Stimmt genau, schon vor meiner Geburt habe ich mir meine Eltern geschmiedet. Den Zeitpunkt habe ich nicht überdacht, so war ich wenigstens ein Kriegskind und ich lernte schnell, was man alles nicht essen kann. Ich durfte erfahren wie ungesund im Sommer Schuhe sind, Kleider der Geschwister weitertragen und dafür habe ich mir als Zeitvertreib eine behinderte Schwester geschmiedet.
Später habe ich dann mal gelesen, das wir die Schattenkinder waren.
Na ja, im Schatten war ich nie gestanden, dafür habe ich sorgsam darauf geachtet dass Schwesterchen immer auf meiner Seite stand, so dass ich sämtliche Unternehmungen ohne das Einverständnis meiner Eltern brauchte.
Dafür gab es dann meinerseits Belohnungen die mir kräftige Prügel einbrachte.
Ich konnte Ihr glaubhaft einreden dass dicke fette Regenwürmer zum verspeisen da sind, Puppen einer Beerdigung bedurften und ich als Ärztin fungierte und schwierige Operationen an Ihr ausführte.
Dafür erlangte ich tatsächlich die restlose Bewunderung meiner lieben Schwester.
Allerdings war Sie genauso auf Süßigkeiten aus wie ich, aber eine gespendete Schockolade an Weihnachten von Oma, landete wegen eingeforderter Dankbarkeit und dem ewigen mitschleppen, in meinen Mund.
Irgendwann erreichte ich auch eine Größe die mir erlaubte die Kleidung alleine zu tragen. Da konnte ich schnell feststellen dass ich jetzt das Glück meiner Schwester schmiedete, Sie durfte meine Kleidung nicht auftragen, da ich beim Bäume klettern, bein Fußball mit den Jungs und meinen Rollschuhen sämtliche Kleidung selbst aufarbeitete.
Später konnte ich oft feststellen, dass ich so eine ganz andere Meinung zu kranken Behinderten habe, ich liebe Alle. Gerti Du hast mir mein Glück geschmiedet, nämlich meine Zufriedenheit, Dankbarkeit und das Annehmen von kleinen Dingen die manche heute so gerne übersehen.
