Es ist Samstagmorgen.
Aufgewacht bin ich durch das Geräusch des Dauerregens. Windstille sogar hier oben im 7. Stock….gleichmäßiges Rauschen des Regens…..einfarbig, grau der Himmel.
Und irgendwie macht sich bei mir eine traurige Grundstimmung breit.

Gestern, bei Sonnenschein, war der Tag ziemlich verrückt.
Früh aufgestanden, im Kopf den Einkaufszettel, denn es war noch Kartoffelsalat vorzubereiten und ein Geburtstagsgeschenk für meinen Jüngsten zu kaufen, der 14 Jahre wurde.
Eine Einladung zum Grillen, ein Familienfest, eine Zusammenkunft in meinem ehemaligen Zuhause.
Darauf war ich vorbereitet.

Als ich gegen 10 Uhr vom Einkaufen zurückkam, traute ich meinen Augen nicht. Fuhr doch mein kleiner Enkel Marlon mit seinem Laufrädchen vor dem Hochhaus herum und meine Tochter, mit dem Jüngsten an der Hand, spazierte auf und ab.
Schnell klärte sich der Umstand. Ein geplanter Tagestrip nach Vallendar zur Oma war noch während der Fahrt zu ihr abgesagt worden. Und dann die spontane Idee….na da schaut man doch einfach mal bei der Mutter vorbei…..ist ja auch ein Kurztrip.
Anruf auf der Arbeit….ja, Mutter hat frei….Anruf bei der Mutter…leider nur der Anrufbeantworter….Anruf beim Lebensgefährten der Mutter….ja, habe sie eben noch gesprochen, sie wollte einkaufen gehen…..also war das Warten einen Versuch wert.

Und so konnte ein spontanes, überraschendes Treffen stattfinden. Mit kleinem Ausflug zum Paddelteich, Picknick am See und viel Spielplatz.
Nachmittags dann Fahrt mit Kartoffelsalat und Geburtstagsgeschenk in mein ehemaliges Zuhause…zu meinen Söhnen…in meinen Garten….zu meinem Exmann….und auch meine Tochter mit Anhang kam.

Da saß ich nun, wurde versorgt und schaute in den Garten.
Ja, er wird gepflegt, aber vieles ist gestorben. Fast höre ich den Schrei….Marlies, gib mir Dünger….Marlies, gieß mich….pfleg mich.

Nach dem Grillen, die Jungs sind aufgekratzt und spielen ausgelassen mit den kleinen Neffen, schauen wir uns noch ein Familienvideo von Sommer 2007 an.

Da gab es mich noch. Ich schaue auf das Datum: Juli 2007 und hole in Gedanken diese Zeit in mein Gedächtnis zurück.

Während damals der Garten in seiner Vollblüte stand, meine Tochter hochschwanger war, Katze Maya auch noch zur Familie gehörte und alles den Anschein von Familienidylle hatte, chattete ich bereit im Internet, streckte meine Fühler aus, suchte und wurde gefunden.

Es war so leicht, in diesem aufregenden Gefühl von Heimlichkeit, Begehrtsein, Interessantsein, Geliebtsein, loszulassen.

Heute weiß ich, Loslassen musste sein, Loslassen wollte ich, aber eigentlich nur einen einzigen Menschen.
Um diesen Menschen loszulassen, musste die Gesamtheit meines Mutterseins, Hausbesitzerin, Gärtnerinnenseins im Gesamtpaket verlassen werden.

Ja, das tut weh….Muttersein nur noch jedes zweite Wochenende.
Gärterinnensein auf einem kleinen, windigen Sonnenbalkon.
Die Helligkeit und Größe meiner jetzigen Wohnung entschädigt mich für das Haus.

Aber es fehlen mir die Menschen, meine Kinder, meine Rosen, meine Stauden….und da muss ich sagen: Loslassen in Liebe….tut ganz schön weh.

Marlies