Lust statt Frust.. . oder Wie geht´s wie steht´s?
Lust ist nicht nur was für junge Leute. Was passiert wenn Alter, Krankheiten und Medikamente das Liebesleben beeinflussen. Können wir mit den veränderten Bedingungen Freundschaft schliessen. Ist es lebenswert- die Sache mit der Lust.
Mehr Frust als Lust: Oft stecken Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes dahinter
Stockdisc/ RYF
Beim ersten Mal trauen sich die meisten nicht. Erst beim dritten oder vierten Anruf rücken sie mit der Sprache raus. „Es braucht einen großen innerlichen Anlauf, um sich dem Thema zu stellen“, weiß Sabine Kromer vom Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit in Freiburg. 85 Prozent der im Schnitt 300 Anrufer pro Woche sind Männer. Knapp die Hälfte der Hilfe suchenden Frauen wendet sich wegen Potenzschwäche ihres Partners an das Freiburger Expertenteam. Seit 1999 existiert die Hotline. „Über sexuelle Probleme wird in der Gesellschaft entweder gelacht oder geschwiegen“, sagt sie. „Mit kaum jemandem können die Betroffenen ernsthaft darüber reden. Diese Lücke ist schliessbar.“
Fehlendes Stehvermögen: ein Problem von Millionen
Noch immer herrscht Scham und Schweigen vor, wenn der Mann im Bett schlappmacht. Dabei ist fehlendes Stehvermögen ein Problem von Millionen. Jeder fünfte Mann über 40 ist betroffen, betroffen, ab 65 schon jeder zweite. Das heißt nicht, dass bei Senioren im Bett gar nichts mehr läuft. Was vor allem Jüngere oft nicht glauben: Die Lust auf Sex versiegt im Alter nicht zwangsläufig. „Es gibt nicht ‚die‘ Alterssexualität“, betont Robert Bolz von pro familia ,aber Menschen, die in jüngeren Jahren intime Kontakte pflegten, verlieren das Interesse daran nicht, nur weil sie älter werden.“
Umfragen belegen: Zwar haben Ältere in der Regel nicht mehr so häufig Geschlechtsverkehr wie früher. Dafür gewinnen Nähe, Zärtlichkeit und lustvolle Berührung an Bedeutung. Auch eine aktuelle, repräsentative Studie mit 521 Frauen zwischen 50 und 70 der Berliner Charité zeigt, dass sich im Alter Prioritäten verschieben: Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr wünschten
sich die befragten Frauen im Schnitt mehrmals im Monat Sex. Dabei waren vor allem die Qualität der Partnerschaft und das Sexualleben in früheren Jahren entscheidend. Allerdings möchte die Hälfte der 65- bis 70-Jährigen keine sexuelle Beziehung mehr.
Keine Frage: Das Alter hinterlässt seine Spuren, auch im Liebesleben. Mit den Jahren sinkt bei Männern der Testosteronspiegel. Erektionen entwickeln sich langsamer. Mehr Stimulation ist nötig. Der Penis wird nicht mehr so steif und richtet sich nicht mehr so hoch auf wie früher. Frauen bekommen die nachlassende Wirkung der Geschlechtshormone ebenfalls zu spüren: Die Scheide ist weniger elastisch, dünner und wird nicht mehr so feucht. Minirisse in der Scheidenschleimhaut und Schmerzen beim Verkehr können die Folge sein. „Das wissen die wenigsten“, sagt Robert Bolz, der seit mehr als 25 Jahren als Paar- und Sexualtherapeut Sexualtherapeut arbeitet. „Und die meisten sind ganz erleichtert, wenn sie hören, dass das ganz natürliche Veränderungen sind, die andere auch betreffen.“
Der Leidensdruck ist enorm
Leistungsfähigkeit und Potenz sind immer noch eng an das Selbstwertgefühl von Männern geknüpft. Wer nie mehr „seinen Mann steht“, zieht sich oft zurück und wird depressiv. Langfristig belastet das die Partnerschaft. Viele Frauen fühlen sich von ihren Männern zurückgesetzt und ungeliebt. Der Druck auf den Partner und die Angst vor erneutem Versagen im Bett wachsen. Aus diesem Teufelskreis kommen die Betroffenen Betroffenen ohne therapeutische Hilfe nur schwer wieder heraus.
Nur wenige lassen sich helfen
Trotzdem suchen nur wenige einen Arzt auf. Damit schlagen sie die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung aus. Schlimmer noch: Das Versäumnis geht zu Lasten der Gesundheit. Erektionsschwäche kann ein Warnsignal für Herz-Kreislauf-Leiden oder Diabetes sein. Der Penis fungiert wie eine Art Teststäbchen. Wenn dort die Durchblutung nicht funktioniert, streiken auch bald die Herzgefäße. Und hohe Blutzuckerwerte schädigen nicht nur Gefäße und Nerven in den Beinen, sondern auch im sensiblen Penis.
