ich stand in unterhose und t-shirt, an meinem morgenkaffee nippend, in dem chaos, welches sich normalerweise küche nennt, als ich hinter mir, richtung schlafzimmer das trampeln ihrer nackten füße auf den holzdielen vernahm.
ihre wutausbrüche und depressionen, die durch alkohol und drogen exzesse, wie am abend zuvor, nur noch schlimmer wurden, kannte ich zu genüge und war auf einiges vorbereitet, zumal sie wieder ihre tage vor sich hatte.
da stand sie, - breitbeinig, wie auf einem schwankenden schiff, bekleidet mit einer viel zu großen, bordeaux-farbenen löchrigen unterhose und einem mit flecken übersäten
ehemals weißen t-shirt, spreizte ihre arme vom körper ab und schrie mich an "fick mich! wenn du mich wirklich liebst, dann fickst du mich jetzt!"
ihre glasigen, blauen augen funkelten gefährlich und angriffslustig aus ihrem roten gesicht und ihr langes, blondes haar stand wie elektrisiert zu allen seiten von ihrem kopf ab. natürlich liebte ich sie, so, wie ich alle anderen vor ihr auch geliebt hatte. ohne großes nachdenken entschied ich mich gegen "zeug packen und abhauen" und für eine pflichterfüllung. "du weißt doch, daß ich dich liebe, - muß noch auf's klo und komm dann gleich",brummte ich, nippte weiter an dem heißen, schwarzen getränk, während sie wieder kommentarlos in ihrer zwingburg verschwand.
an diesem morgen übte sie die erotische ausstrahlung eines bahnhofsklos auf mich aus und ich durchquerte wie in trance den flur richtung badezimmer, wo ich in der stellage neben dem waschbecken zwischen den handtüchern wühlte, bis ich das kalte, kleine, grüne fläschchen, gefüllt mit kräuterschnapps daraus hervorzog, mit dessen inhalt ich eine viagra runterspülte.
um zeit zu gewinnen setzte ich mich noch eine zigarettenlänge auf den klodeckel und zwang mich zu sexuellen phantasien. hatte immer geklappt! funktionierte auch diesmal und ich verspürte den steigenden druck in meinem freudenspender. zurück durch den flur, die küche durchquerend, erblickte ich in dem gewirr aus dreckigem geschirr und essensresten der letzten woche, wuchernden zwiebeln und austreibenden, runzeligen kartoffeln, einen halbverkorkten, grünen flaschenhals. in dieser situation gab es kein nachdenken; ein wohliger schauer durchlief meinen körper, als ich die restliche halbe flasche spanischen rotwein ohne zu schlucken in mich hinein laufen ließ. hatte auf nüchternen magen immer eine verhehrende wirkung! die übelkeit und die magenprobleme, die sich kurz darauf einstellten, schob ich auf den genuß von viagra:
auf eine mögliche magenunverträglichkeit wird, neben vielen anderen nebenwirkungen, ausdrücklich auf dem waschzettel hingewiesen. im allerheiligsten angekommen, fand ich sie, an einem grasjoint nuckelnd, zeitungslesenderweise, im bett sitzend vor. eine wirklich prickelnd, erotische situation, dachte ich zynisch und kroch übergangslos unter ihre zerfledderte bettdecke, unter welche schon alle ihre vorherigen liebhaber gekrochen waren, ohne jemals gewaschen worden zu sein.
haut an haut, nase an haut, versuchte ich mich an den amoniak-ähnlichen geruch zu gewöhnen, den sie nach durchzechten nächten ausströmte.
am anfang unserer beziehung versprach ich ihr, das ich auf ihrem körper wie auf einem instrument spielen könnte. sehr schnell hatte ich ihr instrument zu beherschen gelernt und ich startete mit den fingerübungen um uns anzuheizen.
nach 15 minuten war alles wieder unter großem geschrei zu ende.
sie hatte mal wieder vergessen, die fenster zu schließen, was die männliche dorfjugend, die an diesem herrlichen sommertag an der 50m entfernten bushaltestelle rumlungerte, mit nachgeäfftem "OOOHHH JAAAHH GUSTAAAAVJAHHHH OOUUUUHH"
lauthals quittierte, als sie mich am nachmittag durch den ort schlendern sahen. ich grinste in ihre richtung und ging weiter.
schon seit längerem beschäftigte ich mich heimlich mit dem gedanken, auszuziehen, wieder mein eigenes leben zu leben;
meiner sexualität eine auszeit zu gönnen, aber es war gar nicht so einfach, eine passende bleibe zu finden. es folgten noch viele viagra,- ich hatte sie nach einigen diskussionen dazu gebracht, sie zu bezahlen -, ettliche liter jägermeister und rotwein, selbstredend der spanische, etwas bessere für 4,99€ aus dem discounter,- nüchtern kann man so etwas nicht ertragen - fingerspiel-etueden und geschrei-overtüren; oft fühlte ich mich wie ihr sklave oder eine zu billige, männliche hure, den weg des geringsten widerstandes wählend.
endlich vorbei das ganze; ich hab sie gegen einen hund eingetauscht, mental natürlich, und den liebe ich wirklich!
liebeszwang
sonntag morgen, ca. 11.00uhr, anti-erotik und hunde
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