Mir fällt auf, dass hier immer wieder ein 'besinnlicher Advent' gewünscht wird. Ein netter Wunsch und lieb gemeint. Aber für mich der wahre Horror. Ich bin ganz ehrlich - ich wünsche mir keinen besinnlichen Advent, oder eine besinnliche Weihnacht. Ich will Spaß! Aufregung! Action! Das Leben ist schon langweilig genug, da möchte ich doch lieber in meiner Freizeit ein bisschen Party machen.

Ich weiß, ich weiß - es ist halt so ein Spruch. Man sagt das eben so und alle denken doch nur Gutes bei diesen Wünschen und wollen das Beste. Verstehe ich ja auch. Habe ich ja selber schon gewünscht. Aber ich assoziiere besinnlich eben mit 'Erinnerungen nachhängen' und das ist eben für mich im Moment der wahre Horror.

Dann doch lieber:
Einen fetzigen 2. Advent!
Viel Spaß und gute Laune in der Vorweihnachtszeit!
Jeden Advent eine nette Party!

Und überhaupt Weihnachten. Als Heiligabend 1981 meine 2 1/2 jährige Tochter beim Toben auf dem Sofa mit der Stirn auf die Tischkante knallte und eine heftig blutende Platzwunde davontrug; als mein anwesender aber nicht fähig aufzupassender Schwager weil ihm von dem Blut schlecht wurde fluchtartig das Zimmer verließ; als ich dann mit der völlig verstummten Tochter in der Notaufnahme im Krankenhaus zum Nähen der Wunde den Arzt sagen hörte: "Oh, wie schön, endlich mal nicht ein Betrunkener den ich versorgen muss, dass ist doch mal eine nette Abwechslung!" -da wusste ich: Weihnachten wird nie wieder das sein, was es mal gewesen ist. Von wegen Besinnlichkeit.

Weihnachten ist das Fest der Katastophen und für Singles manchmal der wahre Supergau, da es ja bei uns in Deutschland ein sogenanntes Familienfest ist und selbst die Lokale an Heiligabend geschlossen haben, weil ja alle daheim und mit ihren Lieben feiern.

Ich gehe dagegen schon seit Jahren mit Weihnachtsfesten an, die nichts Besinnliches mehr an sich haben. Alle möglichen Freunde und Party und gutes Essen und Trinken, verrückte Spielchen und ja, natürlich auch die Familie. Die ich zum Glück habe und die sich auf das Zusammenkommen freut. Dieses Jahr wird es bestimmt wieder ein lustiges Weihnachtsmenü, denn wir werden alle etwas zurechtmachen und mitbringen und die Last des Festessens liegt zum Glück nicht alleine auf meinen Schultern. Beim letzten Fest (ein Geburtstag) hat meine Schwiegertochter (okay, sie ist es nicht wirklich, die echte lebt in Scheidung von meinem Sohn und die Scheidung ist halt noch nicht rechtskräftig) den Kuchen, den ich in der Mikrowelle aufgetaut habe (Aldi einfach, Pflaumenkuchen mit Streuseln und seeeehr lecker) und in Ermangelung einer Kuchenplatte auf einen Teller platziert hatte, mit Schwung auf den Boden befördert, weil ihm der richtige Halt auf dem Teller fehlte. Warum musste sie auch stehenbleiben und sich umdrehen, der Kuchen hatte das nicht mitbekommen und wollte weiter vorwärts - einfache Physik halt. Was haben wir gelacht und die Arme muss sich das jetzt bei jeder Feier anhören. "Weißt du noch, das mit dem Kuchen?" Heh, sie wird sich dran gewöhnen, so ist das mit Familien und solchen Geschichten halt.

Weihnachten. Wenn doch diese Schenkerei und der Konsum nicht wären. Irgendwie kann ich mich dem nicht so entziehen, wie ich es gerne hätte. Die Kinder (alle erwachsen) wollen doch immer noch schenken, macht ja auch Spaß, das Schenken, aber es wird irgendwie unerschwinglich. Und wir haben ja genug Dinge, haben alles was man braucht. Vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr alle davon zu überzeugen, dass wir einfach was spenden? Es gibt hier in unserer Region diese Lichtblicke Aktion. Wäre sicher sinnvoller. Ich arbeite dran.

Ja, wo war ich denn stehen geblieben? Ach ja, ihr habt doch bestimmt auch so nette Advents/Weihnachts/Festtags-Erlebnisse/Katastrophen? Und was bitte bedeutet eigentlich Besinnlichkeit?