Lass uns flügeln
lockte sie...
Niklas nahm die letzten Stufen zu seiner kleinen Dachwohnung mit einem Satz, öffnete die Wohnungstür und sah das stetige Blinken des Anrufbeantworters. Nicht schon wieder, schoss es durch seinen Kopf. Er hatte endgültig die Schnauze voll vom Rumgesülze seiner Ex-Freundin, auf den zweiten Versuch die Beziehung zu kitten, keinen Bock. So weh es auch tat, es war vorbei. Niklas hatte die Konsequenz gezogen und war gegangen. Für immer. Sein Gemütszustand passte zum Wetter. Nasskalt.
Die finanzielle Misere seines Studentendaseins besserte er mit „Ho Ho Ho“ auf. Erst als Nikolaus, nun als Weihnachtsmann auf Honorarbasis. Ein Termin jagte den anderen, er war bei Jung und Alt heiß begehrt und machte seinem Vornamen alle Ehre. Auch am heutigen Heiligen Abend war er unterwegs gewesen und hatte Leuchten in viele Augen gezaubert. Er spielte seine Rolle wirklich gut, und sein jugendliches Alter war unter Perücke, weißem Rauschebart und den aufwendigen Kostümen nicht zu erkennen.
Mittlerweile war es fast einundzwanzig Uhr, und alle Termine erfüllt. Endlich raus aus den Klamotten und ab in die Wanne, dazu der melancholische Song von Sarah McLachlan - Angel, der ihm seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf ging.
Etwas hinderte ihn. Das Blinken des Anrufbeantworters bohrte sich in seine Netzhaut. Niklas blinzelte mit den Augen. Ungläubig schaute er hin. Das rote Blinken veränderte seine Farbe zu einem Sternenzauber, der ihn zwang, das Band anzuschalten und den Text abzuhören. Wider seiner Befürchtung nicht seine Ex, sondern eine dringende Bitte um einen Weihnachtsmann in einer halben Stunde. Niklas wählte die Nummer. Eine Familie, nicht weit von ihm. Überraschung für zwei kleine Kinder. Er sagte zu, solche Einsätze gefielen ihm am Besten. Waren ihm angenehmer als diese Stripperei mit Gejohle und Gegrabsche.
Pünktlich traf er am vereinbarten Treffpunkt ein und staunte Bauklötze. Er sollte nicht alleine bescheren, er bekam Unterstützung von einem Engel. Er hatte noch nie ein weibliches Wesen gesehen, auf das diese Bezeichnung besser gepasst hätte. Nur ihre sinnliche Ausstrahlung strafte dem Namen Engel Lügen.
„Niklas“ stotterte er, „Nathalie“ raunte sie zurück. Mehr Zeit blieb nicht, die Kinder warteten auf den Weihnachtsmann, das Goldene Buch und die Geschenke. Der Engel mit goldenen Kringellocken, himmelblauen Sternenaugen und den weißen Flügeln, verbreitete eine zauberhafte Stimmung. Ihr gemeinsamer Auftritt war ein voller Erfolg. Sie harmonierten wie ein eingespieltes Team und zwischen ihnen knisterte es gewaltig.
Geschafft! Beide atmeten erleichtert auf. Niklas konnte sich endlich von Perücke und Bart verabschieden, und Nathalie ihre schweren Flügel ablegen und den warmen Mantel überziehen. ‚Eine Schande’, dachte Niklas. Sie bot einen umwerfenden Anblick in ihrem fast durchsichtigen, ärmellosen Engelshemdchen. Jeder Meter Stoff mehr verhüllte ihre perfekte Figur mit Rundungen an den richtigen Stellen. Er durfte sie nicht einfach ziehen lassen, nicht in dieser Nacht. Er fasste allen Mut zusammen und fragte sie mit belegter, rauer Stimme, ob sie mit ihm kommen würde. In seine kleine Wohnung hoch oben unterm Dach. Nathalie schaute tief in seine Augen, die grün schillernd vor beginnender Leidenschaft funkelten und auch von Seelenpein erzählten. Sie nickte ihm zu, nahm seine Hand und zog ihn heran. Ihre Lippen fanden sich zu einem ersten zarten Kuss, hauchzart und federleicht.
