Wir haben eine neue Mitbewohnerin, Luna!

Sie ist süße 12 Wochen alt und noch nicht ganz stubenrein. Trotz ihrer kurzen Zeit auf dieser schönen Welt hat sie schon einiges erlebt.Mit 6 Wochen wurde sie von ihrer Mutter getrennt und an Leute verkauft, die ein Kleinkind und ein Menschenbaby hatten, dazu einige andere, pflegeleichte tierische Mitbewohner.

 

Welcher Teufel eine junge Frau reitet, die sich parallel zu ihrem Neugeborenen noch einen Welpen anschafft, wird sich mir wohl nie erschließen. Nach einiger Zeit merke die junge Mutter, dass man kein Baby so schnell anziehen kann, wie ein Welpe vor die Türe muss, wenn der Boden trocken bleiben soll.Da sich die Wohnung der tierlieben Familie an einer dreispurigen Bundesstraße befindet, war es auch ausgeschlossen, den Hund mal eben allein vor die Türe zu lassen. Vor der Abgabe im Tierheim wurde dann noch schnell eine Anzeige im Internet aufgegeben... Hund abzugeben..umständehalber… 

 

So gelangte die kleine Schäferhündin zu uns. Unser Simon ist 6, kommt bald in die Schule und geht ganz in seiner Rolle als Hundepapa auf. „Gefüttert und gewässert habe ich sie, jetzt bring ich sie eben um die Ecke“ Seine Ausdrucksweise ist etwas irreführend, doch in der Praxis setzt er das gut um, wenn man weiß, was er meint und ihn lässt. Nachdem Luna gefressen und getrunken hat, geht er mit ihr um die Ecke zu einem brach liegenden Feld. Dort macht sie ihr Geschäft, buddelt nach Mäusen, trifft andere Kollegen mit Fell und knüpft gern Makramee aus ihrer und der Leine des entgegen kommenden Hundes.

Auch die indianischen Gene in ihr kommen oft hervor. Dann rennt sie um ihren Gassigeher und den des anderen Hundes herum und fesselt mit der Langlaufleine diese beiden Menschen inniglich aneinander. Das sorgt immer für Gelächter, solange die Gassigeher weiblichen Geschlechts sind. Zwei Männer lassen sich nur selten so spontan auf einen äußerst wackligen, engen Kontakt ein…oder haben erst recht Freude daran. Treffen Männlein und Weiblein so unverhofft eng zusammen, gibt es verschiedene Reaktionen. Das reicht von roten Wangen bis zu endlosen Diskussionen mit dem Partner, wenn die Skulptur „Liebende in Fesseln“, von Frau Krüger, der ollen Klatschbase, beobachtet und brühwarm weitergetragen wurde. Meist vergisst sie dabei die führende Rolle des Hundes zu erwähnen.

 

In der Familie selbst hat sich auch einiges geändert. Nachdem Luna einigen Holzteilen  aus Simons Lieblingsbaukasten eine stromlinienförmige Knabberei angedeihen ließ, fliegen die nicht mehr im Zimmer herum sondern sind fein säuberlich in einer Plastikbox, die vorsichtshalber auf dem Schrank platziert wird.

 

Mami geht jetzt barfuß. Das liegt weniger daran, dass sie die gesunde, wohltuende Wirkung des unbeschuhten Gehens entdeckt hat als daran, dass sich ihre Hausschuhe im Hundemagen befanden, der Lederteil zumindest, die Gummisohlen waren vom Geschmack her wohl nicht recht.

Als sie barfuß ihre Hausschuhe suchte, trat sie im Halbdunkel des Flures in die recycelte Form besagter Lederteile, was sie zu wildem Hüpfen und bösen Worten animierte, was wiederum den Hund so entzückte, dass er ebenfalls durch die inzwischen zertretene, recycelte Ledermasse hüpfte und fröhlich bellte. Durch den Tumult geweckt schoss alsbald auch der Chef des Clans aus dem Schlafzimmer. Natürlich schlossen auch seine Füße Bekanntschaft mit der aufdringlich duftenden, weichen Masse. So hatte letztendlich die ganze Familie was von Mamis ollen Schluffen, denn Junior brachte von dem zweiten Haufen verdautem Leder, der auf dem Feld abgesetzt wurde, eine Portion im Profil seiner Schuhsohlen mit.

 

Wenn nun die erfahrene Hausfrau und Abonnentin von „Schöner wohnen“ und „Mein schönes Zuhause“ glaubt, sie zeige erlesenen Geschmack bei der Einrichtung und habe bei der Dekoration der Wohnung ein geschicktes Händchen, so hat sie die Rechnung ohne kleine Pfoten und spitze Milchzähnchen gemacht.

Bügelfreie Tischdecken im Seidenlook sind mit Ziehmaschen viel weniger spießig und die kantigen Holzbeine der Kommode erhalten rund geknabbert erst einen edlen, künstlerischen Wert. Statt alle Blumen in die Vase zu stellen, zaubern ein paar dezent verstreute Blüten einen Hauch von Romantik und werden nur durch eine gekippte Vase, in deren Pfützen sich das Pastell der zarten Blüten spiegelt, in ihrer Erscheinung getoppt.

Wer nun glaubt, die besch

riebenen Situationen seien zum Schmunzeln, der hat noch nie einen Hundeblick gesehen, der Stein und Bein versichert, dass dies alles nicht aus seinen Pfoten stammt. 

Ich denke, es werden weitere Stories von Luna folgen.