Was trieb mich hierher?

Nachdem ich bereits seit einiger Zeit in anderen Foren, z.B. ZEIT-ONLINE, schrieb, machte mich eine gute Bekannte, die im PN schon länger aktiv ist, auf dieses Forum aufmerksam: „Nette Leute, hohes Niveau der Beiträge usw.“ Meine Einwände: „Suche keine Partner, schreibe lieber politische Kommentare, Musik-/Film-Kritiken und behandle ansonsten Themen, die mit der schwul-lesbischen Community in Zusammenhang stehen“ wischte sie beiseite … „Melde Dich an!“

Erste Eindrücke:

Alle Artikel, die ich hier ins Forum stellte, hatten bereits ihre „Feuerprobe“ in ZEIT-ONLINE hinter sich, waren also „Zweitverwertung“. Das Forum, in dem ich hauptsächlich aktiv bin wird von der angesehenen deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT betrieben. Es befasst sich überwiegend mit (gesellschafts-) politischen, kulturellen und teilweise auch sexuellen Themen.

Der Altersdurchschnitt liegt deutlich niedriger, als bei PN. Etwa 95 % der User sind Akademiker (sehr viele Geistes- und Naturwissenschaftler, Pädagogen usw.), fast alle Teilnehmer sind überdurchschnittlich an Politik und Kultur interessiert. Bevorzugte Medien sind neben DER ZEIT, das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, Tageszeitungen, wie Süddeutsche, taz und Frankfurter Rundschau, sowie die Fernsehsender 3-Sat („Kulturzeit“, „nano“, „Scobel“ usw.), PHOENIX (die „vor Ort“ Sendungen), Arté (bevorzugt die „Themenabende“) und die Dritten Programme der ARD.

Die vom Historiker und CDU-Berater Prof. Paul Nolte als „Unterschicht-Medien“ bezeichneten Fernsehsender RTL, RTL II, Sat 1, Kabel 1, Pro 7 und die Boulevardpresse, wie „Bild-Zeitung“ werden von den Usern des ZEIT-ONLINE Forums so gut, wie gar nicht frequentiert. Der Umgangston ist sachlich und in der Tendenz freundlich. Beleidigende, rassistische, antisemitische und homophobe Äußerungen werden von der Online-Redaktion nicht geduldet. Sie führen sehr schnell zur Sperrung von „Wiederholungstätern“.

Meine Artikel wurden und werden bei ZEIT-ONLINE in der Tendenz stets wohlwollend-kritisch von den MitdiskutantInnen gelesen. Viel Zustimmung haben besonders meine gründlich recherchierten und mit viel Leidenschaft verfassten Themenschwerpunkte z.B. über „schwul-lesbische Themen“ und „Evangelikale Fundamentalisten“ gefunden. Meine MOTOWN-Beiträge, meine Musik- und Fernsehtipps wurden teilweise begeistert gelobt („druckreif, lieber Knüppel“).

Die schwule „Soap“ über die beiden Protagonisten Benni & Mark bezeichne ich immer gern als „virtuelles Fast-Food“, das als „kleine Zwischenmahlzeit“ munden soll und keinerlei wissenschaftliche oder gar literarische Ansprüche erfüllen soll. Wenn Benni & Mark den Lesern Spaß machen und vielleicht gelegentlich zum Nachdenken anregen, reicht mir das völlig.

Der Unterschied, bei meinem „Einstieg“ ins PN hätte drastischer kaum ausfallen können. Als erstes fiel mir ein (im Gegensatz zum ZEIT-ONLINE FORUM) deutlich aggressiverer Umgangston auf. Nachdem ich mich ein wenig in Artikel anderer Teilnehmer eingelesen und auch die dazugehörigen Kommentare mitgenommen hatte, setzte ich eigene Beiträge ins Forum. Die Reaktionen der MitdiskutantInnen waren amüsant bis befremdlich.

Neben dem bereits erwähnten aggressiven Grundton, fiel besonders das offensichtliche Unvermögen einzelner TeilnehmerInnen auf sich inhaltlich-sachlich mit einem Thema zu beschäftigen. Dies äußerte sich in häufig nur destruktiver, statt konstruktiver Kritik. Es gab persönliche Angriffe, unsachliche „Gegenargumente“ und … eine Flut von Privatnachrichten.

Inzwischen habe ich eine regelrechte „Fangemeinde“, die meine Beiträge begleitet. Besonders lustig sind diejenigen, die sich angeblich überhaupt nicht für die behandelten Themen interessieren, sie aber trotzdem sofort lesen, wenn sie im Netz stehen. Inzwischen sind viele meiner Artikel auch über die gängigen Suchmaschinen Google, Yahoo oder Schwuugle (ein Wortspiel aus Google und schwul) leicht zu finden (Eingabe: Knüppel oder der jeweilige Titel des Artikels).

Fazit:

Da das Verweilen in zwei Foren (wobei ZEIT ONLINE für mich das deutlich interessantere ist) auf die Dauer zu zeitintensiv wird, werde ich meinen virtuellen Auftritt im PN auf ein Minimum herabfahren.

