Heute fiel mir alles wieder ein, was ich jemals mit Großunternehmen an kuriosen Dingen erlebt habe.
Anlass war die Tatsache, dass ich mir einen neuen Rechner kaufen musste, einen mit diesem Tante-Minchen-Vista drauf. Wo man um Himmels Willen noch nie mit einem Computer gearbeitet haben darf, weil man sonst merkt, wie kompliziert unkompliziert so eine Windows-Lösung sein kann.
Jedenfalls funktionierte ein Großteil meiner herrlichen Software nicht mehr. Ich brauchte eine neue Lösung für mein Fax und mein analoges, schnurloses Festnetz-Telefon und rief die Telekom-Hotline an.
Ich bräuchte dies und das, sagte man mir, und ich könne es entweder telefonisch bestellen oder aus dem T-Punkt holen. Die Telefonnummer für den T-Punkt, die man mir gab, stimmte nicht mehr, und so rief ich die kostenpflichtige Telekom-Hotline an. Kostenpflichtig, obwohl ich doch etwas vom gleichen Unternehmen kaufen wollte. Jeder hergelaufene Feld- Wald- und Wiesenhändler hätte mir seine Nummer gern kostenlos gegeben, wenn er auch nur die Chance sehen würde, Geld an mir zu verdienen. Man gab mir die Nummer aber nicht, weil sonst jeder im T-Punkt anrufen würde und die Verkäufer vor lauter Telefonieren nicht zum Verkaufen kämen.
Auf den Punkt gebracht: Ich zahle also, und zwar für nichts, damit ich etwas nicht kaufen und die Telekom an mir nichts verdienen kann?
Bei der Gelegenheit fiel mir ein, was ich vor ein paar Jahren mit der Telekom erlebte. Ich war umgezogen und hatte meine neue Anschrift telefonisch durchgegeben. Der Service-Mensch schrieb die falsche Hausnummer auf, und von Stund an bekam ich weder Rechnungen noch Mahnungen, so lange, bis man mir den Saft abschaltete.
Warum?
Ein anderes Großunternehmen, die Deutsche Post, hatte die falsch adressierten Rechnungen ständig zurück gehen lassen, weil ich in einer Einbahnstraße wohnte und die falsche erst nach der richtigen Hausnummer kam. Und weil die Postzusteller ihren vorgeschriebenen Kurs nicht verlassen dürfen, weil sie sonst ihren Versicherungsschutz verlieren, bekam ich keine Rechnungen. Es kam auch niemand auf die Idee, mal nachzuforschen, weshalb die Rechnungen zurück kamen.
Auch wenn ich die Telekom anrief und nachfragte, wo denn die Rechnungen blieben, sagte man mir, ich solle noch etwas warten. Man sei derzeit mit Streiken beschäftigt.
Als ich endlich die Ursache kannte und reklamierte, änderte man die Rechnungsadresse, aber nicht den Standort des Anschlusses. Weil da erst jemand hätte kommen müssen, um sich davon zu überzeugen, dass ich nicht bei der alten Frau Seidel in ihrer Einzimmerwohnung hause. So toll ist die nämlich gar nicht. Die Einzimmerwohnung, meine ich.
Irgendwann prüft das Finanzamt und stellt fest, dass ich Frau Seidel subventioniert habe, was geschäftlich auf keinen Fall absetzbar ist.
Man schickte mir nach vielen Anrufen und einem halben Jahr Telefon-Problemen als Entschuldigung eine billige Armbanduhr, die schon kaputt war, als ich sie aus der schmucklosen Verpackung nahm.
Ein weiteres Großunternehmen ist die Bahn.
Können die denn nicht wie jedes anständige Unternehmen englische Synonyme verwenden? Jeder popelige Laden bezeichnet seine Neueröffnung als Grand Opening, aber die Bahn hat
Mehrfahrtenkartenautomaten. Bis man den Schriftzug entziffert, sich kaputt gelacht und die Mimik von dem Ding erkannt hat, ist der Zug schon weg. Kann da nicht einfach „Fahrkarten“ oder „Tickets“ drüber stehen?
Ehrlich gesagt brauche ich für diese Automaten Hilfe. Wenn ich fahren will, will ich fahren, und nicht unsinnige Personaleinsparungs-Verfahren unterstützen.
Muss man denn auf einen akkuraten Bürokraten warten um den Mehrfahrtenkartenautomaten zu starten?
Da drehe ich lieber den Zündschlüssel und starte meine Karre, um mir in der Ferienzeit von anderen Großunternehmen das Spritpreis-Fell über die Ohren ziehen zu lassen.
Mir reicht es jetzt. Ich werde zum Selbstversorger. Und den Strom, um das Internet zu erreichen, erstrample ich mit dem Fahrraddynamo. Dann kann ich zwar keine Artikel mehr schreiben, worüber sich einige freuen werden, aber ich bin weitestgehend autark.
Während ich meine selbstgezüchteten Kohlrabi knuspere.
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© Jürgen Berndt-Lüders
Bildquelle: STAR DIVISION CD. 10.000 Cliparts und Fotos