Sie liefen lachend Hand in Hand die wenigen Meter zu seiner Wohnung. Ein Weihnachtsmann ohne Mütze, mit zerzausten lackschwarzen Haaren und Dreitagebart, und ein lichtblonder Engel mit goldenen Schuhen, hauchfeinen Strümpfen, im schweren Wollmantel, mit rot gefrorener Stupsnase. Stürmten atemlos die vielen Stufen nach oben. Niklas öffnete die Tür zum Himmelreich, in das sich die kalte, kleine Wohnung wie durch Zauberhand verwandelte. Atemlos lehnten sie in dem kleinen Flur an der Wand und ihre Blicke suchten nach Einverständnis für das Kommende…
Erneut machte Nathalie den ersten Schritt. Sie ließ den Wollmantel auf den Boden fallen und schmiegte sich in seine Arme. „Lass uns flügeln“, flüsterte sie ihm zu. Niklas schluckte, nahm sie hoch und trug sie zu seinem Sofa. Setzte sie wie eine kostbare Porzellanfigur ab und bewunderte ihre Schönheit im Licht der kleinen Stehlampe. Jede Kontur ihres Körpers schrie nach Berührung. Ihre leicht geöffneten Lippen bebten, und ihre kleine Zungenspitze schnellte kurz hervor. Er kam ihrer Aufforderung nur zu gerne nach…
Ihr erster Kuss war zart und federleicht gewesen, dieser jedoch versprach Himmel und Hölle gleichzeitig. Seine festen und sinnlichen Lippen passten perfekt zu ihrem warmen, pulsierenden Mund, in dem sich ihre Zungen leidenschaftlich trafen.
Nathalie revanchierte sich und ließ ihre Zungenspitze flügelleicht zwischen seine Lippen gleiten. Sie erkundete die Form seines Mundes und glitt über seine ebenmäßigen Zähne, dann stieß sie kraftvoll zu ihm und lockte mit uraltem Ritual ihrer Zunge, ihres Mundes und Körpers. „Zieh Dich aus, lass uns flügeln“, lockte sie erneut und streifte ihr Engelsgewand vom Körper. Darunter trug sie nur einen kleinen Slip und halterlose Strümpfe. Sie zeigte sich ohne Scheu, strich neckisch über ihre formvollendeten festen Brüste.
Niklas zog fieberhaft seine Klamotten vom Körper und sank vor dem Sofa auf die Knie. Wollte ihr sagen, wie sehr er sie begehrte, wie wunderschön sie war, doch sie legte
mit einem „Pst“ den Zeigefinger auf seine Lippen und bog sich ihm entgegen. Ihre Aufforderung verstehend streichelte er mit Händen, Lippen und Zunge ihren perfekten Körper und befreite ihn von diesem Nichts aus Seide und Nylon. Er liebkoste ihre Täler, streichelte und massierte ihre Hügel. Nathalie lieferte sich seinen Berührungen und Küssen aus, und gerade dadurch verlor er sich erst recht.
Ein letzter Rest von Vernunft ließ ihn die nötige Vorsorge treffen. Sie half ihm gerne. Mit geschickten Fingern öffnete sie die Verpackung, stülpte das Kondom über seine Spitze und rollte es langsam mit ihren Lippen über seinen prachtvollen Schaft. Tief blickte sie in Niklas’ Augen und flüsterte erneut: „Lass uns flügeln“. Dann ergriff sie mit einem Schwung Besitz von ihm. Nathalie nahm ihn tief in sich auf und bewegte lasziv ihre Hüften. Bog sich weit nach hinten, zog ihn mit sich, ihre Brüste fest in seinen Händen, suchend nach seinen Lippen und seinem Kuss. Niklas ließ sich führen, folgte dem wortlosen Spiel ihrer Körper, das sie in einen Strudel der Leidenschaft zog. Sie fanden sofort ihren gemeinsamen Rhythmus zu einem Tanz, der sie zu den Sternen katapultierte. Irgendwann schliefen sie erschöpft und aneinander geschmiegt ein. Ihre Körper verschmolzen zu einer Einheit aus Wärme und Geborgenheit…
…Niklas erwachte. Nathalie lag nicht mehr neben ihm. Laut rief er ihren Namen. Sie antwortete nicht. Er schaute sich um, all ihre Sachen waren verschwunden. Nur ihr Duft hing noch im Zimmer – und auf dem Sofakissen lag eine Feder.
