Vorbemerkung:

Man kann nicht in zwei Seiten schreiben, was in Thailand anders ist. Es ist Neuschnee. Soweit mir bekannt ist, gibt es keine ernsthaften Artikel darüber, was in Thailand anders ist, wenn man von einem soziologischen Buch von Nils Mulders, ‘Inside Thai Society’, absieht. Andere Berichte beschränken sich auf Unterschiede von Klima, Preislagen, Speisen und Preise. Deshalb muß ich darauf hinweisen, daß das Thema sicher nicht umfassend behandelt ist und daß der Leser sich nur das merken sollte, was er verstehen und nachvollziehen kann; ich kann eventuelle Irrtümer nicht ausschließen. Bedingt durch den sehr theoretischen Charakter dieser Ausführungen habe ich einen (ebensowenig umfassenden) praktischeren und leichter verständlichen zweiten Teil unter dem Titel ‘Leben mit Thailändern’ hinzugefügt, der hier gleichzeitig, aber getrennt erscheint.

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Touristen kommen gerne nach Thailand. Es ist eines der beliebtesten Reiseziele. Hier finden sie weiße Strände unter Palmen, exotische Tempel, lächelnde Menschen und ein bequemes, preiswertes Leben mit preiswerten Frauen. Ganz anders, als Europa. Viele wollen dann in Thailand leben. Wenn sie das tun, merken sie, daß es ja ganz anders ist.

Touristen sind zumeist Leute, die längere Zeit gearbeitet haben und Abwechslung suchen. Was immer ihr Ziel ist, Abenteuer, Ski-Urlaub, Pyramiden, Las Vegas oder Palmen am Meer, es soll anders sein, als ihr Leben zuhause. Deshalb ist Thailand und insbesondere Pattaya wohl eines der beliebtesten Ziele für Urlauber, denn hier leben sie ganz anders, als zuhause in ihrer teuren Heimat.

Ein stets mildes Klima mit lauen Nächten in der Nähe des Meeres, preiswerte Unterkünfte mit geschultem Personal, preisgünstiger internationaler Komfort, der von lächelnden Einheimischen geboten wird, und die Möglichkeit, sich jederzeit mit Landsleuten und hübschen Mädchen unterhalten zu können. Es ist das Paradies für Urlauber, weil es so ganz anders ist. Deshalb kommen viele Urlauber jedes Jahr wieder und viele Urlauber kommen auf den Gedanken, daß sie nun für immer hier leben wollen, wo alles ganz anders und viel schöner ist, als zuhause, damit sich ihr Leben ändert. Das ändert sich zwar, wenn sie hierherziehen, aber nicht immer so, wie sie es sich gewünscht haben.

Zunächst ändert sich, daß sie nun keinen Urlaub haben und keine Touristen mehr sind. Damit ändert sich spätestens nach den ersten Wochen der Tagesablauf zwischen Hotel, Attraktionen, Ausflügen, Restaurants, Strand und Bars. Sie werden nun nicht mehr von touristisch tätigem Personal und Landsleuten versorgt, sondern sind sich selbst überlassen und leben inmitten der thailändischen Bevölkerung.

Nur die wenigsten Leute, die ihren Lebensabend in Thailand verbringen, haben genügend Geld, um diese Zeit wie im Urlaub zu verleben. Die meisten müssen noch etwas tun, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch auch jene, die das Geld haben, können nicht lange Urlaub machen. Das ist nur einige Wochen möglich, dann fehlen Freunde und Bekannte zur Unterhaltung, es fehlen eine allgemeine Kommunikation und eine sinnvolle Beschäftigung. Auch hier ist ein Leben in Thailand ohne Thai nicht möglich. Schließlich leben hier auch noch viele Ausländer mit ihrer thailändischen Familie und andere wollen hierher kommen und eine Familie gründen. Sie alle erfahren, daß Thailand nicht nur anders aussieht und ein anderes Klima hat, als Europa, sondern daß die Menschen, die Gesellschaft und das Leben ganz anders sind, als in Europa.