Auch bestimmte Krankheiten beeinflussen die sexuelle Aktivität. Wer unter Arteriosklerose, Bluthochdruck, Inkontinenz, Prostatakrebs oder Depressionen leidet, erlebt schon deshalb mehr Frust als Lust. Um die Ursache abzuklären, gehören Blutbild, Hormonstatus, Prostata- und Gefäßuntersuchung zu einem Check beim Arzt dazu.
Und: Manche Medikamente, die Infarkt und Schlaganfall vorbeugen, verschärfen das Potenzproblem. „Viele Patienten nehmen diese Mittel nicht, wenn sie diese Nebenwirkung im Beipackzettel lesen“, weiß Diabetes-Spezialist
Prof. Dr. Hepp aus Erfahrung. Zu den Lenden schwächenden Medikamenten zählen einige Blutdrucksenker, Herzmittel und Antidepressiva.
„Darüber muss der Arzt den Patienten informieren oder ein Alternativpräparat aufschreiben.“
(Un)lust: auch Ärzte scheuen das Tabuthema
Bei ihren Ärzten stoßen Patienten jedoch oft auf die Unsicherheit, die sie von sich selbst schon kennen. „Viele Ärzte haben es nicht gelernt, nach dem Sexualleben zu fragen“, erklärt Diplompsychologe Bernhard Kulzer vom Diabetes- Zentrum Bad Mergentheim. An der Spezialklinik haben Kulzer und Kollegen ein Schulungs- und Beratungsprogramm entwickelt, das Medizinern
helfen soll, das heikle Thema anzuschneiden. „Je selbstverständlicher der Arzt fragt“, so Kulzer, „desto selbstverständlicher bekommt er eine
Antwort.“ Die Belohnung für den Mut folgt prompt. Gespräche kosten zwar Zeit, und die ist heute knapper denn je, „aber das Vertrauen zwischen Arzt und Patient wird so enorm gestärkt“, sagt Privatdozent Dr. Hofer, niedergelassener
Urologe.
Lernen, Nähe neu zu spüren
Sicher ist: Wenn es um die (Un)lust geht, spielen organische und psychische Ursachen immer zusammen. Auch eine Scheidung oder der Tod eines Partners müssen erst verarbeitet werden. „In der Sexualität sind wir Menschen sehr irritierbar“, erklärt pro familia-Mitarbeiter Bolz. In der Sexualberatung lernen Paare, Leistungsdruck abzubauen, über ihre Beziehung zu reden und Nähe neu zu spüren. Eine Frage stellt der erfahrene Therapeut Bolz immer: „Wann haben Sie Ihren Partner eigentlich das letzte Mal gefragt: ,Wie geht es dir mit mir?‘“
Recherchiert für Faktor Mensch-rtbf-EU- Brüssel
Stockdisc/ RYF
Beim ersten Mal trauen sich die meisten nicht. Erst beim dritten oder vierten Anruf rücken sie mit der Sprache raus. „Es braucht einen großen innerlichen Anlauf, um sich dem Thema zu stellen“, weiß Sabine Kromer vom Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit in Freiburg. 85 Prozent der im Schnitt 300 Anrufer pro Woche sind Männer. Knapp die Hälfte der Hilfe suchenden Frauen wendet sich wegen Potenzschwäche ihres Partners an das Freiburger Expertenteam. Seit 1999 existiert die Hotline. „Über sexuelle Probleme wird in der Gesellschaft entweder gelacht oder geschwiegen“, sagt sie. „Mit kaum jemandem können die Betroffenen ernsthaft darüber reden. Diese Lücke ist schliessbar.“
Fehlendes Stehvermögen: ein Problem von Millionen
Noch immer herrscht Scham und Schweigen vor, wenn der Mann im Bett schlappmacht. Dabei ist fehlendes Stehvermögen ein Problem von Millionen. Jeder fünfte Mann über 40 ist betroffen, betroffen, ab 65 schon jeder zweite. Das heißt nicht, dass bei Senioren im Bett gar nichts mehr läuft. Was vor allem Jüngere oft nicht glauben: Die Lust auf Sex versiegt im Alter nicht zwangsläufig. „Es gibt nicht ‚die‘ Alterssexualität“, betont Robert Bolz von pro familia ,aber Menschen, die in jüngeren Jahren intime Kontakte pflegten, verlieren das Interesse daran nicht, nur weil sie älter werden.“
Umfragen belegen: Zwar haben Ältere in der Regel nicht mehr so häufig Geschlechtsverkehr wie früher. Dafür gewinnen Nähe, Zärtlichkeit und lustvolle Berührung an Bedeutung. Auch eine aktuelle, repräsentative Studie mit 521 Frauen zwischen 50 und 70 der Berliner Charité zeigt, dass sich im Alter Prioritäten verschieben: Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr wünschten
sich die befragten Frauen im Schnitt mehrmals im Monat Sex. Dabei waren vor allem die Qualität der Partnerschaft und das Sexualleben in früheren Jahren entscheidend. Allerdings möchte die Hälfte der 65- bis 70-Jährigen keine sexuelle Beziehung mehr.
