Kaum zu glauben, dass es in den Sechzigern üblich war, sich mit einer Jeans bekleidet in die mit Wasser gefüllte Badewanne zu setzen, um die Hose hauteng anzupassen. Mit Brausekopf und Bürste habe ich meine Jeans auf "getragen" getrimmt. Meine Eltern waren sauer, dass ich dafür so viel Wasser verschwendete und fragten genervt, wann denn endlich das Bad frei würde. Und wehe, ich hatte vergessen, die Wanne von den blauen Rückständen zu befreien!
Heute erledigen zum Glück industrielle Instrumente diese mühsame Handarbeit und liefern die Blauen gebleicht, stonewashed, gelöchert oder auch zerfranst frei Regal. Trotz der nasskalten Erinnerungen verklärt das die Patina-Prozedur aus früheren Zeiten. Das Ergebnis der damaligen Einweich-Arie brachte einige Vorteile mit sich: Den Neid der Freundinnen und die Pfiffe der Jungs. Unvorstellbar, dass der tolle Typ sonst eine pubertierende Göre zu einer Fahrt auf seiner Vespa eingeladen hätte.
Er wollte sich vor seinen Freunden doch nicht mit einem Mädchen in Stoffhosen blamieren! Doch mit der knallengen Levis reichte es immerhin für ein paar Runden um den Block. Solche Erlebnisse vergisst man nicht. Der allererste Kontakt mit dem Stoff meiner Träume war irgendwie enttäuschend. Die Hose fühlte sich steif an, doch da kannte ich den Dreh mit der Badewanne noch nicht. Den hat mir meine Freundin in einer besonders langweiligen Mathestunde verraten. Sie war in Sachen Aufklärung sowieso unschlagbar.
Die "blaue Magie" holt fast jeden ein, auch heute noch, sogar unabhängig vom Alter. Die schönste Jeans meines Lebens habe ich in der Flower-Power-Zeit getragen. Sie war oben eng und unten weit mit gewaltigem Schlag, bestickt mit bunten Blumen. Jeans sind eben unschlagbar: Man zieht sie an und fühlt sich einfach gut.
Foto: pixelio
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