Erinnern wir uns nur an das Problem kalte Füße. Fast jede Frau hat kalte Füße. Das wissen die Männer. Alle. Doch was tun sie? Ich will meine weichen eiskalten Füsse nur ein klitzekleines bisschen zwischen seinen warmen Schenkeln aufwärmen, da spüre ich, wie er zurückzuckt, sich diskret entfernen will. Also ziehe ich nach, schliesslich haben Männer ja grundsätzlich warme Schenkel und Bäuche. Nur mit sanfter, nachdrücklicher Gewalt gelingt es mir sie halbwegs aufzuwärmen. Aber was für ein Gezappel und Gemurre.
Oder, ich schlafe gerne im Arme eines Mannes, festgekuschelt, Bein über ihn, Arm um ihn. Am Anfang – ja da schlafen wir einträchtig ein. Meine zarte Frage: „Schläft dir der Arm nicht ein, ist mein Kopf nicht zu schwer?“ wird tapfer und liebevoll mit einem „Aber nein Liebste, es ist genau richtig so...“ beantwortet. Nun, ist es scheinbar keineswegs so, denn kaum bin ich im ersten Tiefschlaf, schon zieht er unsanft seinen Arm zurück und dreht sich auf die andere Seite. Mein Bein hängt schlaff irgendwo, mein Arm ebenso, mein Kopf liegt verwinkelt nirgendwo.
Und dann die Geräusche. Ganz plötzlich beginnt er zu schnarchen. Genau in mein Ohr hinein. Ich lächle. „Du schnarchst“, flüstere ich zärtlich. „Nie, nie schnarche ich“, brummelt er zurück, natürlich macht er sich nicht die Mühe den Schlaf zu unterbrechen, geschweige denn die Augen zu öffnen. Also, was bleibt mir übrig, als die halbe Nacht damit zu verbringen, ihn anzustoßen, zu schütteln, ihm die Nase zuzuhalten – nicht mehr lächelnd, nicht mehr flüsternd und schon gar nicht mehr zärtlich. Und genau dann, wenn ich endlich erschöpft in einen leichten Schlaf falle werde ich grob angestoßen: „Du schnarchst...“
Oder die Bettdecke. Plötzlich, unerwartet reißt mich eisige Kälte aus dem Schlaf. Die Decke ist weg. Wo? Natürlich hat er sich darin eingekuschelt, egoistisch, knallhart. Ich zerre verhalten, trete weniger verhalten und am Ende bleibt mir nichts übrig, als vor Kälte bibbernd mit brutalem Griff die Decke wieder zu mir herüber zu ziehen. Natürlich wird er nicht wach, Es reicht ja, wenn ich es bin.
Und dann, Männer, diese Feiglinge, große Worte aber kleine Taten: Ich höre ein Geräusch, schrecke auf. Da ist jemand in der Wohnung. An seine Gene, die doch den Schutz der Sippe noch immer in sich tragen sollten appellierend, rüttle ich ihn sanft, flüstere: „Da ist jemand, beschütze mich“. „Hier ist niemand“, nuschelt es zurück. Doch. Nach langer Überzeugungszeit, die jeden Einbrecher mit Sicherheit schon von alleine in die Flucht getrieben hätte, rappelt er sich auf, greift sich einen lächerlichen kleinen Holzkleiderbügel und tapst aus dem Schlafzimmer. Ich lausche, höre nichts und schlafe wieder ein. Natürlich macht er mich wach wenn er zurückkommt und mir ins Ohr trötet: „Da war niemand“. Hätte er sich nicht schweigend und leise wieder hinlegen können?
Und am Morgen. Ich treffe nie auf einen gleichgesinnten Morgenmuffel. Nein, alles morgendliche Frohnaturen die federn im Bett sitzen und mich versuchen zu überzeugen, dass doch ein frischer Kaffee ein schöner Tagesbeginn wäre. Den soll natürlich ich kochen. Und noch schlimmer, vielleicht wäre mir ja um 6 h morgens nach Sex? Nein, nein, mir ist am frühen Morgen nicht danach und überhaupt ist mir um diese Zeit nach gar nichts. Ich will meine lange Aufwachphase ungestört, halb noch im Traum haben. Will nicht über die Weltpolitik, über Männer und Frauen, über Sex oder sonst was diskutieren. Ich will schweigen. Einfach nur schweigen. Schliesslich habe ich ja kaum geschlafen in der Nacht während er laut schnarchend irgendwelche Wölfe vertrieben hat.
Im Sommer jedoch genieße ich es, das Bett mit einem Mann zu teilen, denn da stürzen sich die Mücken nur auf ihn alleine. Sie übersehen mich, ignorieren mein Dasein. Meine Theorie: Mücken sind weiblich. Und glücklich flüstere ich: „Ja Ladies, nehmt ihn euch... „ Sie versuchen ihr Bestes, immer wieder mit Gejauchze und ach, es könnte so schön sein, ich könnte so ruhig und zufrieden schlafen, wenn dieses hysterische Geschrei und Gefuchtel nicht wäre. Licht an, Licht aus. Anklagendes Armgefuchtel in Richtung der harmlosen kleinen Punkte die von erbittertem Jagdinstinkt erfüllt tötet. Wie viele Nächte ich halbverschlafen aber höchst amüsiert damit zugebracht habe, einen strubbeligen Mann in Unterhose mit einer zusammengerollten Zeitung auf Mückenjagd zu beobachten....
Ja, Männer sind was Schreckliches im Bett. Ich würde ja ohne zu zögern auf sie verzichten doch andererseits, wer wärmt mir dann die Füsse und wer lenkt die Mücken von mir ab? Ich weiss, alles faule Ausreden darum gebe ich zu: Männer sind was Schreckliches im Bett aber es ist schrecklich schön in ihren Armen einzuschlafen.
