Die späte Liebe


Ich habe das große Glück gefunden, hier im Internet. Damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet.
Ist das a feiner Herr, der Alois aus Salzburg.
Und so gepflegte Manieren hat der Alois, er hielt mir die Türe auf, schob mir den Stuhl zurecht und half mir aus dem Mantel. Ja, wo gibt’s das denn noch?
Da störte es mich auch gar nicht, dass ich beim ersten Treffen im Restaurant bezahlte. Ach, wie peinlich ihm das war, dass er sein Portemonnaie vergessen hatte.
Aber ich bin ja keine von gestern und durchaus emanzipiert. Das versicherte ich ihm lächelnd, während ich meine Geldbörse zückte.
Der Alois hat so feine Sachen von Spanien erzählt und dass er dort eine Finca hat.
Ich sah die schönen Fotos und seufzte nur: „Spanien, Sonne und Meer.“
In der Folgezeit schrieben wir uns mehrmals täglich und telefonierten auch miteinander.
Dem Alois kam die Idee, dass wir beide doch zu ihm nach Spanien ziehen könnten. Nur sei leider die Finca in einem renovierungsbedürftigen Zustand und er gerade nicht flüssig, da sein Geld fest angelegt war.
Natürlich freute ich mich und wollte mich selbstverständlich einbringen. Erst schlug er mein Angebot aus, schließlich aber überzeugte ich ihn und überwies ihm meine Ersparnisse. Wozu auch brauchte ich ein Konto in Deutschland, wenn ich mit Alois in Spanien lebe?
Alois ist schon vorgefahren und überwacht die Renovierungsarbeiten. Leider wurden die Kosten höher als veranschlagt, denn der Alois will mir eine Freude bereiten und noch einen Swimmingpool anlegen lassen. Ich überwies ihm noch schnell ohne sein Wissen mein Geld von der gekündigten Lebensversicherung.
Das hätten mal meine Eltern hören sollen, wie gerührt der Alois sich am Telefon bedankte als er es gemerkt hatte.
Ich habe meinen Job gekündigt. Der neidischen Magda verging das Dauergrinsen, sie sagte kein Wort und zeigte nur ihren verkniffenen Mund! Ihren gehässigen Bemerkungen muss ich mich künftig nicht mehr aussetzen.

Gestern nun habe ich meine Wohnung aufgelöst und das Telefon sowie den Internetanschluss gekündigt. und sitze auf gepackten Koffern.
Gleich wird das Taxi kommen.
Ich freue mich auf den Alois, der mich am Flughafen erwartet.
Ich rufe ihn noch schnell an.
Aber was ist das?
„Die gewünschte Rufnummer ist nicht vergeben. Bitte überprüfen Sie die Nummer und wählen Sie erneut.“