Da stand zu lesen, dass inzwischen sieben Millionen Deutsche regelmäßig auf Partnerbörsen im Internet surften. Nach wie vor der Hauptreiz: die Menge der potenziellen Partner, die einem ins Haus geliefert werden. Es ist ja auch sehr verführerisch, wenn man sich bei einer Partnerbörse anmeldet und plötzlich gibt es da über 100 Traummänner oder Frauen. Da entsteht erst mal eine Art Supermarkteffekt. Die Zahl der online geknüpften Beziehungen nimmt aber ständig zu. Jedes achte Paar in Deutschland kennt sich heute mittlerweile aus dem Internet. Werden die Beziehungen damit stabiler, wie viele behaupten, weil der vorherige Abgleich von Interessen und Vorlieben eine ideale Grundlage ist? Oder sind dadurch die großen Gefühle nicht mehr wichtig? Die Forschung dazu steht erst am Anfang. Fast alle Teilnehmer einer Studie waren felsenfest überzeugt, sich selbst ehrlich dargestellt zu haben, in den Profilen und auch in der Kommunikation. Bei den anderen jedoch wollten wiederum fast alle Schummeleien erkannt haben, vor allem beim Thema „äußere Erscheinung“. Zu viel Ehrlichkeit scheint zu schaden. Wer viel von sich preisgibt, hat selten Glück. Es geht zu, wie beim Gebrauchtwagenhandel. Da gibt es auch „Käufer“ und „Verkäufer“. Das Kennenlernen im Internet verläuft genau andersherum als im Alltag. Bevor man sich gesehen, gehört oder gerochen hat, weiß man, was sein Gegenüber beruflich macht, wie viel Zucker man im Kaffee mag und was von einer Beziehung erwartet wird. Kleinigkeiten, die bei Partnern in der realen Welt vielleicht erst nach Jahren stören würden, sind plötzlich bedeutsam und entscheidend. Entscheidend ist nicht mehr das Bauchgefühl sondern die Haken auf der Positivseite der Checkliste. Ist es also so völlig anders sich im Internet statt im privaten Leben kennenzulernen? Nein, denn Frauen schauen meist auf Bildung und Status, Männer meist nach Attraktivität. Romantik bitte außen vorlassen, denn sicher sucht der Mann aus der Chefetage nun mal nicht nach der Hartz4 Empfängerin, auch wenn das bei „Pretty Woman“ ja alles sooo schön war. Der Blitz schlägt selten sofort ein, ob nun im Internet oder im realen Leben. Gefühle müssen sich immer erst entwickeln. Der Beginn ist aber immer der Gleiche, man begegnet sich und ist sich sympathisch oder eben nicht, hat Sehnsüchte und Träume und manchmal ähneln sie sich vielleicht sogar. Wahrscheinlich schauen unsere Enkelkinder bei ihrem zukünftigen Partner zuerst auf die Profilseite und dann erst in die Augen.