Brigitte war erst seit Kurzem in der Internetwelt unterwegs, sie hatte erste Erfahrungen gemacht mit Chaträumen, und eigentlich schon die Nase voll vom Niveau der verschidenen Anbieter.
Eines Nachts ist ihr Emil aufgefallen, denn er hatte Witz und war sehr schlagfertig, verstand es offenbar sehr gut mit Sprache umzugehen. Sie chatteten eine Weile miteinander, dann kamen einige Briefe im Postkasten hinzu, er war immer charmant, brachte Sie zum Lachen und zog alle Register wenn es ums Flirten ging.
Einen Flirt oder gar eine Beziehung im Internet finden, dass gibt es nicht, so war ihre Meinung.
Sie tauschten Telefonnummern, da es viele gemeinsame Interessen gab, eine ähnliche Lebensgeschichte mit Expartnern aus fremden Kulturen, da konnte man stundenlang darüber sprechen und sich amüsieren, oder Gemeinsamkeiten feststellen über die Eigenarten des südlichen Kulturkreises .Eines Nachts sprachen sie 7 Stunden miteinander am Telefon, eine sehr informative, angeregte Unterhaltung, tiefer gehend und ernster als ein oberflächlicher Flirt.
Er wohnt 150 km entfernt, das ist nicht um die Ecke, eine Fernbeziehung habe ich schon erfolglos durch, so war ihre Meinung.
Als sie auflegte war der Akku vom Handy leer und sie war froh über ihre flatrate. Das gibt es doch nicht, ein Mann, mit dem ich 7 Stunden reden kann, ohne das es mir langweilig wird, schoß ihr durch den Kopf.
Sie hatte sie sich mit Emil verabredet, zum Essen, die erste Einladung nach der Trennung, sie kam sich vor wie ein Backfisch, die alte Frage, was zieh ich an, was steht mir? Dann ist sie vor de Spiegel gestanden und hat laut gelacht, weil sich diese Gefühle und die Aufregung wohl nie ändern vom ersten Date mit 14 bis zum letzten, vielleicht mit 80? in dieser Stimmung kam nur tanzen in frage, Hymn for my soul spielte Sie eh den ganzen Tag rauf und runter.
Sie trafen sich zum Steakessen, unterhielten sich über Gott und die Welt, das Steak liess auf sich warten und war knochentrocken, über den Lachs, den Sie bestelt hatte, braucht man besser auch kein Wort verlieren, (peinlich, sie hatte das Lokal ausgesucht) ,na was für ein Anfang. War es überhaupt einer? War es überhaupt möglich? Sie hatte einen Sohn im Kindergartenalter, Emil war 22 Jahre älter als Brigitte.
Die Unterhaltung lief angeregt und flüssig, wie am Telefon, aber sie hatte sich offensichtlich einen Kettenraucher angelacht, und das wollte sie doch nichtmehr.
Es wurde ausgelassener, er brachte Sie zum Lachen, das ist wichtig. Beide spürten, dass es das Gegenüber ehrlich meint, beide hatten ein abwechslungsreiches, buntes Leben hinter sich und keine Lust auf dumme Spielchen.
Im Laufe des Nachmittags fanden sich Ihre Hände, sie fuhr mit ihren Fingerspitzen zärtlich und spielerisch unter sein Ärmelbündchen. Emil schaute sie an, wie elektrisiert. Sie wurde unsicher, wollte nicht zerstören, was sich da ganz sanft anbahnte, die ersten Schmetterlinge flogen im Bauch herum.
Brigitte hatte so etwas noch nicht erlebt, ein Gefühl von> ich kenne ihn schon ewig,< eine unglaubliche Vertrautheit machte sich breit, sie legte beim Abschied Ihren Kopf auf seine Schulter.
Als Brigitte abends ihren kleinen Sohn ins Bett gebracht hatte und sie zu sich gekommen war, flog schon ein ganzer Schwarm Schmetterlinge ihn Ihrem Bauch herum: Und Emil? Nun, der schrieb am nächsten Tag ein Gedicht für sie und warb um Sie noch stärker als zuvor.
Und heute? Es sind zwei Jahre vergangen, sie sind ein Paar trotz der vielen Vorurteile des Anfangs. Wird es halten?