Thailänder sind durch ihre Geschichte, durch Traditionen, Religion und Erziehung geprägt und darin unterscheiden sie sich von Europäern. Natürlich ist es nicht möglich, zu sagen, wie alle Thai sind, genausowenig, wie man sagen kann, wie alle Deutschen sind, oder wie sie zuhause erzogen werden. Doch man könnte in Deutschland sagen, wie eine durchschnittliche dörfliche Erziehung oder ein normales Dorfleben aussehen. Da nun in Thailand immer noch über achtzig Prozent der Bewohner auf dem Lande leben oder erst in jüngster Zeit in eine Stadt gezogen sind, um Arbeit zu suchen, läßt sich die durchschnittliche Erziehung und Entwicklung der weitaus überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung und ihre Mentalität in groben Zügen darstellen.

Das ist keine Grundlage, einzelne Menschen zu beurteilen, aber es ist eine Grundlage, die durchschnittliche Entwicklung derjenigen Menschen zu verstehen, denen wir begegnen. Bewertungen helfen niemand, sie werden meist von unsicheren Menschen durchgeführt, die ihren (möglichst positiven) Platz in der Gesellschaft suchen und gerne auf andere herabsehen, um sich als höhere und bessere Menschen zu fühlen. Aber man kann die wahrscheinliche Entwicklung eines Menschen als eine mögliche und zu überprüfende Hilfe zu seinem Verständnis verwenden.

Die Geschichte Thailands

ist das Pongsawadan, die ‘Geschichte der Könige’. Die Bevölkerung war nebensächlich. Sie stand jahrhundertelang unter dem Befehl eines Gottkönigs und gottähnlicher Beamten und lebte Leibeigenen ähnlich. Soldaten zogen durch die Dörfer und nahmen alle brauchbaren Jungen als Soldaten mit. Personen, die sich weigerten, wurden erschlagen. Wir hören Berichte von Zwangsumsiedlungen innerhalb eines Landes unter dem Kommando von Soldaten. Familien wurden nach Brauchbarkeit der einzelnen Personen getrennt. Wir erfahren von nicht enden wollenden Kriegszügen zwischen den Staaten Südostasiens, deren Hauptziel in der Versklavung von Zigtausenden und mehrfach Hunderttausenden von Menschen als billige Arbeiter und zur Besiedlung urbar zu machender Gebiete bestand. Familien wurden getrennt, Menschen, die nicht geeignet schienen oder die Hunderte von Kilometern langen Gewaltmärsche nicht durchhalten würden, wurden erschlagen. Der Mensch hatte keinen Wert. Armut, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit führten nicht etwa zu Revolten, sondern zur Apathie der unteren Schichten.

Die Religion

Die Thai sind dafür bekannt, daß sie im Verlaufe der Jahrhunderte von anderen Ländern und Religionen alles übernommen haben, was schön oder mystisch ist. Dazu gehören die als Ramayana verarbeiteten indischen Heldensagen, als auch die Zeremonien des Brahmanismus und des Buddhismus. Hierbei war es nicht erforderlich, den Animismus aufzugeben und so bestimmen auch heute noch vorwiegend die Geister das Leben der Thai, durchsetzt von Zeremonien unterschiedlicher Herkunft und der Informationen, die die Mönche in den buddhistischen Klöstern für richtig oder oftmals auch nur für lukrativ halten.

Im Spiritismus ist der einzelne Mensch das Zentrum seiner Welt. Er untersteht seinen Eltern, Vorfahren, älteren Geschwister und mächtigen Obrigkeiten, worunter sich eine Vielzahl mächtiger Geister finden. Die Geister des Dorfes sind kalkulierbar; durch gezieltes Wohlverhalten sowie kleine Opfergaben kann man sie sich wohlgesonnen, zu Verbündeten und zu Geschäftspartnern machen (‘Wenn Du dafür sorgst, daß ich heute die Lek treffe, gebe ich Dir zwei gekochte Eier, und einen Holzelefanten für eine bessere Arbeitsstelle’). Die Geister außerhalb des Dorfes beherrschen die Welt, sie sind unberechenbar und sehr gefährlich.

Gefühle sind nicht vorgesehen. Im Animismus gelten nur die Position und die Funktion des Menschen, und im Buddhismus wird Enthaltsamkeit gelehrt. Gefühle werden als negativ angesehen, weil sie zu unerwünschtem Begehren führen als auch zu Aggressionen. Zudem lebten die meisten Menschen in einer Misere. Ohne Wünsche und ohne Gefühle konnten sie keine Misere mehr empfinden. Das bedeutet, irdische Zufriedenheit wurde auf dem Amtsweg erteit und mit dem Nirwana belohnt.

