Wir waren gerade mal 3 Jahre zusammen, die vielleicht schönsten Jahre Ihres dann sehr kurzen aber dafür sehr leidvollen Lebens. Mit etwa 21 Jahren erkrankte sie an einer heimtückischen Krankheit.  Sie erfuhr es als wir gerade mal 1 glückliches Jahr zusammen verlebten. Es war Zufall, sie wollte sich eigentlich nur mal vorsorglich Untersuchen lassen, ob denn alles in Ordnung wäre, für einen gemeinsamen Kinderwunsch.

 

Ich hatte sie natürlich begleitet und ihre Ärztin, zog mich nach der Untersuchung zur Seite, als Sonja sich gerade wieder nebenan ankleidete. Sie meinte da wäre etwas, was man aber noch genauer Untersuchen müßte und sie bat mich um meine Telefonnummer.

 

Nur wenige Tage später sollte ich mit Sonjas Eltern die grausame Wahrheit erfahren. Sonja würde uns nur noch etwa 2 Jahre erhalten bleiben. Wir zermarterten uns unter Tränen die Köpfe, ob wir es ihr sagen oder doch lieber verschweigen sollten. Was wäre das Richtige - was das Falsche?????

 

Gemeinsam mit ihren Geschwistern beschlossen wir, es ihr nicht zu sagen - noch nicht. Wir bemühten uns besonders um sie und lasen ihr jeden Wunsch, uter Tränen, von den Augen ab. Mit der zeit bekam sie auch langsam leichte Schmerzen und die von der Ärztin besagten Symptome. Alles kam wie es uns die Ärztin beschrieb. Und die Zeit wurde immer knapper. Das erste Jahr ging ja noch, wir hatten das Gespräch mit der Ärztin fast schon verdrängt. Aber nun hatte das zweite schon lange Bergfest.

 

Sonjas 23.ter Geburtstag stand an. Es war ein wundervoller Sommer in diesem Jahr und eine Nacht war herrlicher als die andere. Sonja liebte es am Abend noch stundenlang spazieren zu gehen und um den See zu laufen. Der See war ihr Ruhepol.

 

Hier tankte sie neu ihre Kräfte auf und sie liebte die Ruhe und Stille, das leichte klatschen und Plätschern der kleinen Wellen und das platschen der Fliegen fangenden Fische. Sie liebte den Glanz der Sterne im Wasser und sprach mit dem Mond - der sich im See spiegelte. Nicht selten ruderten wir einfach in die Mitte des Sees und kuschelten uns aneinander und träumten mit den Sternen oder redeten stundenlang über Wünsche und Träume.

 

Sonja merkte i den letzten Nächten immer mehr, dass mit mir was nicht stimmte, aber sie fragte nicht. Sie sah mich oft nur an und das lange Zeit, gerade so, als wenn sie meine Gedanken lesen und in meinen Augen die Tränen suchen würde. Oft mußte ich hart kämpfen, dass sie nicht gewannen.  Etwa 4 Wochen vor ihrem Geburtstag, lagen wir eines Abends wieder im Boot, mitten am See und träumten.

 

Plötzlich nahm Sonja meine Hand und sagte zu mir: "Ich möchte Dich jetzt etwas fragen und ich möchte, das du bitte ehrlich mir darauf antwortest!" Ich sagte nur, dass ich das doch immer tue.

 

Weißt du, ich werde bald Sterben, ich spüre es und ihr alle wißt das schon seit einiger Zeit - oder?

 

Ich sah sie an - Ja. Ihr wolltet es mir nicht sagen, weil ihr mich so liebt. Ich danke euch dafür und ich habe euch alle gar nicht verdient. Oh doch das hast du...........

 

An dem Abend wurde es sehr sehr lang und spät. Die nächsten Tage vergingen wie im Flug und Sonjas Geburtstag kam immer näher. Ihre Geschwister kamen auf mich zu und wollten mit mir zusammen Sonja einen unvergesslichen Geburtstag bereiten.

 

Der er auch dann wurde.

 

Es war ein herrlicher warmer Sommertag - mitten im Juli. Sonja ahnte was, wußte aber von gar nichts. Sonja war in der Arbeit und fröhnte ihr dasein als Floristin. Sie liebte Blumen fast so sehr wie die Natur und den See. Während Sonja arbeitete, organisierten ihr Bruder, das ganze Dorf und meine Wenigkeit, das Fest.. Das ganze Dorf war mit Traktoren und allen verfügbaren Händen, sowie allen möglichen Vereinen, der Sonja angehörte, Freundinnen, Schulfreunden, Kollegen, der Feuerwehr, dem Schützenverein, der Trachtengruppe, dem Kirchenchor und weiß der geier was alles noch am werkeln.

 

Am Mittag kam ich dann noch mit 5 Bundeswehr Lastern und etwa 60 Mann an und wir pflasterten den See zu. Es klappte alles wie geplant. Gegen 14:00 Uhr machte ich mich mit einer Kutsche, geschmückt mit den schönsten Blumen und 4 weißen Pferden auf den Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Die Kutsche und Pferde hatten die Chefin und Kolleginnen geschmückt. Sonja hatte sich nur einmal gewundert, wo die große Blumenlieferung des Vortages abgeblieben war. Wir versteckten die Kutsche und ich gin erstmal allein in die Gärtnerei. Ich fand sie auch gleich und sie sah ein wenig traurig aus.