Niklas Herz schlug bis zum Halse. Aufgeregt lief er in den Flur und sah das Blinken seines Anrufbeantworters…
Ich wünsche meinen Lesern ein (be)sinnliches Weihnachtsfest und einen Engel…
Text © Doris Sponheimer
Die finanzielle Misere seines Studentendaseins besserte er mit „Ho Ho Ho“ auf. Erst als Nikolaus, nun als Weihnachtsmann auf Honorarbasis. Ein Termin jagte den anderen, er war bei Jung und Alt heiß begehrt und machte seinem Vornamen alle Ehre. Auch am heutigen Heiligen Abend war er unterwegs gewesen und hatte Leuchten in viele Augen gezaubert. Er spielte seine Rolle wirklich gut, und sein jugendliches Alter war unter Perücke, weißem Rauschebart und den aufwendigen Kostümen nicht zu erkennen.
Mittlerweile war es fast einundzwanzig Uhr, und alle Termine erfüllt. Endlich raus aus den Klamotten und ab in die Wanne, dazu der melancholische Song von Sarah McLachlan - Angel, der ihm seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf ging.
Etwas hinderte ihn. Das Blinken des Anrufbeantworters bohrte sich in seine Netzhaut. Niklas blinzelte mit den Augen. Ungläubig schaute er hin. Das rote Blinken veränderte seine Farbe zu einem Sternenzauber, der ihn zwang, das Band anzuschalten und den Text abzuhören. Wider seiner Befürchtung nicht seine Ex, sondern eine dringende Bitte um einen Weihnachtsmann in einer halben Stunde. Niklas wählte die Nummer. Eine Familie, nicht weit von ihm. Überraschung für zwei kleine Kinder. Er sagte zu, solche Einsätze gefielen ihm am Besten. Waren ihm angenehmer als diese Stripperei mit Gejohle und Gegrabsche.
Pünktlich traf er am vereinbarten Treffpunkt ein und staunte Bauklötze. Er sollte nicht alleine bescheren, er bekam Unterstützung von einem Engel. Er hatte noch nie ein weibliches Wesen gesehen, auf das diese Bezeichnung besser gepasst hätte. Nur ihre sinnliche Ausstrahlung strafte dem Namen Engel Lügen.
„Niklas“ stotterte er, „Nathalie“ raunte sie zurück. Mehr Zeit blieb nicht, die Kinder warteten auf den Weihnachtsmann, das Goldene Buch und die Geschenke. Der Engel mit goldenen Kringellocken, himmelblauen Sternenaugen und den weißen Flügeln, verbreitete eine zauberhafte Stimmung. Ihr gemeinsamer Auftritt war ein voller Erfolg. Sie harmonierten wie ein eingespieltes Team und zwischen ihnen knisterte es gewaltig.
Geschafft! Beide atmeten erleichtert auf. Niklas konnte sich endlich von Perücke und Bart verabschieden, und Nathalie ihre schweren Flügel ablegen und den warmen Mantel überziehen. ‚Eine Schande’, dachte Niklas. Sie bot einen umwerfenden Anblick in ihrem fast durchsichtigen, ärmellosen Engelshemdchen. Jeder Meter Stoff mehr verhüllte ihre perfekte Figur mit Rundungen an den richtigen Stellen. Er durfte sie nicht einfach ziehen lassen, nicht in dieser Nacht. Er fasste allen Mut zusammen und fragte sie mit belegter, rauer Stimme, ob sie mit ihm kommen würde. In seine kleine Wohnung hoch oben unterm Dach. Nathalie schaute tief in seine Augen, die grün schillernd vor beginnender Leidenschaft funkelten und auch von Seelenpein erzählten. Sie nickte ihm zu, nahm seine Hand und zog ihn heran. Ihre Lippen fanden sich zu einem ersten zarten Kuss, hauchzart und federleicht.