Das Leben ist unabänderlich vorbestimmt. Es ergibt sich aus den guten und bösen Taten während des Vorlebens, die das Kharma, die Bestimmung des Lebens ergeben. Demnach trägt jeder selbst die Schuld an seinem Schicksal, dem er nicht ausweichen kann. Er soll zwar Gutes tun, aber es ist nicht sicher, ob er den Lohn dafür noch in diesem oder erst im nächsten Leben erhält. Es ist sinnlos, Änderungen des Lebens anzustreben, da ja alle Geschehnisse vorbestimmt sind. Ein positives Lebensziel war es also, sich nicht zu sorgen, da man ja doch nichts ändern kann, und ‘sanuk’, möglichst oft fröhlich zu sein, möglichst oft Spaß zu haben.

Die Gesellschaftsanschauung

ergibt sich aus der Geschichte, den Traditionen und dem Glauben. Das weitgehende Fehlen emotioneller Werte und persönlicher Bindungen, folglich eines gemeinsamen Lebens, die innere Einsamkeit, das Fehlen der Hoffnung auf ein besseres Leben im Diesseits und die damit einhergehende Apathie bedürfen einer starren Gesellschaftsordnung zur Orientierung des Verhaltens gegenüber anderen Menschen.

Da die als schädlich und störend angesehenen und möglichst zu unterdrückenden Gefühle kein zwischenmenschliches Verständnis zulassen, müssen sichtbare oder zählbare Kriterien für die Bewertung von Menschen gesucht werden, um durch deren Klassifikation eine Ordnung zu erstellen. Diese besteht in einer streng vertikalen Bewertung der Menschen nach Macht, Status, Funktion und Brauchbarkeit. Bei der Begegnung mit einem Menschen muß dieser auf seinen Rang als höher oder niedriger eingeschätzt werden, alleine schon um ihn mit dem thailändischen Wai durch die richtige Höhe der Hände und das passende Senken des Kopfes statusgerecht grüßen zu können.

Da alle Menschen als höher oder niedriger eingestuft werden, bleiben kaum gleichwertige übrig. Doch auch diese kommen für eine emotionelle Gemeinsamkeit kaum infrage, da sie ja nur einen ähnlichen Status, aber deswegen nicht ähnliche Empfindungen haben, und zudem soll man ja ohnehin keine Gefühle zeigen, sondern ein ‘schönes’ und problemloses Nebeneinader schaffen. Schönheit war in Thailand seit jeher viel wichtiger, als Ausdruck oder Wahrheit. Sie wurde und wird als Tünche über die Realität benutzt und hat in ihrer Bedeutung eine gewisse Ähnlichkeit mit Perücken, Schminke und Parfum am Hofe des französischen Sonnenkönigs.

Die Erziehung

Neugeborene Kinder erhalten die traditionelle Pflege. Sie sind der Stolz der Familie und zunächst viel in der Nähe der Mutter oder der Großmutter, deren liebstes Spielzeug sie sind, bis sie laufen und sich selbständig fortbewegen können. Die Beschäftigung mit Kleinkindern entspricht der Tradition. Man bemüht sich, sie gut zu ernähren und ruhigzustellen. Solange sie nicht schreien, scheint eine Beschäftigung mit ihnen nicht erforderlich. Wenn sie schreien, werden sie zur Ruhigstellung in den Arm genommen, geschaukelt oder abgelenkt. Eine besondere Beschäftigung oder eine Zeit, die man dem Kleinkind widmet, ist unüblich. Man glaubt, daß ein Kleinkind nur Nahrung, Hygiene und Schlaf braucht und nur hierauf richtet sich die Beschäftigung mit dem Kind.

Wenn es sich selbständig fortbewegen kann und zunehmend lästig wird, beginnt eine durch Verbote und Befehle gekennzeichnete Kindheit. Kinder stehen auf der untersten Stufe der Gesellschaft. Eine Gemeinsamkeit mit ihnen ist nicht vorgesehen. Sie haben zu gehorchen, um anständige (d.h. der gesellschaftlichen Norm entsprechende, nützliche und nicht störende) Menschen zu werden. Gemeinsamkeiten mit ihnen, Angebote von Beschäftigungen, Spielzeug oder gemeinsame Unternehmungen haben Seltenheitswert. Die ersten Kinder werden meist bei Großeltern oder Nachbarn untergebracht, wenn die Eltern Arbeit haben, und später müssen sich die älteren Geschwister um die jüngeren kümmern.

