Sie hielt ihre Augen noch geschlossen, räkelte sich, lauschte den Geräuschen, die durch ihre geöffneten Fenster drangen, atmete den Mix von Kaffee- und Frühlingsdüften ein, der ihr angenehm in der Nase kitzelte.

 

Doch dann schwang sie sich mit einem Ruck aus dem Bett, denn ihr fiel ein, was heute für ein Tag heute war! Sonnabend, kein gewöhnlicher freier Tag, nein!

 Heute würde sie Gregor treffen, endlich!

 

Endlich hatte sie sich dazu durchringen können, ihm das Rendezvous zu gewähren, das sie ihm schon so lange versprochen und worum er sie mit nicht nachlassendem Drängen gebeten hatte.

 

Sie hatten sich zum Brunch um die Mittagszeit verabredet in eine griechische Taverne, die er vorgeschlagen hatte, die sie aber noch nicht kannte. Er hatte sich angeboten, sie von zu Hause abzuholen. Das hatte sie jedoch abgelehnt, weil sie der Meinung war, dass sie ihn dafür noch nicht gut genug kannte. Er hatte akzeptiert, was ihn in ihren Augen nur noch sympathischer machte.

 

Viel wusste sie nicht von Gregor, nur das, was er ihr in den hin und her gehenden Mails mitgeteilt hatte.

 

Kennen gelernt hatten sie sich über eine Internet-Community, bei der sie beide eine Zeit lang Mitglied gewesen waren. Die Fotos, die er ihr bereitwillig geschickt hatte, gefielen ihr.

 

Sie zeigten einen ernst und freundlich zugleich blickenden Mann. Sie mochte seine dunklen Augen, sein schwarzes Haar, seinen Mund und konnte sich vorstellen, ihn zu küssen und von ihm geküsst zu werden.

 

Wenn sie daran dachte, sich das vorstellte, begann ihr Herz schneller zu klopfen.

 

Törichtes Herz, schalt sie sich selbst! Du bist doch schon ein großes Mädchen und nun wirklich kein Teenager mehr! Trotzdem, die Gefühle von einer gewissen gespannten Vorfreude ließen sich nicht unterdrücken.

 

Seine Stimme in den vielen Telefongesprächen, die sie miteinander geführt hatten, hatte ein Übriges getan: ihr Herz berührt, ihre Phantasie beflügelt. Dunkel, männlich, warm, freundlich und sanft zugleich.

 

Und was er sagte, wie er auf sie einging, wie er sie zum Lachen brachte, hatten den positiven Eindruck, den sie von ihm gewonnen hatte, noch verstärkt.

 

So war sie schließlich bereit gewesen, sich mit ihm zu treffen. 

Und heute war es also so weit.

 

Eine gewisse Erregung bemächtigte sich ihrer, eine Mischung aus freudiger Erwartung gepaart mit ängstlicher Gespanntheit.

 

Würde er ihren Erwartungen Stand halten? Würde sie ihm gefallen?

 

 

Er hatte ihr viele Komplimente gemacht, mit nicht nachlassendem Eifer um sie geworben.

Das hatte ihr gefallen, ihr gut getan, so dass sie sich nach und nach öffnete, Vertrauen entwickelt und ihn schließlich bereitwillig ein Stück weit in ihr Leben und ihr Herz gelassen hatte.

 

Sophia ging ins Bad, blickte prüfend in den Spiegel. Ja, was sie dort sah, gefiel ihr. Sie sah frisch und rosig aus, hatte gut geschlafen und angenehm geträumt.

Sie lächelte sich selbst im Spiegel zu und überlegte, was sie mit ihren Haaren machen sollte.

Es war nicht leicht, diese Flut von dichten blonden Locken, die ihr bis fast zur Taille reichten, zu bändigen!

 

Was würde wohl Gregor gefallen, offen oder aufgesteckt?

 

Sie war ja kein junges Mädchen mehr, auch wenn im Innern noch immer jung, lebendig, auch ein wenig verrückt von Zeit zu Zeit.

 

Erwartete er vielleicht eher eine Lady, wie sie es den Jahren nach ja auch war?

 

Sophia drehte den Wasserhahn auf, ließ sich ein Bad ein, goss duftende Essenzen ins Wasser und wollte dann überlegen, welche Seite von sich sie Gregor heute beim ersten Rendezvous zeigen wollte.

 

Sie ging in die Küche, um sich einen Orangensaft zu holen und das Teewasser aufzusetzen, lief ins Wohnzimmer hinüber, um eine ihrer Lieblings-CDs zu holen und in den Player zu legen, der im Bad auf der Waschmaschine stand.

 

Leise summte sie vor sich hin.

Was würde der Tag an Überraschungen heute für sie bereit halten?

 

 

(Fortsetzung folgt)