Wie wenige Stunden ein ganzes Leben veändern können

Leon verabschiedete sich von seiner Familie und stieg Morgens gegen 7:00 Uhr in Hildesheim in seinen Volvo Kombi, um die letzten Sachen aus seiner Wohnung in der Baaderstraße zu holen. Er hatte 6 Jahre in München für Siemens Nixdorf als Netzwerktechniker gearbeitet und war vor kurzem nach Hannover versetzt worden. Er hatte während dieser Zeit mit zwei Kolleginnen, Arlene aus den Niederlanden und Daria einer aus dem Iran stammenden Deutschen in einer Wohngemeinschaft gelebt.

Es war ein schöner Sommertag und im Radio wurde " World in my Eyes " von Depeche Mode gespielt. Leon fiel der bewegende Traum der letzten Nacht, in dem er ein intensives intimes Erlebnis mir Arlene hatte, ein. Zwar hatte er sich ausergewöhnlich gut mit ihr verstanden, aber sie hatte in der Realität nie sexuelles Interesse bei ihm geweckt.

In München angekommen parkte er den Wagen unweit vom deutschen Museum und ging zu seiner Wohnung und verstaute sein Hab und Gut in mehreren Umzugkartons. Am späten Nachmittag hatte er sich mit einigen Kollegen und Daria und Arlene im Augustiner Biergarten verabredet.

Nach kurzem Suchen im Biergarten, hatte er seine gutgelaunten Kollegen und Freundinnen, gefunden. Bei der Begrüßung viel ihm sofort eine für ihn Unbekannte auf, es war Arlene´s 3 Jahre ältere Schwester Tess. Tess war vor 8 Monaten von ihrem Mann, einem Maastricher Kommunalpolitker, geschieden worden und war zu ihrer Schwester nach München gefahren, um dem grauen Alltag für 3 Tage zu entfliehen. Tess hatte Ähnlichkeit mit Arlene und gefiel ihm auf Anhieb.

Bei dem schönen Wetter in der Gesellschaft seiner Freunde fühlte Leon sich schnell wohl. Immer wieder beobachtete er Tess. Sie übte auf ihn eine lange nicht mehr erlebte Anziehungskraft aus.

Nach ca. einer Stunde flüßterte sein mittlerweile leicht angetrunker Freund Peter, mit Blick auf Tess, ihm ins Ohr "Mit der fang ich Heute was an". " Nur im Traum " dachte Leon für sich. Die beiden waren in den sechs Jahren unzählige Male zusammen durch München gezogen und wenn es um die Aufmerksamkeit von Frauen ging, war der burschikose gutaussehende Peter immer der Erfolgreichere. Der blauäugige sportliche Leon sah zwar gut aus, war allerdings zurückhaltend. Dennoch gab es auch, sehr zum Mißfallen von Peter gelegentlich Frauen, die sich für ihn interessierten.

Nach ungefähr vier Stunden verabschiedeten sich die ersten Freunde und Bekannten, auch Peter, der mittlerweile zu viel getrunken hatte; sein Pech ... Leon´s Glück. Tess, Daria, Arlene und Leon beschlossen noch nach Schwabing zu fahren, um bei einem Griechen noch etwas zu essen. Leon setzte sich direkt neben Tess. Zwischen Beiden entwickelte sich ein intensives und ungewohnt vetrauliches Gespräch. Es kam ihm vor wie ein zu schöner Traum. Er kannte sie kaum ein paar Stunden und denoch hatte das Gefühl mit einer alten guten Bekannten zu sprechen. Der Alkohol machte ihn mutig und so legte er unter starkem Herzklopfen seine Hand auf ihr Knie. Sie streichelte daraufhin seine Hand. Es wahr ein wahnsinnges Gefühl für ihn - das wahr mehr als Symphatie.

Gegen 1:00 Uhr Nachts bestellten die Vier ein Taxi um zur noch gemeinsamen Wohnung zu fahren. Tess und Leon saßen bei dieser Fahrt so dicht zusammen wie es nur irgendwie möglich war. Sie genossen das Gefühl, daß diese Nähe bei beiden erzeugte.

Arlene und Daria waren müde und verabschiedeten sich in ihre Zimmer. Leon setzte sich in die Küche, er fühlte sich veändert. Fast unbekannte Glücksgefühle zogen durch seinen ganzen Körper. Konnte man sich so schnell in eine Frau verknallen? Sein Verstand sagte " Das darf nicht sein ... Du bist verheiratet !!! " War er schon zu weit gegangen? Dann plötzlich kam Tess in die Küche und setzte sich auf seinen Schoß. Jetzt war jeder Wiederstand zwecklos. Er konnte der Anziehungskraft, die von ihr ausging nicht mehr wiederstehen. Die beiden verbrachten die ganze Nacht zusammen. Es war die schönste Nacht, die die Beiden bis dahin je erlebt hatten.

Am folgenden Vormittag brachte er Tess zum Münchner Hauptbahnhof. Beim Einsteigen in den Zug gab er ihr seine Visitenkarte. "Du must mich unbedingt anrufen"! Sie lächelte und ging zu ihrem Abteil.

Nachdem er seinen Volvo vollgepackt hatte fuhr er Richtung Norden. Ihm wurde während der Fahrt erst richtig klar was passiert war. Nähe Nürnberg schossen ihm die Tränen in die Augen, so das er gezwungen auf einen Rastplatz zu fahren, weil er Nichts mehr sehen konnte. Er hatte sich verliebt und das so schnell. Was sollte aus seiner Familie werden ?

Jahre später fragte er sich immer noch warum er diesen Traum hatte und warum er Realität geworden war.