Eine neue Liebe entsteht wie das Leben selbst, erst keimend, sich entwickelnd, größer und stärker werdend.
Sie birgt im Wachsen bereits alle ihre Möglichkeiten in sich, beherbergt mehr oder weniger Erwartungen und Hoffnungen, abhängig vom Anspruchsniveau der Liebenden.
Ist die keimende Liebe da nicht vielleicht wie ein Kind?
Denn auch ein Kind ist ja eigentlich erst nur ein werdender Mensch, ständig wachsend und sich entwickelnd, eben noch unfertig.
Und sein Dasein ist nur im Hinblick auf die Zukunft sinnvoll, ist Sinn und Zweck, ja eigentlich Vollendung.
Ein Kind braucht Schutz und Liebe, so wie die Liebe selbst ja eine Erwiderung braucht, sonst könnte sie verkümmern.
Und je besser die emotionalen Bedingungen, nicht allein die materiellen, für so ein kleines Kind sind, umso besser kann es sich entfalten und entwickeln.
Auch die junge Liebe braucht ihre „Kultur“, braucht ein sauberes, offenes und ehrliches
Miteinander-Umgehen.
Und vor allem braucht Beides eine Zukunft, ohne diese ist allein der Gedanke daran schon fast grausam.
Auch wenn häufig im Sinne von Lao Tse „Der Weg ist das Ziel…“ die Liebe zum Selbstzweck schon als angenehm empfunden wird, kann man auch das menschliche Leben durchaus als Weg in allen seinen Phasen sinnvoll nennen.
Aber nicht immer und in jedem Falle haben Wege ein Ziel, das wir anstreben können, und es in der Regel auch tun.
Wer auch immer die Liebe erleben darf, sollte sie hüten und schützen wie ein Kind, sollte alles tun, dass sie sich entfalten kann und nicht verkümmert, sollte ihr eine Perspektive und eine Zukunft geben, sollte behutsam mit ihr umgehen.
Niemals sollte die Liebe lediglich dem Zeitvertreib dienen, so wie niemals ein Kind missbraucht werden darf.
Auch Liebe endet, wie das menschliche Leben selbst.
Aber lasst sie nicht eines unnatürlichen Todes sterben, bevor Euer eigenes Leben zu Ende ist.
Lasst sie dazu gehören, „bis dass der Tod Euch scheidet“.