Das Ehepaar von heute sieht die Scheidung oft schon bei der Hochzeit kommen und schließt für den Fall der Fälle einen Ehevertrag. Bekanntlich lässt sich mehr als jedes dritte Paar wieder scheiden. Viele erwähnen heute ganz nüchtern ihre "Lebensabschnittspartner".

Ist die Geschichte der Liebe vielleicht eine des Verfalls? Das frage ich mich manchmal. Das romantische Liebesideal sieht die Liebe als vollkommen, einzigartig und unendlich.
Doch heute verteilt sie sich auf Fernbeziehungen, "Kettenehen" oder Patchwork-Familien. Das Liebesideal wird nicht nur von außen, sondern auch von innen entzaubert, man wägt Kosten gegen Nutzen ab: Lohnt es sich überhaupt, alle Gefühle in nur eine einzige Beziehung zu investieren?

Ist die Liebe planbar? Dabei hilft natürlich das Internet. Online-Agenturen prüfen über ein Punktesystem, wie übereinstimmend die eingestellten Persönlichkeiten sind. Je mehr Angaben überenstimmen, desto besser sollen angeblich die Aussichten sein.

In den Kontaktbörsen kann die eigene Person wunderbar versteckt oder sogar neu erfunden werden, als das bei einer realen Begegnung möglich wäre. Weil man ja mit dem Bildschirm allein ist, macht es das Netz wahrscheinlich, dass man sich in seinen eigenen Vorstellungen verliert, ohne sich tatsächlich auf den anderen einzulassen.

Durch die in Filmen, Literatur und Musik beschworenen Liebesutopien läuft man Gefahr, von der Realität enttäuscht zu werden. Dieser Effekt wird natürlich durch das Internet verstärkt. Ist aber das Wesen der Liebe nicht das genaue Gegenteil?

Zuneigung und Gefühl sind heute die einzigen verbliebenen Gründe für ein Paar, zusammenzubleiben. Der der Liebe oft gegenüber stehende Widerspruch "Leidenschaft gegen Freundschaft" stand wohl niemals so sehr im Mittelpunkt einer Partnerschaft. Die Liebe heute ist frei von Konventionen, im Gegenteil zu früher. Auch spielen ja der gesellschaftliche Stand und religiöse und weltanschauliche Gründe eine viel geringere Rolle als in früheren Zeiten.

Vielleicht aber zeigen auch die Scheidungsstatistiken, dass die Liebe nie ernster genommen wurde als heute. Die romantische Liebe hat es schwer, doch hoffnungslos ist sie wohl nicht ...