Island 1. Teil: Von Reykjavik zu den Westfjorden
Island ist eine Vulkan-Insel, Gebirge-Insel, Lava-Insel, Wasserfälle- und Flüsse-Insel , Meer- und Seeninsel, Vogel-Insel, Gletscher-Insel, Heide-Insel, Steinwüsten-Insel, Bauern- und Fischerinsel und noch viel mehr……ein Hot Spot unserer Erde gewissermaßen! Und ein Land mit vielen Gegensätzen - vor allem mit Aprilwetter mitten im Juli!
An den ersten beiden Tagen hat es viel geregnet, ja gestürmt und es war auch ziemlich kalt. Wir waren zunächst auf der Halbinsel Snaefellsnes unterwegs.... fast Schneefall und ziemlich nass (Nomen est omen, auch wenn die Bedeutung im Isländischen doch eine andere ist, als hier interpretiert) - sturmumtoste Klippen, mit in den Windböen kämpfende Seevögel, schäumendes Meer, der Snaefellsjökull mit dem darunter schlummernden Vulkan, und das alles nicht im Kino, sondern wirklich und ganz echt gefühlt!
Wir waren bereits nach der ersten kurzen Wanderung nahe Arnastapi und Hellnar fast bis auf die Haut nass! Schwierig, all das nasse Zeug, das uns schützen hätte sollen, in einem engen Bus zu trocknen! Der Fahrer heizte den Bus aus allen vorhandenen Rohren, die Fenster waren total beschlagen von der vielen Feuchtigkeit. Auch der Vulkan hat sich ob des grauslichen Wetters verschämt versteckt gehalten. Es konnte eigentlich nur besser werden! Gut, dass wir eine gemütliche Gastwirtschaft nahe der Klippen zur freundlichen Einkehr fanden. Und gut, dass es auch im so genannten Sommer Islands nicht schwierig ist, die Räume schön warm zu heizen!
Nach der ersten Übernachtung auf Snaefellsnes (Hellisandur) ging es dann mit einer großen Fähre über den 50 km breiten Breidafjördur (von Stykkishólmur aus, mit kurzem Stop auf der Insel Flatey, bei sehr rauer See) und wieder mit dem Bus weiter zu den Westfjorden, über hohe Felsenpässe, steile, engkurvige Stein- und Schotterpisten, zu weiteren sich tief ins Land hinein schneidenden Fjorden. Erstmals sah ich einen echten Seehund in freier Natur! Der erste besondere Wasserfall der Dynjandi, ein anheimelndes Heimatmuseum am Geburtsort des isländischen Freiheitskämpfers Jon Sigurdson und schließlich das Städtchen Isafjördur erwarteten uns auf der Weiterfahrt..
Wir verbrachten zwei Nächte in einer Jugendherberge in Isafjördur, der größten Stadt am größten Fjord der Westfjorde (2000 EW!). Wenn man aus Mitteleuropa kommt, so beeindruckt zuerst einmal die besondere Kargheit der Landschaft. Am Abend unserer Ankunft allerdings zeigte sich die Sonne für längere Zeit und tauchte die steilen Berghänge, die Isafjördur umgeben, in ein unwirkliches, goldenes Licht. Die zarten Matten, die an den gebänderten, felsigen Hängen wachsen, erstrahlten smaragd- und goldgrün – man kann es kaum beschreiben. Die Tage waren so lang, die Sonne stand so schräg – eine bezaubernde Stimmung, ein schönes Licht!
Nur wenige Bäume kuscheln sich eher in kleine Mulden nahe der Stadt und der Behausungen der Menschen. Die Häuser sind hier das Bunte – blau, dunkelrot, violett, grün oder gelb mit weiß eingerahmten Fenstern. Einzelne, sehr kleine, eingezäunte Vorgärtchen da und dort, in denen nur kümmerlich ein paar widerstandsfähige Blumen dem Wind trotzen. Ein paar Geschäfte und Restaurants für Touristen (meist mit sehr großen, eher karg ausgestatteten Speisesälen) ein Supermarkt und ein paar kleinere Geschäfte für die Einheimisch, ein großes Schulzentrum (einschließlich einer großen Musikschule), ein Krankenhaus und eine moderne Kirche, zwischendrin ein kleiner Park, das ist das Zentrum der Stadt.
Im weiteren Wegverlauf um die Bucht kommt man an den Hafen, der früher ein Zentrum des Walfischfangs war, heute aber außer Fischereibooten auch die Gäste großer Ozeanliner aus aller Herren Länder aufnimmt. Jedes Schiff bringt für einen Tag einen Riesenschwall Gäste, dann kehrt meist wieder beschauliche Ruhe ein. Am Hafen liegt ein sehr interessantes Fischfangmuseum, das in einem der ältesten Holzhäuser Islands untergebracht ist. Hier wird die Technik und Bedeutung des Fangs und der Weiterverarbeitung von Walen und Kabeljaus anschaulich und eindrücklich erklärt. Und schließlich man kann hier nicht nur Jugendlichen beim Tanzen zusehen (an einigen Tagen) sondern auch dicke Wollpullover, Kartoffelschnaps und Stockfisch kaufen.
Auf der nahen Vogelinsel Vigur begleiteten uns Verwandte des Bauern, der da jahrein, jahraus mit seiner Familie wirtschaftet, über den Hügel zu Papageientauchern, Küstenseeschwalben und Eiderenten. Sie erzählten vom harten Leben in früheren Zeiten und wie es sich in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Vigur ist sehr bekannt geworden und wird während des kurzen Sommers von vielen Touristengruppen besucht, die in Isafjördur Station machen. Ein winziges Postamt und eine gemütliche Kaffee-Stube in der es sehr guten, selbstgebackenen Kuchen gibt, locken zur Einkehr. In den drei Sommermonaten, in denen die Touristen hier her kommen, hilft praktisch die gesamte Verwandtschaft zusammen, den Besucherandrang in geregelte Bahnen zu leiten. Auch aus der Stadt kommen die Verwandten um mitzuhelfen. Ab Herbst wird´s wieder recht still und alles geht seinen gewohnten Gang, die Kinder gehen in Städten in die Schule und leben in Internaten und nur wenige Menschen bewirtschaften den einsamen Hof.
Unser Reisewetter wurde schon in Isafjördur deutlich besser, nass bin ich beim Wandern nicht mehr geworden, aber warm anziehen mussten wir uns vorsorglich immer, auch wenn es zwischendurch recht sonnig und mild war. Sonderbarerweise hab´ ich eine Temperatur jenseits der 8° C schon bald als recht angenehm warm empfunden.
Fortsetzung folgt!
Island: Insel aus Feuer, Wasser, Fels und Eis….
Vor genau zwei Jahren begab ich mich nach Island! Die Reise hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht- ein lang gehegter Traum erfüllte sich! Zwar war ich ich seither insgesamt sehr viel gereist und habe an alle diese Weltgegenden wunderbare Erinnerungen. Island ist aber doch ganz speziell!
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