Leben XXL, vor allem neu, geistert durch die Medienlandschaften, die im Einerlei lebenden Leute ansprechend, die gebannt vor den Schirmen sitzen und von dauernder Sonne, Meer und
einem Leben träumen, dass den Stress nicht kennt, die Steuern ignoriert und vor allem vermeintlich schlechte Lebensqualität zu endlichen Höhen bringt.
Eben vom Urlaub in Korsika wieder im tristen Herbstdeutschland angekommen, geistern mir ebensolche Gedanken durch den Kopf. An dieser Stelle muss ich vorausschicken, dass ich vor 20 Jahren einmal den Versuch einer Existenzgründung im Tourismusbereich auf dieser wunderschönen Insel unternommen habe, der mir 2 erlebnisreiche Jahre dort bescherte, aber wieder in Deutschland endete. Nun wagte ich nach 20 Jahren diesen Besuch und hatte tolle 3 Wochen.
Was mir aber seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht, ist der Status meiner Bekannten von damals, dort vor Ort. Eigentlich hatte ich nur zu Anfang den Kontakt gehalten und wie das so ist, er verliert sich im Laufe der Zeit.
Da ist der Besitzer des Strandcafes, der seit 37 Jahren den gleichen Job macht. Morgens um 6 Uhr vor Ort, reinigt er den Strand vom Unrat nächtlicher Streuner, glättet den Sand und stellt seine Sonnenschirme zur Vermietung auf. Sein Sohn, damals ein Dreikäsehoch, nun auch ein gewachsener Mann, hilft ihm mittlerweile, trotzdem hat er neben natürlich guten Einkünften ein akribisch vorgezeichnetes Jahr hinter- und vor sich. Im Frühjahr und Herbst zu wenig- und im Sommer viel zu viele Gäste. Ein bisschen abgestumpft wirkt er, seit ich ihn das letzte Mal sah, so als ob der Lebenshunger der Leute nur sein Geschäft berührt, an ihm aber wie ein Film vorbeiläuft. Als ich mich bei Ihm verabschiedete, war es 19:00 h am Abend und er packte gerade zum ca fünftausendstenmal sein Geraffel zusammen. Viel Glück und komm mal wieder, waren seine Abschiedsworte. Auch waren da noch 3 Bekannte von früher, die tatsächlich seit den letzten 20 Jahren im gleichen Etablissement arbeiten. Die alte Freundin (Deutsche), die seit 30 Jahren dort das Frühstück für die Gäste zum Erlebniss werden lässt, ist nicht wesentlich älter geworden. Früher einwenig altbacken, hat sie sich ein neues, grelleres Outfit zugelegt, dass Ihr gut steht. Sie erkannte mich sofort wieder und bekannte, sich an Ereignisse von vor 20 Jahren besser erinnern zu können als an die von vor 2 Jahren. Stolz erzählte sie vom Werdegang Ihrer Kinder und vom Schul und Arbeitsalltag auf der Insel, der sich vom unseren gar nicht so sehr unterscheidet. Sie machte einen zufriedenen Eindruck, der eine glückliche Familie so mit sich bringt. Bekannte Nr. 2 war einwenig gestresst, was auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass sie seit 20 Jahren Ausflüge abrechnet, Fragen von Hotelgästen beantwortet und sich um die Behebung tropfender Wasserhähne genauso zu kümmern hat, wie um den Weg zur Apotheke und die Bekanntgabe der schönsten Routen und Strände. Ich fragte Sie, wie es Ihr geht, das Schulterzucken, war Erklärung genug. Zu guter Letzt musste ich noch erleben, wie ein mir bekannter Animateur von damals mit 54 einen Schlaganfall bekam, eine Folge von permanenter Ferienkinderbetreung der letzten 20 Jahre. Eine bedauernswerte Gestalt.
Alle 4 sind nicht wirklich glücklich, oder unglücklich. Sie Leben in der Welt, die das Leben für sie vorsah. Das Meer ist ihnen egal geworden, bis auf den Besitzer des Cafe´s, bei ihm ist es Geschäftsgrundlage. Die 35 Grad permanent sind ihnen lästig und der Fiskus holt sich seinen Teil des Erworbenen. Die Tage haben 8 Stunden und die Probleme unterscheiden sich von den unsrigen nur in Nuancen.
Meine Erkenntnis daraus.
XXL ist nicht abhängig vom Lebensstandort, sondern eine Frage unserer persönlichen Energie und Fantasie.