Die Zeit vergeht wie im Fluge seit Luna mitmischt. Täglich gibt es neue Erfahrungen, mal für uns, mal für Luna. Morgens um 10 Uhr ist das Treffen vom Hundekindergarten. Dann sind viele ihrer Kollegen aus der Welpenschule auf dem Feld und alle dürfen ohne Leine rennen und toben. Die Hunde, nicht die Herrchen und Frauchen. Die stehen nämlich da und tauschen Erfahrungen aus.

 „Wenn mein Hund bei Tisch bettelt, halte ich ihm einfach etwas hin, was er nicht mag, schon zieht er ohne schimpfen ab“. Bei Luna hat das nicht geklappt, denn sie futterte voller Genuss das Stück rohe Zucchini, die zurzeit  in Massen im Garten wächst. Äpfel, Pfirsich, Birne, Pflaume…alles wird genüsslich von Luna vertilgt. Dies hat sogar unseren Obst- und Gemüsemuffel Simon dazu veranlasst, das „Ekelzeug“ zu probieren und manchmal wird brav geteilt.

 

Lunas erster Tag im Garten war für alle sehr aufregend. Besonders für den dicken Kater aus dem Nachbarsgarten, der immer zu Besuch kommt und daran gewöhnt ist, hier seine Streicheleinheiten zu bekommen. Spike kam wie immer gemächlich schlendernd den Gartenweg entlang und reckte schon den Hals, weil er viele Stimmen hörte, was für ihn viele Streichelhände bedeutet. Luna lag brav neben dem großen Sonnenschirmständer und nur ihre riesigen Ohren, die immer wieder an holländische Pommestüten erinnern, lugten über den Rand.

Der alte, dickliche Kater kam maunzend über die Wiese und sah sich plötzlich einem wuselnden Fellknäuel gegenüber, das gar nicht so schnell wedeln konnte, wie es sich über den neuen Spielkumpel freute. Da peitschende Schwänze bei Katzen Streit bedeuten, schoss Spike wie der Blitz zum Zaun, sprang mit einem Satz drüber und starrte vom Apfelbaum aus auf das winselnde Etwas, das an der Leine zog und unbedingt zu ihm wollte. Luna verstand das nun gar nicht. Immer wieder sah sie uns fragend an und jedem war klar, dass dies ihre erste Abfuhr bei der Aufforderung zum Spiel war. Da dieser seltsame Typ nicht spielen wollte wurde Simon animiert. Erst Wettrennen, zu Omas Schreck immer haarscharf am Teich vorbei, dann Mäusebuddeln neben dem Kompostbeet, was Opa in Panik versetzte, weil er dort gerade die sündhaft teuren Zwiebeln der Herbstzeitlosen  gepflanzt hatte.

An der kurzen Leine durfte Luna mit Simon den Garten weiter inspizieren. Ohne Leine hatte sie in Windeseile die Bierfalle der Schnecken leer gesoffen und Opa fürchtete schon um seinen Gerstensaftvorrat, weil Oma leere Fallen natürlich gleich neu füllt.

Die ganze Zeit über wunderten wir uns, weil Simon Luna oft lobte. „Ja Luna, fein gemacht, braves Mädchen!“ Dann kam er zurück und fragte „Oma, hast du noch Trüffel? Luna hat alle Zucchinis im Garten gefunden, jetzt bilde ich sie zum Trüffelschwein aus!“  Nachdem Junior erfahren hatte, dass die leckeren Trüfffel aus der Konditorei sind und nur nach den berühmten Pilzen benannt wurden, verwarf er diesen Plan, denn echte Pilze sind „Ekelzeugs“, was er nicht mag. Wie kommt ein kluger, kleiner Junge nur zu dem Irrglauben, Schokolade wüchse unter der Erde? Wozu war er denn im Schokoladenmuseum?

Tatsächlich erschnüffelt Luna sich in kürzester Zeit ihre Lieblingsfrüchte, sogar die versteckt unter den Blättern hängenden Himbeeren hat sie gefunden. Nachdem ihre Zunge bei den Brombeeren Bekanntschaft mit den Stacheln gemacht hat, sitzt sie vor den Früchten und winselt, bis sich jemand erbarmt und ihr die gebratenen Tauben ins Maul steckt. Vielleicht lag es auch an Omas Schelte. Die fand Selbstbedienung für Hunde ungeeignet und verhängte ein Abknabberverbot.Zum Trost gab es dann für alle ein Schweineöhrchen. Für die Zweibeiner welche aus Blätterteig, die wollten die richtigen Ohren nicht.

Einen neuen Kumpel hat Luna auch. Diesmal ist das kein Spielkamerad aus der Welpenschule sondern ein gestandenes Mannsbild…und was für eins! 

Seit Luna die Kommandos „sitz“ und „komm“ beherrscht, darf sie auch an anderen Feldwegen frei laufen. Sie rennt etwas vor, dreht sich aber immer um, damit sie ihren Leinenhalter nicht verliert.

An einem dieser Regentage patschte sie durch die Pfützen auf dem Feldweg, als aus dem angrenzenden Maisfeld seltsame Geräusche kamen. Frauchen hatte gleich Angst, es könne ein Wildschwein sein. Das Geräusch wurde lauter, der Mais teilte sich und heraus sprang…ein riesiger Mastino. Erst war Luna starr vor Entsetzen, dann warf sie sich auf den Rücken und jammerte. Ihr entsetztes Frauchen überwand ihren Herzkasper und rannte los, um ihr Baby vor der Bestie zu retten.

Zu spät! Als sie bei Luna ankam, war diese schon über und über durchtränkt. Nein, nicht von ihrem Blut, der große, faltige Hund hatte sie wohl sofort adoptiert und schlabberte an ihr rum wie an einem Eisbecher. Die Zunge des Riesen war so breit, dass er mit einem einzigen Wisch den ganzen Bauch von Luna in triefendes Fell verwandeln konnte. Ihre kleine Zunge hing seitlich aus den Lefzen und sie gab grunzende, zufriedene Laute von sich.

„Der tut nix, der is noch klein!“ versicherte der Herr, der wegen seiner Figur, die dem Mastino angepasst schien, keuchend angelaufen kam. Der und noch klein?  Nachdem der kleine, gut  11 Monate alte Faltenhund mit der lächerlichen Schulterhöhe von geschätzten 95cm seinen Sabber an alle umstehenden Personen freudig verteilt hatte, Erfahrungen getauscht waren, trennte sich die Gruppe. Es muss seltsam ausgesehen haben, denn die Hunde liefen fast rückwärts neben ihren Besitzern her, weil sie sich nicht aus den Augen lassen konnten. Wenn die Freundschaft vertieft wird, werden wir zu Lunas heißen Zeiten höllisch aufpassen müssen. Nein, nicht wegen der seltsamen Rasse, Opa meint, wenn der ihn raus zieht, ist Luna auf links….