 

Wir hatten uns am Morgen auch nicht gesehen. Sie stand wie immer schon um 05:00 Uhr auf und ging in den Stall und fuhr dann gleich in die Arbeit. Ich hatte an dem Tag frei und sie ließ mich deshalb schlafen. Ich ging zu ihr, nahm sie in den Arm und gab ihr einen Kuß. Ich schaute sie dann an und meinte zu ihr, was ihr denn die Petersilie verhagelt hätte, weil sie gar so sparsam schaue. Sie schaute mich an und ihr Gesicht wurde noch eine Spur dunkler.

 

Jetzt sag bloß du auch noch - aber dann. Was ich auch noch? Alle hier haben mich wohl vergessen oder denken ich bin schon tot. Glaubst du auch nur einer hätte mir heute schon gratuliert. Nicht mal Opa Meindl - und der kam die letzten 5 Jahre immer gleich nachdem wir den Laden aufmachten und kaufte zwei Blumensträuße, einen für das Grab seiner Frau - die hat ja am gleichen Tag gehabt wie ich - und eben einen für mich.

 

Und alle anderen sind seit ner Stunde jetzt plötzlich spurlos verschwunden. Und jetzt kommst Du her an und gratulierst mir auch nicht, erwarte ja kein Geschenk, aber wenigstens nen Kuss. Na gut, wenn's denn sein muß - dann komm mal her.

 

Lachend nahm ich sie in den Arm, drückte sie und ihr nen langen innigen Kuß auf die Lippen. Dann ging die Tür auf und vorne voran marschierte Opa Meindl mit einem riesen Blumenstrauß, dahinter Chefin und Chef und dei etwa 34 anderen Mitarbeiter und Kollegen. Und die Kutsche bog in den Firmenhof ein. Die ersten Tränen kullerten ihr über die Wangen. Und als alle sie endlich abgeknutscht und ihr gratuliert hatten, hob ich sie in die Kutsche und wir fuhren los. Der Rest folgte in den Autos.

 

Wir fuhren durch den Ort und raus zum See. Und ihre Augen strahlten noch heller als die Sterne in der Nacht, als sie all die Menschen da am See sah, die da auf sie warteten um mit ihr zu feiern. Es wurde eine lange und rauschende Nacht. Es wurde viel gefeiert und getanzt. Es war für alles gesorgt. Wir hatten wie zur Sonnwende hohe Türme aus Holz und Heuballen errichtet und angezündet.  Es wurde langsam richtig Nacht und Duster um den See.

 

Und der eigentliche Akt des Abends begann. Zuerst ertönte Zucheros - My Love - laut über den See. Ein riesiges Floß wurde vom anderen Seeufer herübergerudert und auf dem Floß war für sie ein kleiner Thron errichtet worden. Wir ruderten sie auf den See hinaus. Das Floß war mit Lichterschlangen, Kerzen und Fakeln beleuchtet.

 

Mitten am See wurde alles Licht ausgemacht. Musik abgestellt. Für Minuten war es totenstill, dann ertönte zuerst ihr Lieblingslied "Stairway to Heaven" - danach wieder absolute Ruhe und nur das Licht der Sterne am Himmel. Und mit Bolero von Ravel ging dann die Erde unter. So lange das Lied dauerte - so lange gab es ein phänomenales Feuerwerk und Lichtspektakel vom Feinsten. Und als Feuerwerk und Musik verstummten, wanderten mehrere 100 Fakeln am Ufer entlang und entzündeten tausende von kerzen und Teelichtern und am Seeufer erleuchtete ein aus tausenden Teelichtern bestehender Schriftzug: "Happy Birthday Sonja" und ein riesiges Herz.

 

Es dauerte noch Stunden bis alles runtergebrannt war und jeder langsam die Müdigkeit spürte. Die Leute verzogen sich langsam ins Dorf zurück. Sonja war kein bischen Müde und sie strahlte mit den Sternen um die Wette. Und sie bat mich - nochmals mit ihr auf den See zu rudern. Wir träumten noch etwa 2 Stunden im Boot und dann anschließend in dem romantischen Wüstenzelt das ich am Ufer für uns beide hatte aufstellen lassen. Am Morgen, nach einem wundervollen kräftigen Frühstück am See, holte uns die Kutsche ab und fuhr uns nach Hause.

 

Etwa vier Tage später, saßen wir Abends beim Fernsehen, Sonjas Geschwister und Eltern machten sich gerade auf den Weg ins Bett. Sonja bat mich noch einen Wein zu holen. Ich kam vom Keller hoch und ihre Mutter weinte, als sie mir entgegenkam, sah mich an und schaute mir in die Augen. Paß auf meinen Engel auf - er hat sich von uns schon verabschiedet.. Ich schenkte uns beiden die Gläser voll, sie kuschelte sich an mich und wir hörten Musik. Dann nahm sie meine Hand und sagte nur: "Danke - danke für alle und für das schöne Leben mit Dir". Gab mir einen Kuss und legte sich wieder zurück. Kurz darauf schlief sie ein...................................