Irren ist Männlich… oder Verstehe einer die Frauen.
Rot oder Anthrazit…?
Ich stehe vor dem Spiegel und versuche zu entscheiden, was - nein WIE ICH heute Abend wohl besser „rüberkomme“.
Ilona, meine beste Freundin (auch ein Mann kann eine beste Freundin haben!) sagt immer ich sei zu „Farblos“ und darum komme ich auch bei Frauen nicht an. Ich sei mit meinem Outfit einfach zu sehr normal, berechenbar, langweilig! So was will keine Frau! Ich müsse einmal „Etwas aus mir machen“. Was auch immer sie damit meint…
Also bin ich heute zuerst einmal zum Friseur. Natürlich zu einem „In-Friseur“, wegen der Berechenbarkeit bzw. eben der Unberechenbarkeit dessen, was er wohl aus mir macht…
Die Kurzhaarfrisur ist ja ganz ok, das er meinen Bart komplett abgenommen hat (total out mein Schatz…) ist zumindest „gewöhnungsbedürftig“… von dem Lidstrich will ich jetzt gar nicht reden… (das betont deine Augen… die Frauen werden begeistert sein. Richtig schade… hatte ich erwähnt dass er… ein toller Kerl ist… aber eben… etwas schwul?) Danach wurden auch noch die Augenbrauen zurechtgeschnitten.
Jedenfalls sieht mich gerade ein wildfremder aus dem Spiegel an.
Jetzt ging es zum Herrenausstatter, Anzug, Hemd, Schuhe - natürlich alles aufeinander abgestimmt. Nur passen jetzt eben beide Hemden sehr gut zu dem Anzug, aber ich weiß nicht was davon eben besser zu MIR passt. Wie war das noch? „Farblos“ – also nehme ich das bordeauxrote Hemd. Jetzt noch etwas von dem sündhaft teuren Duftwässerchen… fertig. Mal sehen ob das wirklich so viel ausmacht. (Prüfender Spiegelblick) …also ich würde mir gefallen… das ist ja auch schon etwas wert! Da bewahrheitet sich mal wieder der Spruch „Kleider machen Leute“.
Vielleicht hatte Ilona ja wirklich recht, das es Zeit wird, nach 2 Jahren ohne Frau (meine letzte war eine Katastrophe) wieder einmal auf die Pirsch zu gehen und dafür meinen persönlichen Stil (Hauptsache angezogen…) etwas zu verändern…
Nett wie Ilona ist, hat sie mir den Einstieg ins wilde Leben erleichtern wollen und so darf ich sie bei Ihrem Tanzabend mit ihren Freundinnen heute begleiten. Natürlich bin ich gleichzeitig der Chauffeur... Nichts ist vollkommen selbstlos… Aber Mann ist ja in meiner Situation über jede positive Geste erfreut. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass ich Raus tanzen gehe… und dann gleich mit zwei, laut Ilona, sehr gutaussehenden Damen gleichzeitig… Ilona zählt nicht mit, sie ist meine Freundin.
Pünktlich 19:45 Uhr stehe ich vor ihrer Türe, für jede eine Orchidee in der Hand…
„…Ja bitte?“ öffnet mir Ilona die Türe. „Seid Ihr fertig? Hier bitte, für Dich.“ überreiche ich Ilona eine weiße Orchidee, Ilona liebt weiß bei Blumen. „Stefan..? Wow, ich hab dich gar nicht… komm doch rein.“ Im Wohnzimmer steht eine geöffnete Flasche Sekt vor zwei sehr reizenden Damen, einer Blondine und einer Brünetten… „Guten Abend zusammen.“ – „DAS ist Stefan?“ kommt von der Blondine und ich bin etwas erstaunt über diesen zweifelnden Unterton. Selbst bei Ilona bemerke ich einen erstaunten Blick und sehe regelrecht ein Fragezeichen auf ihrer Stirn. Um die Situation zu entspannen stellt Ilona uns gegenseitig vor. Die Blondine heißt Heike und die Brünette Jennifer. Nachdem ich auch den beiden „Fremden“ ihre Orchideen überreicht habe brechen wir auf. Die erstaunten Blicke, als ich ihnen der Reihe nach in den Mantel helfe, verstehe ich nicht - macht man das nicht mehr? Egal, wir steigen in meinen extra frisch gereinigten Wagen und fahren los…
Im Tanzpalast sitzen wir noch keine 5 Minuten am Tisch da bin ich auch schon die drei Damen los. Ich lehne mich zurück und versuche erst einmal mich zu orientieren. Es wird nur Fox getanzt, das gibt mir zumindest das Gefühl mich, falls ich heute Abend tanzen werde, nicht allzu sehr zu blamieren.
