Manchmal ist die Welt klein.

Damals gab es noch keinen ICE.
Liebe Bekannte hatten mich zu einem Sylvesterball nach Oberösterreich eingeladen. Ich wollte absagen, denn wer fährt schon zu Sylvester fort und lässt die Familie zurück.

Ich wusste, dass einige frühere Klassenkameradinnen, die durch Heirat nach auswärts verzogen waren, zu diesem Fest kommen würden und mein Mann wusste, dass mich ab und zu das Heimweh nach dort plagte.
Er sagte zu mir, dieser Tag ist wie jeder andere und wenn du möchtest, fahre hin aber du musst unseren Jüngsten mitnehmen.

Es war für mich ein schwerer Entschluss, denn ich wusste, dass ich dort meinem Jugendfreund begegnen würde.

Schließlich fuhren wir doch. Zuerst mit dem Bummelzug, 2x umsteigen und dann ab Kassel mit dem Eilzug. Der Zug war total überfüllt.

Viele Reisende wollten nach Hause. Die Menschen waren so freundlich und sorgten dafür, dass ich mit dem Kleinen einen Sitzplatz bekam. Es war eng in dem Abteil aber alle waren in heiterer und gehobener Stimmung.

Wir beiden saßen zwischen lauter jungen fröhlichen Studenten.
Wir sprachen über Gott und die Welt und freuten uns auf Sylvester. Die Zeit verging im Fluge.

Einige Passagiere mussten früher an ihren Heimatbahnhöfen aussteigen und wurden mit vielen herzlichen Wünschen für das Neue Jahr verabschiedet.

Zwei Mitfahrerinnen wollten ebenfalls weiter nach Oberösterreich.
Die eine, eine lustige Quasselstrippe, wollte in`s Salzkammergut zum Skifahren und wurde, als wir in die Nähe der Grenze kamen immer stiller.

Sie hatte ihre komplette Ausrüstung dabei. Ich fragte sie, warum sie auf einmal so bedrückt wäre und sie sagte ganz zaghaft, mein Pass liegt in Hannover auf dem Küchentisch. Ich habe ihn vergessen.

Der Zugschaffner nahm es von der heiteren Seite. Er piekste sie zwar etwas und sagte, so einfach kann ich sie nicht weiter fahren lassen, denn es könnte ja sein, dass sie ihrem Mann ausgebüxt sind. Aber als er sah, dass sie immer kleiner wurde, gab er ihr den Rat, sich an der Grenze, der Zug hatte dort einige Minuten Aufenthalt, eine zeitbegrenzte Einreise - Erlaubnis zu holen. Sie müsse aber ihre Personalien, den Heimatort und den Zielort angeben und den eingetragenen Abreisetermin einhalten.

Nun das war noch einmal gutgegangen.
Wir anderen hatten alle mit gezittert. Die Stimmung wurde wieder gelöst und heiter. Der Zug passierte bei Passau die Grenze und in Schärding hatten mein Sohn und ich unser Ziel fast erreicht.

Von Schärding wurden wir von einem ehemaligen Klassenkameraden von mir abgeholt und hatten noch ca.1 Stunde mit dem Auto bis zu unserem Zielort.

Die junge Frau neben mir, fuhr einige Stationen weiter und während ich schon unseren Koffer und Tasche zurecht stellte, erzählte sie mir strahlend, dass sie zu ihrem Verlobten nach Linz führe. Sie war Studentin in Hannover und wollte die Semesterferien und die Feiertage mit ihm verbringen.

Sie fragte mich, wohin ich führe und ich nannte ihr den Ort.
Ich dachte, von dem Dorf, jetzt stolzer Markt, hat sie sicher noch nie etwas gehört.
Ich hatte mich geirrt. Sie fragte, ob ich F.B kennen würde.
Er war meine Jugendliebe und der Cousin von ihrem Verlobten.

Ja, die Welt ist manchmal klein.
Saskia777