So sind Geborgenheit, Wärme oder Zuneigung nicht beabsichtigt, zumal auch den Eltern nur in Ansätzen bekannt. Das Leben spielt sich auch in den Familien nicht emotional, sondern auf einer rationalen Grundlage der Nützlichkeit ab, wobei Kinder Hausarbeit übernehmen und später zur Versorgung der Eltern dienen können. Bis dahin bemühen sich die Eltern zumeist nur, ihre Kinder zu ernähren, sie durch Befehle und Verbote zu den von den Eltern erwünschten Handlungen zu bewegen und sich von ihnen möglichst wenig stören zu lassen.

Erziehung in der Schule

Die Schule dient vorwiegend der Schaffung einer uniformierten, gehorsamen und hilflosen Gesellschaft, auch wenn dies vielleicht nicht beabsichtigt sein mag. Der Lehrstoff der erst seit einigen Jahren sechsjährigen Grundschule ist minimal, nicht ausreichend, um als Hilfsarbeiter in der Industrie angenommen oder weiter ausgebildet zu werden. Die Entwicklung eigenständigen Denkens und eines selbständigen Lebens werden nicht gefördert, sondern eher behindert. Das Verständnis zwischenmenschlicher Handlungen und Beziehungen oder einzelner Personen wird weder unterrichtet noch gefördert, geschweige denn vorgelebt.

Wenn die Kinder mit zwölf Jahren aus der Schule entlassen werden, gelten sie als vollständig ausgebildet. Arbeiten dürfen sie allerdings wegen des Jugendschutzes noch nicht. Für die Zwischenzeit gibt es weder Angebote für Weiterbildung noch irgendwelche Beschäftigung, falls die Kinder nicht innerhalb der Familie mitarbeiten können.

Die jungen Volljährigen

sind dank der Lebensunfähigkeit ihrer Umwelt und völlig unzureichender Bemühungen ihrer Familie, der Gemeinde und der Regierung hilflose, lebensunfähige Menschen voller Angst und Furcht vor Geistern, Obrigkeiten, Not und Hunger. Sie wurden nicht zu eigenem Denken und Handel, sondern ausschließlich dazu erzogen, ihren Eltern und anderen Obrigkeiten zu gehorchen.

Aufgewachsen und erzogen in der Tradition kleiner Dörfer wären sie bestenfalls in der Lage, in diesen Dörfern zu leben, wie sie in der Vergangenheit funktionierten. Da die meisten dieser traditionellen Dörfer aber ohne grundlegende Erneuerung nicht mehr existenzfähig sind, die junge Generation nicht zu einer Erneuerung erzogen wurde und sie nicht durchführen kann, bleibt der Mehrzahl der in den Dörfern erzogenen Menschen nur übrig, in die ihnen unbekannte Stadt zu ziehen und zu versuchen, sich als Hilfsarbeiter zu ernähren. Dort kommt zur allgemeinen Lebensangst die sehr reale Existenzangst hinzu.

Ohnehin hilflos und voller Angst kommen sie in eine fremde Gesellschaft mit einem fremden Lebensstil, einem Stadtleben, das sie nicht verstehen können und in das sie sich nur selten integrieren können. Übrig bleibt ihnen die Apathie und die Hoffnung darauf, daß ihnen irgendjemand hilft, daß ihnen irgendjemand sagt, was sie tun sollen.

Wie wir gesehen haben, sind Geschichte, Religion, Traditionen, Gesellschaftsanschauung und Erziehung in Thailand anders als in Europa. Dabei geht es hier in keiner Weise um einen bewertenden Vergleich. Fehler und Probleme finden sich hier wie dort; sie sind nur anders. Wie sich die genannten Eigenheiten in der Lebenspraxis bemerkbar machen und beobachten lassen, will ich versuchen, im Nachfolgenden aufzuzeigen und verständlich zu machen.

Die ewigen Kinder

Da die allgemein übliche Erziehung keine starken emotionellen Bindungen beinhaltet, kann man nicht von einer enttäuschten Kindheit sprechen; es gab keine Erwartungen und es gibt keinen Vorwurf, daß andere Eltern ihre Kinder anders behandeln, kein ‘Ihr habt mich nie geliebt!’

