Manchmal ist es nur ein Wort, eine Geste eines Anderen und ein Mensch rastet aus. Ein altes Erlebnis schiebt sich vor die Realität. Es wird anscheinend ein Mechanismus in Gang gesetzt, der auf diese Geste, dieses Wort eine Kette von Emotionen freisetzt. Diese Emotionen schlummerten in einem vergangenem, nicht verarbeitetem Thema. Der Mensch reagiert auf die Vergangenheit, statt auf das, was in der Gegenwart gerade passiert. Es ist also nicht die Realität, auf die er jetzt antwortet und handelt, sondern er erlebt die Vergangenheit und sein Verhalten zeigt es. Es ist, als wenn das Unterbewusstsein die Regie übernimmt. Deshalb kommt es zu großen Missverständnissen, denn die Vergangenheit kollidiert mit der Gegenwart. Eine verbale Auseinandersetzung um eine Sache wird zur persönlichen Streit. Sie kann bis zu körperlicher Gewalt ausarten.
Es könnte sein, dass der Verstand einen Vergleich sucht, in bereits Erlebtem, nach Mustern, nach Erfahrungen, um Ähnlichkeiten erkennen zu können. Dabei wird alles, was gerade erfahren wird mit den Mustern verglichen, welche bisher geglaubt wurden. Kommen Ähnlichkeiten vor, reagiert der Mensch sofort darauf. Dieses Muster lebt plötzlich und ist präsenter, als das gegenwärtig Erlebte.
Wie kann dieser Prozess erkannt und die daraus folgenden Missverständnisse geklärt werden? Ein Weg zum Frieden ist die Neutralität. Es ist ganz leicht zu verstehen, wenn die eigene Persönlichkeit einen Schritt zurückgeht. Wer das Gegenüber verstehen möchte, könnte auf diese Weise erst einmal beobachten, was das Gegenüber fühlbar vermitteln möchte. Dafür braucht es Wahrnehmung, Toleranz und den Wunsch zur Einigkeit. Mit allen Sinnen den Anderen wahrnehmen bedeutet, die persönlichen Belange in diesem Moment zurück zu stellen und keine Vergleiche mit dem eigenen Erlebten herzustellen. Deshalb muss die eigene Persönlichkeit den Schritt zurück in die Neutralität gehen. Sie macht dem Gegenüber Platz zum Ausdruck. Das heißt der Andere darf sich zeigen, was er fühlt, denkt und es wird schnell klar, dass er ein vergangenes Erlebnis mit der gegenwärtigen Situation verwechselt.
Im neutralen Verhalten entwickelt sich Toleranz und das Muster wird erkannt. Wo vorher absolutes Unverständnis herrschte, entsteht Mitgefühl und Achtung für den Anderen. In der Neutralität erkennt der Mensch, was ihm als Persönlichkeit nicht gelingen kann. Ansonsten wäre er angreifbar und könnte das Gegenüber nicht wahrnehmen, da er sich selbst mitten im Strudel des Geschehens befinden würde.
Wenn viele im Geschehen sind, ohne in die Neutralität zu gehen, dann sind verhärtete Fronten das Ergebnis. Es gibt viele Möglichkeiten Konflikte aufzulösen. Dies hier ist ein Beispiel dafür.
