Der Friedhof war zum Bersten voll. Es wurde nicht irgendwer zu Grabe getragen, sondern ein ehrenvolles Mitglied der Gemeinde. Besitzer der größten ansässigen Firma, vertreten in etlichen Vorständen diverser Vereine und Clubs, Sponsor des Fußballvereins, der freiwilligen Feuerwehr  und  äußerst beliebt.

Er war ein Frauentyp. Treu zu sein fiel ihm schwer, manche behaupteten, es sei die Schuld der Frauen, die es ihm schier unmöglich machten, seine Chancen nicht zu nutzen. Trotzdem liefen ihm zwei Ehefrauen davon, die Dritte war entweder blind oder ein duldsames Huhn.

Vom Dorf aus tuschelte man bis in die Kreisstadt, dass der X. eine junge Sekretärin vergewaltigt habe. Eine Anzeige gab es nicht, denn von den Polizisten, die die Anzeige aufnehmen sollten, waren  viele gut mit ihm bekannt. Die junge Frau war hübsch, trug gern kurze Röcke und tiefe Ausschnitte, was man ihr als „Einladung“ auslegte. Man gab der Frau zu verstehen, dass vor Gericht ihre Exfreunde aussagen würden, natürlich zu Gunsten von Herrn X., dass sie sexuell sehr aktiv sei. Die Frau zog weg aus dem Dorf.

Einer Bedienung seines Lieblingslokals wurde fristlos gekündigt, weil sie ihm die heiße Suppe über die Hose schüttete. Dies geschah zeitgleich mit dem Ansinnen seiner Hand, nicht nur unter ihren Rock, sondern auch noch in ihren Schlüpfer zu kommen. Natürlich sprach davon niemand, obwohl einige Leute das gesehen hatten. Sein Einfluss machte blind und stumm, auch bei seinen anderen Ausrutschern.

Als sein von roten Rosen geschmückter Sarg in die Grube gesenkt wurde, ging eine Frauengruppe zu einem Baum, hoben eine von ihnen hoch, dass sie vom unteren Ast weiter zur Krone steigen konnte. Alle Blicke folgten ihr …ungläubig, verwirrt, kopfschüttelnd. Die junge Frau auf dem Baum zog ein Jagdhorn unter ihrem Mantel hervor, setzte es lächelnd an die Lippen und blies hinein….tatarata,tatatatatatata,tatarata, tatatatata- tarariii,tataroooooooo…..immer die gleiche Melodie. Die Menschen gafften immer noch verständnislos zu der Frau im Baum. Männer in grünen Anzügen machten böse Gesichter, jeder tuschelte und bald sah man auch Leute, die sich ein Grinsen kaum verkneifen konnten.

Zwei Männer gingen auf den Baum zu, um die Frau dort herunter zu holen, doch die Frauen stellten sich ihnen in den Weg. So, wie sie da standen, wie sie die Männer ansahen, konnte jeder sehen, dass sie bereit waren zuzuschlagen, während die Frau im Baum weiterhin blies, dass man glaubte, die Melodie halle von allen Grabsteinen wider. Die Männer wichen zurück, die Frauen triumphierten und begannen, im Takt der Melodie zu klatschen als seien sie bei einem Konzert.

„Was um Gottes Willen spielt die Frau dort ständig? Sie steigern sich ja immer mehr hinein,“ klagte der Pfarrer, der sich an einen Mann neben sich gewandt hatte.

„Es ist ein Jagdsignal!“

„Das dachte ich mir schon, doch was bedeutet es?“

„Die Sau ist tot!“