseres Studiums stehend. Unsere zahlreichen Wochenend-Begegnungen in Marburg. Deine so kleine Studentenbude. Dann dieses eine so romantische Stück von Gordon Lightfoot ... bei unseren ersten so zärtlichen Berührungen. Ja - zwei Spätzünder waren wir. Ich mit meiner d a m a l i g e n Sozialphobie sowieso. Für mich war`s das allererste Mal, einer Frau intim zu begegenen. Und für dich auch. Unsere "Beziehung" konnte auch nicht lange halten. Die wunderschönen Erinnerungen aber bleiben erhalten. Und kommen wieder hoch ... in der Stille dieser Nacht.
Sehnsucht nach dem so zart duftenden Himmels-Blau vergangener Zeiten ... du und ich ... unvergessliche wunderschöne Momente
Ich liebe den unverwechselbaren Duft eines so zarten Blaus eines nicht bewölkten Himmels ... alleine ... zu zweit ... und überhaupt, der gestirnte Himmel über mir. Ich fand ihn schon immer faszinierend. Jetzt, August ist Sternschnuppenzeit. Früher haben wir, du und ich ... träumend des Nachts am Firmament die Sterne betrachtet. Haben sie wie Kinder sehnsüchtig erwartet, die vom Himmel fallenden Sterntaler. Sind uns in den Arm gefallen. Haben uns eng umschlungen. Sie gehörten uns - nur uns. Diese so zarten Nächte. Dir und mir. In der Stille jener Nächte der absoluten Zweisamkeit. Endend in der beidseitigen Verschmelzung von Körper, Geist uind Seele. Aus zwei wird eins.
Oder ... wir beide ... du und ich am Strand. (Anm.: ein anderes "du") Ich malte Deinen Namen in großen Lettern in den Sand. Du später meinen. Das wolkenlose Blau des Himmels über uns. Ich werde diesen Moment nie vergessen. Du sicher auch nicht. Daraus erwuchs dann eine über 13jährige Partnerschaft.
Und ... diese Musik ... sie begleitet mich immer noch ... seit Stunden. In endlos sich wiederholenden Schleifen. Ich werde sie in meinen Schlaf mitnehmen, in dieser nicht enden wollenden Nacht.
In der Stille dieser Nacht ...
© "Tiro"/PN - 9.8.2011
