Jeden Tag habe ich im Schnitt 20 Spam-Mails* auf meiner privaten E-Mail-Adresse. Die machen viel Arbeit, weil ich aufpassen muss, dass ich nicht versehentlich wichtige E-Mails nebenher lösche.
Die Aufforderung zum Selbstmord aus der Titelzeile fand ich besonders lustig. Wenn ich ausprobiere, ob ich wirklich nur einmal lebe, kann es schließlich schon zu spät sein.
Meistens kann ich aber gar nicht lachen. Da werden mir (und Frauen auch???) tonnenweise VIAAAGRAAA angeboten. Wenn ich die alle schlucken würde, schwebte mein Schreibtisch 20 cm über dem Boden, wenn ich mir die Avatars mancher Frauen bei Platinnetz ansehe.
Weshalb Viagra so doof geschrieben wird? Weil einige Anti-Spam-Programme oft verwendete Spam-Wörter bereits einprogrammiert haben und zum Löschen vorschlagen. Sobald aber jemand ein Wort nur geringfügig anders schreibt, erkennt das Programm den Übeltäter nicht mehr.
Beispiele werde ich hier nicht nennen. Weiß ich denn, ob Platinnetz nicht auch ein Anti-Spam-Programm verwendet? Und ob ein Moderator, der es mit seiner Aufgabe genau nimmt, diesen Artikel liest, weiß ich erst recht nicht.
Wenn ich jede Penis-Verlängerung mitgemacht hätte, könnte ich ihn etwa 20 mal um den Bauch wickeln, und zur Toilette bräuchte ich auch nicht mehr. Von meinem Schreibtisch aus würde es problemlos klappen.
Dieses Jahr hatte Platinnetz seine Relaunch, und letztes Jahr angeblich die Sparkasse mit ihrem Programm für Online-Banking. Ich sollte etwa 50 mal am Tag einen bestimmten Link anklicken, eine TAN und eine PIN eingeben, und schon hätte ich das neue Programm downloaden können.
Ich hab’s nicht getan, weil man so idiotisch gar nicht sein kann, auf sowas rein zu fallen.
Moment: einen Trojaner habe ich mir eingefangen. Das war sozusagen eine Geschlechtskrankheit. „Desiree treibt’s mit Jedem“, hieß der Link. Ich wollte sehen wie es Desi treibt, und schon hatte ich eine Exe** (keine Echse; ein Krokodil wäre ja noch harmlos gewesen) auf dem Computer, und als ich die aktivierte, weil Desi ja jederzeit ihre Spielchen beenden konnte, wohnte in den Mauern meines Computers ein trojanisches Pferd.
Es entstiegen keine Griechen, aber dafür machte mich mein Antivirenprogramm verrückt. Das schickte das Pferdchen zur Hölle, wo es beim Brennen hoffentlich für Wärme gesorgt hat.
Jeden Tag schicken mir irgendwelche Ami-Firmen, wohl noch aus der Zeit von Präsident Bush, Weihnachtsangebote. Auch zu Ostern, weil die Amerikaner einfach nicht wissen, was Weihnachten bedeutet. Vielleicht denken die, es handele sich um ein deutsches Fruchtbarkeits-Ritual oder um den „Tag des Idioten“, der alles kauft, was ihm im Internet angeboten wird.
Wisst ihr, was Replika-Uhren sind?
Das sind täuschend echt aussehende Rolex-Uhren oder Nachahmungen anderer Fabrikate. So eine habe ich mir mal gekauft, aber seit ich meinen linken Arm mit der Rolex dran lässig aus dem Cabrio hängen ließ und so dicht an den Kleinwagen eines Sahnetörtchen heran fuhr, dass meine Uhr zerquetschte, weiß ich, dass es eine ganz billige Kopie war.
Nicht die Frau, sondern die Uhr.
Ganz besonders gefährlich sind billige Medikamente, über diese Schiene gekauft. Ich meine nicht Viagra, sondern eher nachgemachte, rezeptpflichtige Markenpräparate, die oft keinerlei Wirkung zeigen. Wer die kauft, ist womöglich zwei bis drei Dinge los: sein Geld, seine Gesundheit und sein Vertrauen.
Ich warte auf den Tag, wo mir eine falsche Frau eine Spam-Mail auf die private E-Mail-Adresse schreibt. Weil sie die aus irgendwelchen dunklen Kanälen hat, die ich nicht kenne. Womöglich erzählt sie mir, sie habe mich gesehen und sei ganz verliebt in mich, wofür ich volles Verständnis hätte. Und wenn ich ihr 100 Euro hinterlegte, in einem Astloch der Buche hinter meinem Haus, würde sie mir leihweise zur Verfügung stehen.
Diese bösen Spammer nutzen jede Verlegenheit eines harmlosen Menschen schamlos aus.
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© Jürgen Berndt-Lüders
*Als Spam werden unerwünschte, in der Regel auf elektronischem Weg übertragene Nachrichten bezeichnet, die dem Empfänger unverlangt zugestellt werden und häufig werbenden Inhalt haben. Dieser Vorgang wird Spamming oder Spammen genannt, der Verursacher Spammer.
**Exe-Dateien sind ausführbare Programm-Dateien
