24 war ich, als ich dich kennenlernte, du 28.

Ich kam neu in die Firma und wird fanden uns symphatisch, gingen zusammen in die Pause, hatten uns viel zu sagen obwohl du eher der introvertierte Typ warst und ich das genaue Gegenteil. Äußerlich sogar nicht mein Typ, aber eben nett.

Wir wohnten nicht weit voneinander entfernt, irgendwann fragtest du, ob ich nicht Lust hätte kegeln zu gehen. Ich ging mit. Ein halbes Jahr gingen wir zusammen ins Kino, essen, mit Kollegen aus und dann kam der Abend, an dem Du mich fragtest ob wir bei dir noch einen Wein trinken. Seitdem waren wir zusammen, 6 Monate später zogen wir zusammen, 1 ½ Jahre später haben wir geheiratet. Unsere Hochzeitreise machten wir nach Menorca, es war traumhaft.

 

Ein knappes Jahr nach unserer Hochzeit beschlossen wir, eine Familie zu gründen. Du wünschtest dir eine Tochter, hast Wetten darauf abgeschlossen, dass es ein Mädchen wird, nichts konnte dich von dieser Überzeugung abbringen und du hast deine Tochter bekommen. Du hast sie geliebt und vergöttert. Damals habe ich noch nicht gesehen, dass du mit Alkohol ein Problem hattest.

 

Unsere Tochter war 3 Jahre alt, da wurdest du aus der Firma wegen Unterschlagung entlassen. Du hattest in die Kasse gegriffen, weil sonst das Geld für die Familie nicht gereicht hätte, da du für Alkohol und Kumpels freihalten soviel Geld verbraucht hattest. Ich hatte schon eine Weile nebenbei gearbeitet, jetzt wo die Kleine im Kindergarten war, suchte ich mir wieder einen Vollzeitjob und fand ihn auch. Du warst eine Weile arbeitslos und fandest dann wieder einen Job. Ich hatte die Hoffnung, dass alles wieder in Ordnung kommen würde, hatte einen Kredit aufgenommen, um die Unterschlagung auszugleichen, damit die Firma keine Anzeige erstattet.

 

Leider war dem nicht so. Unser Kind kam in die Schule, du wurdest wieder arbeitslos. Zum Glück verdiente ich genug, so dass wir über die Runden kamen. 2 Jahre später wurde ich ungewollt schwanger. Ich war mir in der damaligen Situation nicht sicher, ob ich das Kind bekommen sollte,. Du redetest mir zu, das schaffen wir schon, ich höre das trinken auf, wo eins ist werden auch zwei groß. Ich habe dir nur zu gerne geglaubt. Unser Sohn kam auf die Welt, du hast es nicht geschafft dein Versprechen zu halten. Erneut Arbeit gefunden, erneut Arbeit verloren bis dich in der Branche, in der du gearbeitet hast, niemand mehr nahm. Es sprach sich rund.

 

Als der Junge 3 war, stellte ich dich vor vollendete Tatsachen, ich reichte die Scheidung ein, du musstest ausziehen, zogst zu deiner Mutter, die dich wieder rausschmiss, weil sie nicht ertragen konnte, dich ständig betrunken zu sehen. Eine Gelbsucht zwang dich dazu ins Krankenhaus zu gehen, dort sagte man dir klip und klar, wenn du weitertrinkst, lebst du nicht mehr lange, noch kann die Leber sich regenerieren, aber nur, wenn du sofort aufhörst.

 

Du gingst in Theapie, ich habe die Scheidung nicht weiter betrieben, wollte dir eine Chance geben. Habe in der Therapie die Familienseminare mit den Kindern am Wochenende mitgemacht. War voller Zuversicht. Du kamst aus der Therapie nach Hause, warst trocken. Warum du 5 Jahre später rückfällig wurdest, weiß ich nicht. Alles zureden hat nichts gebracht. Dein Cousin packte dich, lieferte dich im Krankenhaus ab zum entgiften. Du kamst zurück und trankst weiter.

 

Da bin ich gegangen, mit Hass und Wut im Herzen. Habe meine Heimatstadt verlassen und 400 km weiter ein neues Leben aufgebaut. Der Kinder wegen hatten wir nach wie vor Kontakt. Du sacktest immer tiefer, lebtest zum Schluss auf der Straße, ein Freund nahm dich auf, teilte mir mit dass es dir nicht gut geht, die Kinder besuchten dich ein letztes Mal, 2 Monate später warst du tot. 56 Jahre bist du nur geworden.

 

10 Jahre ist es her, dass ich gegangen bin, 5 Jahre nach meinem weggehen bist du gestorben. Deine Asche habe ich in meinen neuen Heimatort überführen lassen, ich wollte den Vater meiner Kinder und den Mann, den ich einmal geliebt hatte, nicht anonym verscharren lassen. 20 Jahre waren wir zusammen, eine zeitlang sehr glücklich. Dieser Zeiten gedenke ich, Hass und Wut sind vergangen, Trauer um einen herzensguten Menschen, der für seine Familie durchs Feuer gegangen wäre aber dem Alkohol keinen Widerstand entgegensetzen konnte ist geblieben.

 

 

Ruhe in Frieden, ich habe meinen Frieden mit dir gemacht.