Das erste Exemplar: Es ist Weihnachtszeit und der Tag der Tage ist gekommen, an dem wir uns endlich darum kümmern müssen was, wer, zu welchem Preis wohl geschenkt bekommen sollte.
Also auf in das Mekka der Konsumwelt: die Innenstadt!
Während wir uns bei Kartstadt auf engstem Raum inmitten von tausenden Leidensgenossen ziellos dem Strom anpassen und ich so vor mich hinplappere über Sinn und Unsinn bestimmter Gaben, fallen mir plötzlich die vielen grinsenden Gesichter auf, die allesamt in meine Richtung starren. Hab ich was verpasst? Gibt´s hier umsonst Glühwein satt? ……..OH mein Gott: ich muss was im Gesicht haben!!!
Nein, das war es nicht! Vielmehr hatte sich mein "Freund" im Vorbeigehen vom Schmuckstand einen Haarreif gegriffen und aufgesetzt. Einen mit zwei langen Spiralfedern dran, an dessen Enden zwei überdimensionale Sterne im Takt zu seinem stumpfsinnig hin und her wiegendem Kopf wippten. Seine heraushängende Zunge und die schielenden Augen starrten grotesk in die Menge. Und wer hatte ihn an der Hand? ICH!

Anderer Mann, andere Szene……Ein Essen zu zweit beim Jugoslawen. “Süße, nimm mal mein Portemonnaie, ich weiß nicht, wohin damit.” Klar, wieso nicht, ich hab ja ne Handtasche. Das Gericht (Empfehlung von “Schatzi”) : eine Platte für zwei Personen, die, wie sich herausstellt selbst eine ausgehungerte Meute von Kriegsheimkehrern satt machen würde. Eine halbe Stunde später haben wir den Salat: nicht mal die Hälfte ist davon in unseren Mägen verschwunden sondern prangt nach wie vor appetitlich auf der Platte in der Mitte des Tisches. Ein Küsschen für Schatzi und ich verschwinde kurz für kleine Tiger. Kaum wieder zurück geht es ans Bezahlen. Ach ja, ICH habe das Portemonnaie! Ein Griff in den dunklen Schlund meiner Tasche, suchende Finger darin aber letztlich ein beherzter Griff und schon strecke ich mit der rechten Hand dem vor uns stehen Kellner ein klebriges Stück Schnitzelfleisch mit den fröhlichen Worten: “Ach, da ist es ja!” entgegen. Die Rechnung: 42,80 DM. Mein Gesicht: Unbezahlbar!

Anderer Mann, andere….ihr wisst schon………..Discothek, Samstags abends im Winter. Gott, ist der Typ süß!! Und er klebt schon seit Stunden an meiner Seite, äußerst beeindruckende Sprüche klopfend (soweit man sich als 18jährige beeindrucken lässt), bis hin zu der Finalfrage: “Darf ich Dich nach Hause fahren?”
Hurra, Taxigeld gespart und noch ein paar Minuten mit diesem Musterexemplar ganz allein. Er darf! Sicher wird er verstehen, dass das keine Einladung für “Extras” ist.
Allerdings scheint ihm die frische Winterluft nicht so recht zu bekommen.
Gleich vor der Tür der Disco läuft er schwungvoll gegen einen Laternenpfahl, der mit einem lauten “ploong” vibrierend dem Angriff standhält. Ganz anders als mein Held, der sich rücklings im Schnee wälzt. Man mag es kaum glauben, aber todesmutig wiederholt er das Schauspiel an zwei weiteren Laternen bis ich mich genötigt fühle zu fragen: “Sag mal, darfst du überhaupt noch fahren??” Türlich!!! dröhnt es mir vom Asphalt entgegen und er deutet dabei auf sein……Fahrrad!


Ich könnte stundenlang weiter erzählen. Demnächst vielleicht ;-))