Vorab - ich gebe zu, ein unverbesserlicher Romantiker zu sein und bin deshalb auch schon manches Mal missverstanden oder als altmodisch empfunden worden.
Liebesbriefe und erst recht in Gedichtform, finde ich persönlich ein wunderbares Stilmittel, um seine Gefühle zu ordnen, auszudrücken, in eine adäquate Form zu bringen, um sie dann seiner Herzallerliebsten zum Geschenk zu machen.
Es gibt Menschen, die das kitschig oder sogar peinlich finden, was ich nicht nachvollziehen kann!
Um in ihren Liebesgedichten von vorne herein den Verdacht auf "Blumig- und Kitschigkeit", auf Romantik oder "Herz-Schmerz" gar nicht erst aufkeimen zu lassen,
bedienen sich manche Autoren einer flapsigen Sprache, nutzen als Stilmittel die Satire, geben sich ironisch oder witzig.
Unlängst stellte ein Autor hier ein Liebesgedicht in schwäbischer Mundart ein, deren Inhalt oder tiefere Gefühle sich nur den diese Mundart Beherrschenden erschloss.
Für mich klang es weder schön, noch romantisch. Ins Hochdeutsche gesetzt hätte es mein Herz eher berührt!
Und doch erfreuen sich selbst unter jungen, sich cool gebenden Leuten englisch-sprachige Pop-Songs, Schlager, vertonte Liebesgedichte mit eindeutig romantischen,
kitischigen und Herz-Schmerz-Texten großer Beliebtheit! Würde man sie ins Deutsche übersetzen, würden sie eher von vielen belächelt und als zu "schmalzig" abgelehnt werden!
Natürlich werden auch nach wie vor eine Vielzahl von deutschen Schlagern mit den zuvor genannten Inhalten und Texten produziert und mit viel Engagement von entsprechenden Interpreten vorgetragen. Sie werden jedoch wohl überwiegend von Vertretern der älteren Generation gerne gehört.
Es macht sicherlich mehr Mühe, kostet mehr Zeit, einen schönen liebevollen Liebesbrief, ein Liebesgedicht zu verfassen, als eine SMS zu schreiben oder eine Mail zu verschicken.
Und doch macht der Verzicht auf die beiden ersteren unsere Welt ärmer, merklich cooler, um im Jugendjargon zu bleiben, ja, sogar kälter, wenn niemand sich mehr "trauen" würde, seinen romantischen Gefühlen in Form von Liebesbriefen und Liebesgedichten Ausdruck zu verleihen, um sie seiner Liebsten zu kredenzen.
Hier im Platinnetz trifft man durchaus auf Autoren und Autorinnen, die sich mehr oder minder erfolgreich, offen oder subtil mit dieser Form des Schreibens beschäftigen.
Es gehört eine Portion Mut dazu, sie einem relativ anonymen großen Publikum zu präsentieren, insbesondere, weil man auch mit einem "Verriss" rechnen muss, der dem eines Marcel Reich-Ranicki in nichts nachsteht, obwohl die sich wahrhaft als Literaturkritiker Bezeichnenden sicherlich eine Minorität im Platinnetz darstellen.
Nun kann man natürlich auf die Meinung und das Urteil von Lesern einer Internet-Community "pfeifen" - und das tun manche wohl auch - und dennoch, wer sich in der Öffentlichkeit als "Schriftsteller" betätigt, wünscht gelesen und zumindest "richtig" verstanden zu werden, unabhängig davon, ob er den Geschmack seiner Leser trifft oder auch nicht!
Meine Freundinnen, meine "Frischverliebten", wie ich sie nenne, habe ich bisher noch immer mit Liebesbriefen und Liebesgedichten - auch selbst vertonten - beglückt.
Nicht immer erhielt ich den erhofften "Dank"! Aber das hält mich nicht von meinen kreativen Aktivitäten in dieser Richtung ab.
Anerkennung und bestätigende Zustimmung zu meinen "Kompositionen" erhalte ich von Menschen, die mir nahe stehen und wichtig sind.
Und darüber freut sich das Künstlerherz!
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Hier eine Kostprobe!
Laura
Mädchen mit den braunen Augen
die zu süßer Liebe taugen
senkst dich in mein Herz hinein
und erfüllst mein ganzes Sein
deinen Lippen deinen Wangen
gilt mein glühendes Verlangen
sie zu kosen und zu küssen
möcht ich keinen Tag mehr missen
deine Stimme und dein Lachen
sind es, die mich glücklich machen
deine Finger deine Hände
die so zärtlich und behende
über meinen Körper gleiten
tausend Wonnen mir bereiten
Ach, mein Lieb, du meine Schöne,
deiner Wolllust süße Töne
sind mir Lied und Melodie
deren müd ich werde nie
Bin ich auch ein armer Tor
hoff auf dein geneigtes Ohr
zu erhören meine Reime
bin auf ewig nur der Deine
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Text + Gedicht: G. "Picasso"
Bild: "Der Liebesbrief" von C. Spitzweg
