Ich habe meine fünf Söhne weitgehend allein erzogen und mich darum besonders bemüht, ihnen eine gute Mutter zu sein. Ich hatte gehofft, ihnen auch ein Stück weit den Vater ersetzen zu können, der entweder nicht  anwesend oder aber kein guter Vater war.

 

Ich bin froh, dass es mir gelungen ist, meinen Kindern manches mit auf den Weg gegeben zu haben und so dazu beizutragen, dass es ihnen gelingen wird, ein selbst bestimmtes, verantwortungsvolles und zufriedenes Leben zu führen.

 

Doch an vielen Stellen musste ich feststellen, dass ein Vater unentbehrlich und unersetzlich ist, nicht nur für mich als unterstützender Partner, sondern ganz besonders für meine Söhne.

 

Der Vater fehlte meinen Söhnen und mir. Mir, weil es leichter ist, die Verantwortung, die die Erziehung von Kindern bedeutet,  zu teilen - und den Kindern als Vorbild und Gegenpart.

 

Spätestens in der Pubertät kann sich ein Junge nicht mehr mit der Mutter identifizieren, weil sie eben eine Frau ist und er ein Mann werden möchte!

 

Selbst wenn er bis dahin eine innige Beziehung mit ihr gehabt und sich mit ihr identifiziert hat, sie ihm in vielerlei Hinsicht ein Vorbild  war, wird er nun nach männlichen Vorbildern suchen, um seine Rolle als Mann in der Gesellschaft entwickeln zu können.

 

Frauen neigen dazu, dass zu unterschätzen und glauben, dass es genügen würde, wenn sie ihre Mutterrolle möglichst perfekt auszufüllen suchten.

 

Auch in der öffentlichen Erziehung dominieren nach wie vor die Frauen. Erst auf der Oberschule ändert sich das, sind auch Männer als Vorbilder präsent.

 

Insbesondere nehmen Jungen Schaden an ihrer Seele, wenn sie sich vom Vater nicht wahr genommen sehen, nicht anerkannt und geliebt fühlen. Es tauchen Gefühle von Selbstwertzweifeln auf, die es dem jungen Menschen erschweren, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu entwickeln.

 

Die Liebe der Mutter allein genügt nicht! Sie kann diese Defizite nicht wirklich ausgleichen!

 

Den meisten Jungen gelingt es, sich außerhalb der Familie an männlichen Vorbildern zu orientieren; einen Vater können diese jedoch nicht wirklich ersetzen!

 

Bei vielen Männern bleiben Gefühle von Selbstzweifeln, dem Gefühl nicht zu genügen, ein Leben lang bestehen. Bis ins hohe Alter, wenn sie selbst schon Väter und Großväter sind, sind nicht wenige Männer ihren Vätern gram, dass sie ihnen nicht das gegeben haben, was sie gebraucht hätten.

 

Und wir Frauen, die wir kleine Mädchen waren und uns nach unseren Vätern gesehnt haben, nach ihrer besonderen Form des Umgangs, nach ihrer Anerkennung, Wertschätzung, Zärtlichkeit und Liebe? Wie schmerzlich haben auch wir sie vermisst, die so wenig Zeit für uns hatten, oft nur Ruhe und Rücksichtnahme verlangt haben!

 

Wir haben das respektiert, auch weil die Mutter uns dazu ermahnt hat.

 

So sehnen sich viele Frauen bei der Suche nach einem liebevollen Mann, Partner, Familienvater im Grunde nach dem, was  ihnen in der Kindheit gefehlt hat.

 

Wenn der Vater abwesend ist, haben es auch Mädchen schwer, sich in ihrer Rolle als Gegenüber eines Mannes einzuüben und dabei Sicherheit und Selbstbewusstsein zu entwickeln

 

So verursacht ein abwesender oder nicht vorhandener Vater Defizite in der Entwicklung von Kindern, die es ihnen schwerer machen, zu glücklichen Erwachsenen zu werden.

 

Es erfordert Reflexion, Selbsterkenntnis, sowie Selbsterziehung oder gar Selbstheilung, um trotzdem ein erfülltes zufriedenes Leben zu führen.