Mein Test, Artikel, die ursprünglich für die ZEIT-ONLINE-Community geschrieben wurden, im PN zur Diskussion zu stellen, hat erbracht: Die Art der Interessen und die Bereitschaft sich sachlich mit Themen zu beschäftigen sind zwischen beiden Foren extrem unterschiedlich. Im PN werden eher die im weitesten Sinne zwischenmenschlichen Aspekte bevorzugt. Das ist mir auf Dauer zu langweilig.

Einige Reaktionen, die meine Artikel innerhalb der ZEIT-ONLINE COMMUNITY auslösten:

„Zurück in die 1950er Jahre? „Wollen wir das?“:

Fünf sterne von einem hetero. Nur schwache haben angst vor der vielfalt.
lg
A.DOM

Trägst du eigentlich einen Helm??? Soviel göttlichen Zorn, wie du dir zuziehst kann ja nur eine Revanche in Form eines Blitzes folgen ;) ...Im Ernst; daß diverse Evangelikale von der Bundeskanzlerin empfangen werden, wußt ich nicht. "Mein" Ministerpräsident Althaus hat auch mal erwähnt, daß er den so genannten Kreationismus gleichberechtigt im Schulunterricht zu behandeln wünsche. Da existiert auch so ein Biologie-Professor irgendwo im "Westen" welcher eher Kreationist ist und der war höxtwahrscheinlich ein guter Gesprächspartner. Nun könnte mensch sich fragen, warum gerade Physiker (die Frau Bundeskanzlerin direkt, der Althaus auf Lehramt) sich mit solchen Leuten unterhalten. Vielleicht hat es was damit zu tun, den fast ausgedienten us-amerikanischen Präsidenten kapieren zu wollen. Der war/ist ja auch der Ansicht, daß "Gott" seine Finger mehr als offensichtlich im Spiel haben soll.
Ob es allerdings bezüglich der "Durchgenispelten" besser wird, weiß ich auch nicht.Vor Jahren hatte der dann in Sachsen schon abgedankte MP Biedenkopf mal rausgehauen, daß die Arbeitslosenstatistik im Osten deswegen so beschissen ist, weil hier viel zu viele Frauen die Frechheit besitzen, arbeiten zu gehen, wie können sie auch nur, und das ohne daheim Bescheid zu sagen...Irgendwoher kann ich auch nur den Kopf schütteln, wenn sich grade junge Leute so einem einengendem Schwachsinn hingeben, der nebenbei bar aller halbwegs untermauerten wissenschaftlichen Theorien liegt. Obs nun irgendwelcher Nazischeiß ist, bescheuerte "Glaubensideale" oderoderoder. Warum es allerdings so schwierig ist, daß die Leute anerkennen wollen, daß jede/r nach seiner Fasson glücklich werden kann, erschließt sich mir allerdings auch nicht. Und ich habe den Verdacht, daß die Welt so ist, wie sie ist, weil es einfach mal zuviele Kleingeister gibt, die aus kleingeistigen Gründen auch noch denken müssen, anderen vorzuschreiben, ihren Geist zurückzufahren. Bloß wie schafft mensch es, da sowenig wie möglich mitzuspielen??
Gruss Hugo P.

Lieber Knüppel, endlich wieder ein Bericht der über den Tellerrand der üblichen Sichtweise der Schwulen und Lesben Bewegung weit hinaus geht. Vielen Dank für diese hervorragende Darstellung. Nein, dieses Mal habe ich gar nichts zu kritisieren. ;-) Im Gegenteil, ein ganz dickes Lob von mir!
Harald B.
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Jamersons Fernsehtipp „Türkisch für Anfänger“:

Da kann ich Ihnen . . . . . . nur beipflichten, Knüppel. Normalerweise pflege ich ja beim Fernsehen einzuschlafen. Diese Sendung aber, ist es wirklich wert, wach zu bleiben, denn: Erfrischend, spritzig, satirisch, lustig, und wer weiß, noch was, ist sie. Dass sie von den Zusehern ignoriert zu werden scheint, spricht wahrlich nicht für die Zuseher. Mögen sie es nicht, wenn jemand ihre Klischees zerstört? Gruß
Exorzist

Deutschland vs. England: Hart, aber fair... @ Knüppel, Leider sitze ich in dieser Zeit noch im Büro oder suche verzweifelt einen freien Platz in der überfüllten und verschmutzten Regionalbahn...Aber ich finde es gut, wenn auch hier im Forum auf gute TV-Sendungen hingewiesen wird. Vielleicht, Knüppel, sollten wir hier auf ZEIT ONLINE so etwas wie "Users TV-Kritik" implantieren? Was sagen die User dazu, was meint die Redaktion? Übrigens: Heute Abend läuft "Hart, aber fair". Immer wieder sehr interessant! Diesmal sendet allerdings das ZDF! Unter der Subline "Deutschland gegen England"...Viel Spaß! ;-)
Hagego
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„Was Sie schon immer über Homosexualität wissen wollten …“:

Hallo Knüppel - zunächst `mal - schön, dass Du wieder da bist - wahrscheinlich geht es Dir ähnlich wie unsereinem - manchmal verflucht man die digitale Welt - und die analoge ist a) viel schöner oder b) fordert einem eben gerade sehr viel mehr ab.