Sie liefen lachend Hand in Hand die wenigen Meter zu seiner Wohnung. Ein Weihnachtsmann ohne Mütze, mit zerzausten lackschwarzen Haaren und Dreitagebart, und ein lichtblonder Engel mit goldenen Schuhen, hauchfeinen Strümpfen, im schweren Wollmantel, mit rot gefrorener Stupsnase. Stürmten atemlos die vielen Stufen nach oben. Niklas öffnete die Tür zum Himmelreich, in das sich die kalte, kleine Wohnung wie durch Zauberhand verwandelte. Atemlos lehnten sie in dem kleinen Flur an der Wand und ihre Blicke suchten nach Einverständnis für das Kommende…
Erneut machte Nathalie den ersten Schritt. Sie ließ den Wollmantel auf den Boden fallen und schmiegte sich in seine Arme. „Lass uns flügeln“, flüsterte sie ihm zu. Niklas schluckte, nahm sie hoch und trug sie zu seinem Sofa. Setzte sie wie eine kostbare Porzellanfigur ab und bewunderte ihre Schönheit im Licht der kleinen Stehlampe. Jede Kontur ihres Körpers schrie nach Berührung. Ihre leicht geöffneten Lippen bebten, und ihre kleine Zungenspitze schnellte kurz hervor. Er kam ihrer Aufforderung nur zu gerne nach…
Ihr erster Kuss war zart und federleicht gewesen, dieser jedoch versprach Himmel und Hölle gleichzeitig. Seine festen und sinnlichen Lippen passten perfekt zu ihrem warmen, pulsierenden Mund, in dem sich ihre Zungen leidenschaftlich trafen.
Nathalie revanchierte sich und ließ ihre Zungenspitze flügelleicht zwischen seine Lippen gleiten. Sie erkundete die Form seines Mundes und glitt über seine ebenmäßigen Zähne, dann stieß sie kraftvoll zu ihm und lockte mit uraltem Ritual ihrer Zunge, ihres Mundes und Körpers. „Zieh Dich aus, lass uns flügeln“, lockte sie erneut und streifte ihr Engelsgewand vom Körper. Darunter trug sie nur einen kleinen Slip und halterlose Strümpfe. Sie zeigte sich ohne Scheu, strich neckisch über ihre formvollendeten festen Brüste.
Niklas zog fieberhaft seine Klamotten vom Körper und sank vor dem Sofa auf die Knie. Wollte ihr sagen, wie sehr er sie begehrte, wie wunderschön sie war, doch sie legte
mit einem „Pst“ den Zeigefinger auf seine Lippen und bog sich ihm entgegen. Ihre Aufforderung verstehend streichelte er mit Händen, Lippen und Zunge ihren perfekten Körper und befreite ihn von diesem Nichts aus Seide und Nylon. Er liebkoste ihre Täler, streichelte und massierte ihre Hügel. Nathalie lieferte sich seinen Berührungen und Küssen aus, und gerade dadurch verlor er sich erst recht.
Ein letzter Rest von Vernunft ließ ihn die nötige Vorsorge treffen. Sie half ihm gerne. Mit geschickten Fingern öffnete sie die Verpackung, stülpte das Kondom über seine Spitze und rollte es langsam mit ihren Lippen über seinen prachtvollen Schaft. Tief blickte sie in Niklas’ Augen und flüsterte erneut: „Lass uns flügeln“. Dann ergriff sie mit einem Schwung Besitz von ihm. Nathalie nahm ihn tief in sich auf und bewegte lasziv ihre Hüften. Bog sich weit nach hinten, zog ihn mit sich, ihre Brüste fest in seinen Händen, suchend nach seinen Lippen und seinem Kuss. Niklas ließ sich führen, folgte dem wortlosen Spiel ihrer Körper, das sie in einen Strudel der Leidenschaft zog. Sie fanden sofort ihren gemeinsamen Rhythmus zu einem Tanz, der sie zu den Sternen katapultierte. Irgendwann schliefen sie erschöpft und aneinander geschmiegt ein. Ihre Körper verschmolzen zu einer Einheit aus Wärme und Geborgenheit…
…Niklas erwachte. Nathalie lag nicht mehr neben ihm. Laut rief er ihren Namen. Sie antwortete nicht. Er schaute sich um, all ihre Sachen waren verschwunden. Nur ihr Duft hing noch im Zimmer – und auf dem Sofakissen lag eine Feder.
Niklas Herz schlug bis zum Halse. Aufgeregt lief er in den Flur und sah das Blinken seines Anrufbeantworters…
Ich wünsche meinen Lesern ein (be)sinnliches Weihnachtsfest und einen Engel…
Text © Doris Sponheimer
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