Warnhinweis: Dieser Artikel befasst sich (auch) mit schwulem Sex; wer es nicht gewohnt ist offen über Sexualität zu reden und sich überfordert fühlt, möge bitte jetzt aufhören zu lesen!

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Benni und Mark, die beiden Protagonisten aus zwei vorangegangenen Kurzgeschichten, haben sich eine gemeinsame Wohnung genommen (teilfinanziert von beider Eltern) und auch Benni hat sich, wie Mark, an der Uni eingeschrieben und studiert nun.

Es ist einer dieser trüben November-Abende. Längst hat der Alltag unsere beiden Helden fest im Griff, als Mark Benni in den Arm nimmt, ihm in die Augen sieht und sagt: „Benni, ich liebe Dich und … ich möchte mit Dir reden.“

Benni wird hellhörig: „Ist was passiert?“ - „Nein, alles in Ordnung, komm wir setzen uns; ich möchte mit Dir über unsere gemeinsame Zukunft sprechen.“ Benni beschleicht ein ungutes Gefühl, was ist los? Fühlt Mark sich eingeengt, will er den Studienort wechseln?

Nachdem sich beide gegenseitig ihrer Liebe versichert haben, beginnt Mark ruhig und langsam zu reden: „Benni, Du bist das beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Schon damals im Schwimmbad habe ich es gespürt; ich sah Dich dort am Beckenrand sitzen und es schoß mir durch den Kopf, neben diesem Mann möchtest Du morgens aufwachen, mit ihm möchtest Du all die Ups und Downs des Lebens erleben und … mit diesem Typen möchtest Du alt werden, verrückt nicht wahr?“

Benni antwortet: „Genau das alles möchte ich auch Mark, Du bist die Liebe meines Lebens, aber was willst Du mir jetzt eigentlich genau sagen?“

Mark spricht weiter: „Benni, Du weißt ich arbeite in der schwulen Studentengruppe an der Uni, bin ehrenamtlich im Schwulen- und Lesbenzentrum tätig und mache dort u.a. Präventionsarbeit in Sachen HIV- / AIDS-Aufklärung …“ Benni: „Ja und ich arbeite inzwischen auch ehrenamtlich im Zentrum und habe viel gelernt über schwules Selbstbewusstsein, die Community und all das …“

Mark: „Ich will, dass wir einen Pakt schließen!“ Benni: „Was denn für einen Pakt?“ Benni guckt seinen Freund fragend an und kann sich überhaupt nicht vorstellen, worauf Mark hinaus will.

„Wir sind beide einigermaßen intelligent, wir sind jung, haben unser Leben noch vor uns und ich will, dass unsere Beziehung hält. Deshalb möchte ich, dass wir uns möglichst gut absichern gegen Fehler, die häufig gemacht werden und die Beziehungen kaputtmachen können.“

Benni: „Du sprichst in Rätseln.“

Mark: „Ich liebe Dich, finde Dich unglaublich geil und liebe den Sex mit Dir. Immer wenn ich in Dir bin oder Dich in mir spüre, wünsche ich mir es würde nie aufhören … lass uns dafür sorgen, dass wir nicht all die dummen Fehler machen, die andere machen! Ich weiß, dass Du wenig sexuelle Erfahrungen mit anderen Männern hast und Du weißt, dass das bei mir anders aussieht. Benni, ich glaube nicht an eine lebenslange monogame Beziehung, aber ich glaube an eine lebenslange Liebe!“

Benni: „Du meinst, wir sollten auch Sex mit anderen haben?“

Mark: „Ich glaube nicht, dass Menschen für lebenslange Monogamie geschaffen sind, schon gar nicht Männer. Das finde ich auch nicht schlimm. Gefährlich finde ich nur, wenn Partner anfangen sich gegenseitig zu belügen, sich vorzumachen sexuell treu zu sein, es nicht sind und so allmählich das Vertrauen innerhalb einer Beziehung zerstört wird.“

