Meine Mutter (75) ist vital, lebendig, kontaktfreudig, sie liebt Reisen und lange, lange Spaziewege. Macht eigentlich imer irgendwas, ist sehr attraktiv und geflegt.

Vor ca 8 Jahren bekam sie jedoch heftige Beinschmerzen, ihr Knie tat wirklich so höllisch weh, dass ihr der herbeigerufene Notarzt (es war im Urlaub) ein Morphinpflaster verabreichte. Zuhause gingen wir sofort zur Hausärztin, die sie mit Verdacht auf Meniskus zum Orthopäden schickte. Dieser sah das Geburtsdatum meiner Mutter und lachte sich tot "In Ihrem Alter hat man keinen Meniskus!" Er verschrieb ihr Fango und Massage und neue Tabletten, allerdings für andere Beschwerden.

 

Danach zogen wir um, meine Mutter wechselte den Arzt. Es wurde Diabetes diagnostiziert und natürlich sagt der nächste Orthopäde "Eindeutig eine Neuropathie" und es gab, richtig, starke Schmerzmittel, schließlich empfahl eine uns bekannte Ärztin einen genialen Neurochirurgen. Die Folge davon waren zwei Wirbelsäulen-OP´s, die erste minimal invasiv sollte eine Verengung des Spinalkanals beseitigen und als diese nichts brachte wurden 2 Wirbel versteift.

 

Knapp 2 Monate nach dieser OP brachte ich meine Mutter zu sehr bekannten Schmerztherapeuten, die erklärten, der Schmerz habe sich immer mehr verselbstständigt und wäre inzwischen eine eigenständige Erkrankung. Meine Mutter merkte an; „Aber mir tut doch das Knie weh!“. Die Antwort war, „Das glauben sie nur.“. Sie wurde auf Morphium eingestellt und natürlich ging es etwas besser, nur konnte sie immer schlechter laufen. Immer wieder und in immer kürzen Abständen überfielen sie Schmerzattacken, die ihr jeglichen Lebensmut nahmen und sie um einen schnellen Tod beten ließen.

 

Wieder suchte ich mit ihr einen Orthopäden aus, diesmal einen angeblichen Kniespezialisten, der ihr Spritzen ins Knie jagte, die die ganze Sache noch verschlimmerten. Weiter ging es bergab, ich konnte meine Hilflosigkeit nicht ertragen und suchte weiter, schließlich glaubten wir selbst, es wäre vielleicht der Rücken.

 

Ich ließ mir also wieder einen Neurochirurgen empfehlen, es wurde ein CT gemacht, das zwar viele Macken zu Tage brachte, aber keine wirkliche Ursache für diese schweren Schmerzen. Der Arzt hielt meine Mutter augenscheinlich für eine „eingebildete Kranke“, empfahl ihr, das Morphium erhöhen zu lassen und sich zusätzlich Antidepressiva verschreiben zu lassen. Dieser Mann benahm sich so unglaublich, dass ich es nicht zu schildern vermag. Meine Mutter zeigte ihm ihr dickes Knie und Bein, lief ihm vor, zeigte ihm die Beule in der Kniekehle. Daraufhin erklärtre er, sie müsse sich damit abfinden und das wars.

 

Zuhause zeigt sie mir dann ihr Knie und die Beule und tatsächlich eine richtig fest umrissene Beule. Ich bekam einen Heidenschreck. Am nächsten Tag gab ich in einem Geistesblitz bei Google “ Wasseransammlung in der Kniekehle“ ein und herauskam „Bakerzyste“. Alles passte, ich ging das nächste Mal mit zu ihrem Hausarzt und bestand darauf, dass er sich das Ganze ansah und sagte ihm, wofür ich es hielt. Natürlich glaubte er mir nicht, aber er wies sie mit dem Verdacht auf eine Thrombose als Notfall ins Krankenhaus ein. In der Rettungsstelle wurde sie untersucht und natürlich sagt sie „Mein Knie ...“. Die herbeigerufene Internistin machte eine Sonografie und stellte fest, keine Thrombose. Meine Mutter bat sie, sich doch bitte, bitte ihr Knie anzuschauen, was diese sehr nette Ärztin auch machte. Was stellte sie fest, eine riesige Bakerzyste.

 

Nachdem dann ein Orthopäde hinzugerufen wurde, nahm man sie stationär auf, wenige Tage später wurde sie operiert, der Meniskus war sowohl innen als auch außen eingerissen und die riesige Zyste drückte auf einen Nervenstrang. Der Meniskus wurde repariert und die Zyste entfernt.

 

Nun geht es meiner Mutter jeden Tag ein bisschen besser, sie läuft viel besser, ist beim Reduzieren des Morphins. Eine 8jährige Odyssee scheint zu Ende zu gehen, acht gestohlene Lebensjahre, einer bis dahin äußerst vitalen und lebendigen Frau. Jetzt können wir nur hoffen, dass sie wieder ganz die Alte wird.