Aber - nun zu Deinem langen Artikel: Jimmy Sommerville - mir ist noch das Video von Smalltown Boy damals vor Augen. Sehr schönes Video. Hab`s mir eben nochmals angesehen. http://www.youtube.com/wa... . Die Stimme hat mich damals völlig irritiert - so wie auch die göttliche Stimme von Klaus Nomi.

Nun - da wären wir ja gleich beim Thema Religion - @Spitzbub`s Bibelzitate und die Erfordernis, sich mit Glauben auseinanderzusetzen, die er für gläubige Schwule / Lesben evoziert - in Anbetracht gerade der letztgenannten Bibelzitate, die er anführt, in denen die sicher auch in unserer Zeit nicht mehr unbedingt gesellschaftlich geachtete Ehe mit Mädchen / Jungfrauen / Kindern beschrieben wird - gerade dieses Bibelzitat evoziert dies ja auch für Heterosexuelle.

Eine lebendige Auseinandersetzung muss insofern auch von diesen gefordert werden. Das ist eher die in meinen Augen erforderliche Synthese aus dem sicher komplexen Verhältnis von Religion, in diesem Falle - Christlicher Exegese zu Homosexualität.

Und - auch hier ist immer zwischen Glaubenspraxis und Lebenspraxis zu unterscheiden. Auch im gelebten Islam spielen sich viele erste sexuelle Kontakte auf gleichgeschlechtlicher Ebene ab - die derzeit dominante sehr rigide Exegese des Koran stürzt dabei viele - insbesondere junge Männer in schwere Nöte. Dies nur als kurze These zu einem weit reichenden Thema.

Im Zuge des allgemeinen Bildungs- und Werteverfalls hat die richtig von Dir, werter Knüppel konstatierte zunehmende Schwulenfeindlichkeit auf der Straße sicher etwas mit der allgemein teilweise auf dem Rückzug in Zeiten vor Freud befindlichen Sexualmoral insbesondere in der angelsächsischen Kultur - aber damit einhergehend natürlich auch bei uns zu tun. Eine besonders schöne Geschichte dazu war jene der Venus von Lucas Cranach, dem Älteren.

Das Poster mit der 500 Jahre alten nackten Schönheit sollte zunächst nicht in Londons Tube aufgehängt werden, da man befürchtete, die Fahrgäste könnten sich belästigt fühlen ob so viel Nacktheit. Wie viele der Fahrgäste sich zu Hause dann Pornos mit weitaus deutlicheren Darstellungen ansahen, steht natürlich auf einem anderen Papier.
http://london-underground... und http://www.hr-online.de/w....

Aber - dies beschreibt wunderbar die allgemeine Desorientierung, die dann eben auch solchermaßen bizarre Geschichten schreibt.

Als letzte Hypothese dazu - eine lebendige Auseinandersetzung mit den anderen Gläubigen - dafür bedarf es vielerlei - a) dem Gefühl und der Erfordernis von Gemeinschaft - b) der Bereitschaft des Einzelnen, Regeln einer Gemeinschaft zu akzeptieren - c) einen Konsens, was ein Wert für die anderen Teile dieser Gemeinschaft bedeutet.

Da wir uns hier derzeit in einem Wertevakuum befinden, dessen Erzeugung durch die herrschende Ideologie geleugnet wird, können alle drei Punkte nur durch einen Neuaufbau gewährleistet werden.
Basis dafür - ist das Grundgesetz - insbesondere §1.1 desselben. Dort sind auch alle Fragen zum Glauben vorher angelegt.

Religion - und der Glauben - haben dem Menschen - und seiner Befreiung zu dienen - nicht seiner Versklavung. Und - dahingehend sollte jegliche biblische und koranische und thoraische Exegese - jegliches Menschsein -und -werden auf der Basis der Menschenwürde hinauslaufen. Sollte nicht der Mensch im Zentrum stehen - sprich - Maß aller Dinge sein?
Derzeit - ist er eher Unmaß und Übermaß - nicht aber wirklich im Mittelpunkt.

Und - daran ist die herrschende Fundamentalismusdebatte der drei monotheistischen Weltreligionen maßgeblich beteiligt. Sie verortet und verzeitet den Menschen nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit - und in der vagen Hoffnung auf einen Utopos - einen Nicht-Ort im allgemeinen Usus - sei es Paradies, Himmel o.ä.

Wenige amtliche Vertreter dieser Religionen ragen derzeit über den negativen Horizont der Verdrängung des gesellschaftlichen Seins des Menschen heraus.Aber - um dies hier wieder mit Bronski Beat und Jimmy Sommerville zu beschließen:
It ain`t necessarily so
http://www.youtube.com/wa...
Sei mir gegrüßt
Aflaton

Beste Grüße an die MitdiskutantInnen im Platinnetz
Jamerson