Keine Frage: Das Alter hinterlässt seine Spuren, auch im Liebesleben. Mit den Jahren sinkt bei Männern der Testosteronspiegel. Erektionen entwickeln sich langsamer. Mehr Stimulation ist nötig. Der Penis wird nicht mehr so steif und richtet sich nicht mehr so hoch auf wie früher. Frauen bekommen die nachlassende Wirkung der Geschlechtshormone ebenfalls zu spüren: Die Scheide ist weniger elastisch, dünner und wird nicht mehr so feucht. Minirisse in der Scheidenschleimhaut und Schmerzen beim Verkehr können die Folge sein. „Das wissen die wenigsten“, sagt Robert Bolz, der seit mehr als 25 Jahren als Paar- und Sexualtherapeut Sexualtherapeut arbeitet. „Und die meisten sind ganz erleichtert, wenn sie hören, dass das ganz natürliche Veränderungen sind, die andere auch betreffen.“
Der Leidensdruck ist enorm
Leistungsfähigkeit und Potenz sind immer noch eng an das Selbstwertgefühl von Männern geknüpft. Wer nie mehr „seinen Mann steht“, zieht sich oft zurück und wird depressiv. Langfristig belastet das die Partnerschaft. Viele Frauen fühlen sich von ihren Männern zurückgesetzt und ungeliebt. Der Druck auf den Partner und die Angst vor erneutem Versagen im Bett wachsen. Aus diesem Teufelskreis kommen die Betroffenen Betroffenen ohne therapeutische Hilfe nur schwer wieder heraus.
Nur wenige lassen sich helfen
Trotzdem suchen nur wenige einen Arzt auf. Damit schlagen sie die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung aus. Schlimmer noch: Das Versäumnis geht zu Lasten der Gesundheit. Erektionsschwäche kann ein Warnsignal für Herz-Kreislauf-Leiden oder Diabetes sein. Der Penis fungiert wie eine Art Teststäbchen. Wenn dort die Durchblutung nicht funktioniert, streiken auch bald die Herzgefäße. Und hohe Blutzuckerwerte schädigen nicht nur Gefäße und Nerven in den Beinen, sondern auch im sensiblen Penis.
Auch bestimmte Krankheiten beeinflussen die sexuelle Aktivität. Wer unter Arteriosklerose, Bluthochdruck, Inkontinenz, Prostatakrebs oder Depressionen leidet, erlebt schon deshalb mehr Frust als Lust. Um die Ursache abzuklären, gehören Blutbild, Hormonstatus, Prostata- und Gefäßuntersuchung zu einem Check beim Arzt dazu.
Und: Manche Medikamente, die Infarkt und Schlaganfall vorbeugen, verschärfen das Potenzproblem. „Viele Patienten nehmen diese Mittel nicht, wenn sie diese Nebenwirkung im Beipackzettel lesen“, weiß Diabetes-Spezialist
Prof. Dr. Hepp aus Erfahrung. Zu den Lenden schwächenden Medikamenten zählen einige Blutdrucksenker, Herzmittel und Antidepressiva.
„Darüber muss der Arzt den Patienten informieren oder ein Alternativpräparat aufschreiben.“
(Un)lust: auch Ärzte scheuen das Tabuthema
Bei ihren Ärzten stoßen Patienten jedoch oft auf die Unsicherheit, die sie von sich selbst schon kennen. „Viele Ärzte haben es nicht gelernt, nach dem Sexualleben zu fragen“, erklärt Diplompsychologe Bernhard Kulzer vom Diabetes- Zentrum Bad Mergentheim. An der Spezialklinik haben Kulzer und Kollegen ein Schulungs- und Beratungsprogramm entwickelt, das Medizinern
helfen soll, das heikle Thema anzuschneiden. „Je selbstverständlicher der Arzt fragt“, so Kulzer, „desto selbstverständlicher bekommt er eine
Antwort.“ Die Belohnung für den Mut folgt prompt. Gespräche kosten zwar Zeit, und die ist heute knapper denn je, „aber das Vertrauen zwischen Arzt und Patient wird so enorm gestärkt“, sagt Privatdozent Dr. Hofer, niedergelassener
Urologe.
Lernen, Nähe neu zu spüren
Sicher ist: Wenn es um die (Un)lust geht, spielen organische und psychische Ursachen immer zusammen. Auch eine Scheidung oder der Tod eines Partners müssen erst verarbeitet werden. „In der Sexualität sind wir Menschen sehr irritierbar“, erklärt pro familia-Mitarbeiter Bolz. In der Sexualberatung lernen Paare, Leistungsdruck abzubauen, über ihre Beziehung zu reden und Nähe neu zu spüren. Eine Frage stellt der erfahrene Therapeut Bolz immer: „Wann haben Sie Ihren Partner eigentlich das letzte Mal gefragt: ,Wie geht es dir mit mir?‘“
Recherchiert für Faktor Mensch-rtbf-EU- Brüssel
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