Spätestens mit Beginn der Schulzeit wird das Leben der Kinder sehr ernst. Es besteht aus dem für die Schule erforderlichen Auswendiglernen, den Schularbeiten und den Arbeiten, die die Kinder im Haushalt oder der Arbeitsstelle der Eltern zu leisten haben. Hat es ihnen in der früheren Kindheit an Spielzeug und meist auch an Spielkameraden gefehlt, so fehlt ihnen jetzt auch die Zeit zum Spielen. Da nun also emotionelle Geborgenheit, Spielmöglichkeiten, Vermittlung von Verständnis für die Handlungen anderer Menschen und eine Anleitung zu selbständigem Denken unzureichend sind, so sind viele Thai mit Erreichen der Volljährigkeit noch immer recht kindlich. Sie sind in einem Entwicklungsprozeß zurückgeblieben und versuchen, diese Kindheit nachzuholen.

Sie beziehen auch mit fortschreitendem Alter das Geschehen in der Umwelt weiterhin auf sich selbst und sind selten in der Lage, sich in die Situationen oder Empfindungen anderer Menschen hineinzuversetzen oder sie zu verstehen, zumal sie selbst kaum verstanden wurden, kaum erlebt haben, wie andere Menschen verstanden wurden und auf keinerlei eigene Erfahrungen zurückgreifen können. Mitgefühl und Mitleid werden durch traditionell standardisierte Handlungen ersetzt, wie etwa, beim Essen jemand, der nichts zu essen hat, etwas anzubieten oder einem Bettler Almosen zu geben, weil man traditionell ‘Gutes tun’ soll (‘tam bun’), um sich Pluspunkte für das Leben nach der Wiedergeburt zu sichern, die dann dem Kharma (dem vorbestimmten Schicksal) zugute kommen.

Ein auch mit fortschreitendem Alter verbleibender Spieltrieb ist ein Anzeichen für die nicht verarbeitete oder beendete Kindheit und Jugend, wie auch die ständige Bereitschaft zu einem oberflächlichen ‘Sanuk’, einem Moment mit Jux und Dollerei oder einem fröhlichen gesellschaftlichen Zusammensein einfach nur zum Spaßhaben und Albernsein selbst dann, wenn unaufschiebbare wichtige Tätigkeiten oder irgendwelche dringenden Verpflichtungen anstehen. Wie bei Kindern muß man vielen durchschnittlichen Thailändern grundsätzlich sagen, was sie tun sollen, sobald es sich nicht um etwas handelt, das sie auswendig gelernt haben, wie Waschen und Putzen. Sie sind unsicher, haben ein eigenständiges Handeln nicht gelernt und wollen, so wie Kinder, keine Verantwortung übernehmen, keine Unfähigkeit oder Fehler erkennen lassen und aus Angst vor Strafe und Gesichtsverlust nichts falsch machen.

Eine Flucht vor Verpflichtung und Verantwortung zeigt auch die Tatsache, daß viele Thai ihre Partnerin verlassen, wenn Kinder kommen. Eine schwangere Frau oder eine Frau mit Kind ist nicht mehr ‘sanuk’, sondern teuer und macht überhaupt keinen Spaß, was dadurch verständlich wird, daß nur die wenigsten Männer eine emotionelle Verbindung zu ihrer Frau haben und das Paar sein gemeinsames Leben nur als ein Geschäft in Form einer Zweckgemeinschaft sieht. Viele Männer erkennen nicht einmal, daß sie als Vater eine Verantwortung haben. Schließlich hat ja die Frau das Kind bekommen, also soll sie sich darum kümmern und es versorgen. Inzwischen ist es dem Vater angenehmer, eine andere Frau und ein anderes Sanuk zu suchen. Schließlich ist ja alles im Leben vorbestimmt und eine Folge des Vorlebens. Eine stärkere emotionale Bindung ist in den Partnerschaften extrem selten, es sind fast immer Zweckgemeinschaften gegen Einsamkeit, für einen gemeinsamen Zugewinn und für Sanuk. So sind viele Thai wohl gewachsen, dabei aber nicht groß geworden.

Fortsetzung Teil 2