Benni: „Du hast mich satt!“

Mark: „Benni, ich habe Dich nicht satt, das werde ich Dir jetzt auf der Stelle beweisen.“ Mark drückt seinen Freund an sich, zieht ihn aus und liebt ihn leidenschaftlich. „Na, glaubst Du immer noch, dass ich Dich satt habe, Kleiner?“ Benni schmollt ein wenig und knurrt: „Du Tier, ich lass Dich mir nicht wegnehmen!“

Mark: „Baby, wenn wir klug sind, wird das niemals passieren und … wer versucht Dich mir wegzunehmen, dem wird das schlecht bekommen. Benni, ich wünsche mir folgendes: Wir leben unsere Sexualität aus, auch mit anderen, wir holen uns mal einen dritten Mann, dazu oder ein anderes Paar, wir besuchen gemeinsam oder allein Sex-Clubs und … wir schwören uns gegenseitig: Mit anderen NIE OHNE KONDOM F…… und auch sonst halten wir uns IMMER an alles, was ich in der HIV- / AIDS-Prävention propagiere. Seit dem Test wissen wir, dass wir beide HIV-negativ sind und das wird auch so bleiben! Benni, so wird unsere Liebe nie langweilig werden und wir werden ein wunderbares gemeinsames Leben haben.“

Benni ist ganz ruhig geworden, sein Kopf liegt an Marks behaarter Brust und er beginnt Mark zu antworten: „Was ist denn, wenn wir uns in jemand anderen verlieben oder jemand unsere Beziehung aus Neid kaputtmachen will?“

Mark: „Ich möchte, dass wir nie jemandem falsche Hoffnung machen. Bevor ich jemanden aufreisse, sage ich ihm, dass ich nur Sex mit ihm will und ob das für ihn o.k. ist, weil ich in einer Beziehung lebe. Ist er einverstanden, muss sich anschließend niemand benutzt oder hintergangen fühlen. Wir erklären unsere gemeinsame Wohnung zur Tabuzone für solche Zweier-Geschichten. Lediglich, wenn wir beide gemeinsam eine Session mit anderen vorhaben, kann das auch bei uns zu Hause stattfinden. Und Benni, soll ich Dir verraten, was mich sehr anmachen würde?“ Benni: „Was?“ Mark: „Wenn ich Dir beim Sex mit einem oder mehreren anderen zusehen könnte oder ich wüsste, dass Du mir beim Sex mit anderen zusiehst!“ Benni: „Das ist dann wohl Exhibitionismus in Verbindung mit Voyeurismus, oder? Ist das denn normal?“ Mark: „Was im gegenseitigen Einvernehmen zwischen zwei Erwachsenenen passiert und ohne Ausnutzung einer, wie auch immer gearteten, Abhängigkeit geschieht, ist lediglich Spielart der Sexualität.“

Benni: „Was würde passieren, wenn wir uns doch in jemand anderen verlieben?“ Mark: „Dann sprechen wir beide sofort darüber und … wir meistern das gemeinsam. Ich werde Dich niemals verlassen!“ Benni: „Ich Dich auch nicht!“

Benni konnte sich immer mehr mit Marks Vorschlag anfreunden, er fragte sich allerdings, was wohl seine Eltern oder Bekannten sagen würden, wenn sie von dieser Vereinbarung erfahren sollten.

Als ob Mark die Gedanken seines Freundes erraten hätte, sagt er: „Benni, ich weiß, dass viele Menschen mit völligem Unverständnis auf so etwas reagieren, weil sie nicht über eine monogam geprägte Beziehung hinauszudenken gewohnt sind, aber … wir sind nicht die anderen! Und wenn Du bereit bist, das auszuprobieren und es Dir gefällt, dann haben wir, glaube ich, die Grundlage für eine lebenslang, auch sexuell, glückliche Beziehung gelegt. Ich wünsche mir das so sehr!“

Es ist Zeit ins Bett zu gehen. Als beide schon lange im Bett liegen und Mark sich eng an seinen Freund geschmiegt hat, ist Benni immer noch hellwach. Er lässt sich Marks Worte durch den Kopf gehen, wägt ab, stellt sich Gruppensex, Partnertausch, Voyeurismus, Exhibitionismus und Mark, seinen Mark, vor … schließlich schläft er in Marks Armen ein. Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen.

© Jamerson akas Knüppel