Sie beruht auf einer Antwort auf die Mail einer Schreibfreundin (Y), in der sie mir etwas verschämt beichtete, dass sie ONS gehabt hat. Ich brauchte die Antwort dann gar nicht in der Ausführlichkeit zu schreiben, weil andererseits erkenntlich war, dass Y gar kein Problem mit dem ONS hatte, sondern höchstens damit, was Andere (z.B. ich) aufgrund dessen von ihr denken könnten. Aber nett, wie ich nun mal bin, möchte ich euch meine ürsprünglichen Überlegungen nicht vorenthalten, sondern euch die Freude machen, euch wieder was zum Zerreißen zur Verfügung zu stellen :-)) Also...
»...und zwar geht's hauptsächlich um dieses leidige Thema ONS. Ich sag einfach mal ganz ketzerisch: "Na und? Was ist denn daran so schlimm?" Erstmal: Sex ist doch grundsätzlich etwas schönes. Schreibst du ja auch selber.
Aus nicht ganz geklärten Gründen erfolgt aber bei vielen Menschen, besonders bei Frauen, eine völlige Umkehr der Bewertung: Wenn Sex nicht der Beginn einer dauerhaften, klassischen Komplettbeziehung ist, dann ist er nix schönes mehr, sondern dann ist er etwas ganz furchtbares.
Ich kann das nicht ganz... oder nee, anders: Ich kann das natürlich verstehen, wenn man jemanden toll findet, dass man dann mehr von/mit ihm möchte als nur eine Nacht Sex. Und ich weiß auch, dass für viele Menschen - vor allem für Frauen - genetisch oder sozio-kulturell bedingt Sex nur eingebettet in eine allumfassende Komplettbeziehung denkbar ist.
Was ich nicht verstehen kann ist, dass eben diese eine Nacht Sex dann so abfällig und schlimm bewertet wird, wenn sich nicht mehr ergibt.
Wenn ich Sex gut und schön finde, dann bin ich doch froh über jedes sexuelle Ereignis, dass mir zuteil wird. Das hat doch zunächst mal gar nichts mit dem zu tun, was weiter möglich ist oder geschieht. Verstehst du: Schön oder nicht schön ist etwas, weil es schön oder nicht schön ist - aber doch nicht, weil es der Einstieg zu etwas anderem oder nicht ist.
Von dem Aspekt >>Lasst doch mal die Kirche im Dorf. Dieses Gesabbel um ONS... Sooo viele wollen bloss keine ONS! Ohhh, der böse ONS, so ein schlimmer... Ob man trotz Sympathie und - nennen wir es ruhig verliebt sein - auch sexuell kompatibel ist, weiß man erst, wenn man es probiert hat! Und was, wenn es keine Freude gemacht hat? Ich für meinen Teil war dann immer froh, wenn es ein ONS blieb! (Bzw. habe dafür gesorgt... Schlechtes muss man ja nicht wiederholen...)<< - und der von einer Frau(!) stammt, will ich gar nicht erst reden, sondern:
1. Dir machst du die Sache damit doch unnötig schlecht,
2. Beim Mann - jedenfalls für mich könnte ich mir das vorstellen - erweckst du den Eindruck, dass du dir gar nichts aus Sex machst, sondern dass Sex für dich nur ein Mittel zum Zweck ist. Lock- und Bindemittel.
Ich bin ja selber mal "Opfer" eines ONS geworden. Ich fand die Frau damals genauso sympathisch wie attraktiv und hätte deshalb gerne mehr von ihr gehabt. Und ich war natürlich schon etwas traurig und enttäuscht, dass es von ihrer Seite aus bei diesem einen "Stand" geblieben ist. Aber ich war nicht entrüstet und wütend, denn: Egal, hey, eine Frau, die ich erregend fand, hatte Sex mit mir gewollt, fand mich auch erregend, sexy, anziehend, männlich, des Sexes wert und würdig! Das ist doch klasse! Alles andere steht doch auf einem ganz anderen Blatt Papier...
Gut, aber ich kann diese beiden Blätter Papier auch getrennt betrachten. In jahrhundertelanger Kulturtradition hat man uns dagegen eingebläut, Freude oder Missfallen am Sex nicht vom Sex selber abhängig zu machen, sondern von moralischen Erwägungen, z.B.:
Wenn er/sie anschließend den Rest des Lebens mit mir verbringt, dann ist Sex gut - wenn nicht, dann ist Sex schlecht.
Ich weiß nicht, wem wir mit solch einer Haltung einen Dienst erweisen, uns selber jedenfalls eher einen Bärendienst. Wenn man von dem ausgeht, was alle Menschen antreibt, nämlich ihre Lebensqualität zu verbessern, dann wäre die schlechteste Variante doch diese gewesen: nämlich zu glauben, dass ich zwangsläufig eine Beziehung mit der Frau erwirke, wenn ich ohne eine Beziehung keinen Sex mit ihr zulasse. Denn dabei wäre die Steigerung der Lebenqualität = 0 gewesen. So, wie es gekommen ist, war es natürlich auch noch nicht die optimale Variante, aber immerhin eine mit einem Gewinn an Lebensqualität.
Tja, aber: Lebensqualität... das ist halt wieder eine Sache der Sichtweise, eine Sache der seit Generationen vererbten Bewertungsmuster. Wie die mit dem Glas: Ist es halb voll oder ist es halb leer? Sogar extremer noch: Viel Mangel an Lebensqualität kommt daher, dass man ein Glas, das nicht randvoll ist, als leer betrachtet.«