Da gesellt sich auch schon eine Brünette zu mir und fragt ob ich nur zum Beobachten oder auch zum Tanzen hier wäre. „Warum nicht“ scheint nicht unbedingt die optimale Antwort gewesen zu sein. Ein wenig reserviert geht die Dame mit mir auf´s Parkett. Auch wenn ich nicht oft tanzen gehe, bin ich ein ganz passabler Tänzer und schon nach wenigen Schritten entspannt sich meine Tanzpartnerin und lässt sich von mir leicht über die Tanzfläche führen. „Noch mal?“ ist der Lohn meiner tänzerischen Bemühungen und so tanze ich die nächsten fünf Tänze mit der netten Brünetten. Nun gehe ich mit ihr an die Bar spendiere einen Drink und bringe sie zurück an ihren Tisch, um mich danach direkt dezent an unseren Tisch zurück zu ziehen.
Hier erwartet mich bereits Ilona, einen leichten Vorwurf im Blick „ Du hast mir nie erzählt dass du tanzen kannst…“ Man muss wissen, Ilona und ich kennen uns bereits 7 Jahre. Anfangs war ich einfach hin und weg von ihr, damals war sie in einer Beziehung. Fairer Weise muss ich wohl zugeben, dass Ilona nie Interesse an mir gezeigt hat. Und dann war es immer so, dass Sie eben gerade immer dann in einer Beziehung war wenn ich frei war. Ich habe mich damit abgefunden und so hat sich mit der Zeit diese Freundschaft daraus entwickelt. „Du hast mich nie gefragt…“ ich setze mich neben sie und kaum das ich sitze, kommen auch schon Heike und Jennifer an den Tisch. Sofort plappern die zwei über ihre Tänzer… von ramponierten Füßen über Klammeraffenhaltung bis Körpermief ist alles dabei. „Wie ist es, tanzt du auch mal mit mir?“ fragt Heike mit einem Lächeln. Da springt Ilona wie ein Kastenteufel auf und mit „Nix da, der nächste Tanz gehört mir“ zieht sie mich auf die Tanzfläche. Ich habe nur noch Zeit kurz Heike mit einem Schulterzucken eine Entschuldigung zu zeigen…
„Was hast du denn?“ frag ich Ilona auf der Tanzfläche… „Nix“ sagt Ilona und weil die Musik beginnt, fangen wir zu tanzen an… Ilona lässt sich leicht wie eine Feder führen, tolle Frau. Dann folgt ein Blues und weil sich Ilona nicht von mir löst, sondern sich im Gegenteil an mich schmiegt und den Kopf an meine Schulter legt, tanzen wir weiter… Mir ist auf einmal gar nicht mehr freundschaftlich zumute… Ilona riecht einfach… sinnlich und sie fühlt sich so…eben einfach toll an. Sanft im Rhythmus der Musik wiegend, genieße ich es Ilona im Arm zu halten… wenn sie wüsste was mir gerade durch den Schädel geht… da hebt sie ihren Kopf und schaut mich mit ihren braungrünen Augen an, stellt sich auf die Zehenspitzen und haucht mir einen Kuss auf den Mund. Ich bin viel zu perplex um zu reagieren… „Ich dachte Du…“ sie schmunzelt und kuschelt sich wieder an mich nachdem sie mir „Hör endlich auf zu denken…“ zuraunt.
Nov. 09 ein einfaches Schreiber lein
