Das erste, was mir an Marielle auffiel, war, dass man sie fast nicht bemerkte. Ich war damals schon ein erwachsener Mann, das erste Mal verheiratet, und Marielle brachte mir morgens die Zeitung.
Es muss im Juli oder August gewesen sein. Ich hatte nicht schlafen können und nutzte die frühe Helligkeit und die Kühle des Morgens um meine Blumen zu wässern.
"Sie sind der Letzte", sagte Marielle.
Ich hatte ihr kurz einen Gruß hinüber geschickt und nicht damit gerechnet, solch provokante Töne zu hören.
Marielle lachte. "Ich meine, dass Sie auf meiner Tour der letzte sind, der die Zeitung bekommt."
Ich nickte. "Aha, und was machen Sie danach?"
"Ich habe etwa eine Stunde Leerlauf, und dann muss ich mich für die Schule fertig machen. Und Sie? Ich habe Sie hier so früh noch nie gesehen."
Wir nutzten die Stunde, die sie hatte, und wir unterhielten uns über ihr Leben.
Sie war damals dreizehn und damit in einem Alter, wo ein junger Mensch die Anerkennung der sozialen Gruppe braucht, zu der er sich zugehörig fühlt. Aber Marielle war klein und besaß eine gehörige Portion Babyspeck, und dann die Pickel, die sie trotz aller Cremes und Tinkturen nicht los wurde.
Meine Ratschläge interessierten sie nicht die Bohne.
Ich weiß nur noch, dass sie sich wortlos entfernte, und ich verschob ihre Schilderungen weit in die hintersten Zellen meines Erinnerungsvermögens.
Jahrelang nahm ich sie kaum wahr. Bis ich dann eines Tages auf einen hupenden Autokonvoi aufmerksam wurde, der mich daran hinderte, wunschgemäß zeitig zu Hause zu sein.
Eine Hochzeit, fiel mir spontan dazu ein und ich runzelte die Stirn. Wer heiratete denn heutzutage noch? Ich war grad frisch geschieden, weil meine Frau einen anderen Mann hatte, und deshalb waren mir Hochzeiten mehr als suspekt.
Der Konvoi bildete vor der Kirche einen Stau und ich kam nicht weiter. Ich stieg aus und schimpfte. "Könnt ihr nicht die Straße frei machen?" rief ich wütend.
Die weibliche Gestalt im Hochzeitskleid reagierte als einzige mit Worten. Ein paar Leute hatten mir einen Vogel gezeigt, aber sie schimpfte richtig los. Aber schon nach "...bei Deiner Beerdigung nehmen wir auch Rücksicht", stockte sie, weil sie mich erkannt hatte. "Ach, der Herr Klugscheißer, na dann..." rief sie und winkte ab. Sie schnappte sich den Bräutigam, einen Mann, der zwanzig Zentimeter größer war als sie und zerrte ihn in die Kirche.
Wieder vergaß ich Marielle für ein paar Jahre. Ich war inzwischen wieder verheiratet und hatte plötzlich nichts mehr gegen die Ehe, das heißt, ich war erneut ins Zweifeln gekommen, da traf ich die beiden wieder.
"Mist", sagte ich gerade zu einer Bardame, als sie mir den vierten Whisky einschenkte. "Meine Frau versteht mich nicht." Da bemerkte ich am Tisch in der hintersten Ecke ein heftig gestikulierendes Pärchen.
"Keine Frau versteht ihren Mann", bestätigte die Bardame laut. "Ich habe ja keinen Mann mehr, aber ich bin sicher, dass auch er mich nicht verstehen würde, wenn ich einen hätte."
Der weibliche Teil des Pärchens am bewussten Ecktisch klopfte auf Holz. "Das ist wahr", rief sie. "Männer und Frauen passen nicht zusammen."
Ich drehte mich in Sichtweite. "Stimmt", rief ich etwas angetrunken. "Frauen und Männer sollten das ganze Jahr über getrennt umherstreifen und sich nur zur Paarungszeit zusammen finden."
"Ach, der Herr Klugscheißer", rief die Frau. "Menschen haben das ganze Jahr über Paarungszeit."
Klugscheißer? Wer sagte Klugscheißer zu mir?
"Bist du die Zeitungstante, die wegen meiner Beerdigung im Stau stehen wollte?" fragte ich.
Die Frau lachte. "Komm rüber", rief sie.
"Musst Du eigentlich pausenlos Männer anmachen?" fragte ihr Ehemann sauer.
"Willst Du nicht Urlaubsvertretung für mich machen?" fragte die Bardame hoffnungsvoll. "Kontaktarm bist Du jedenfalls nicht."
Ich saß bei den beiden am Tisch. "Klugscheißer", stellte ich mich vor und deutete eine Verbeugung an. Ich hatte keine Lust auf irgendwelche Verbrüderungen unter Alkoholeinfluss.
"Marielle", sagte die Frau und strahlte.
"Und Du?" fragte ich den Mann.
"Dummkopf", sagte er nach kurzem Zögern.
Meinte er mich mit Dummkopf?
"Du hast Dich als Klugscheißer vorgestellt und ich stelle mich als Dummkopf vor. Das passt doch."
Also ist er ein frustrierter Ehemann, dachte ich. Noch einer, denn auch ich war frustriert, sonst hätte ich nicht dort gesessen, die hohen Tarife einer Großstadtbar bezahlt und auf ein Gespräch mit der Bardame gehofft.
"Komm, lass uns gehen", kommandierte Marielles Ehemann und stand abrupt auf. "War eine Schnapsidee, hier her zu kommen."
Marielle folgte gehorsam, aber sie lachte. "Wohnst Du eigentlich noch, wo Du vor zwanzig Jahren gewohnt hast?" fragte sie mich.
"Aber sicher", sagte ich. "Wenn Du Dich mal aussprechen willst, bist Du immer herzlich willkommen."
"Zum Aussprechen kommt die bestimmt nicht", rief Marielles Mann, als er Marielle die Tür aufhielt und sie fast hinaus schubste. "Die hat neuerdings andere Ambitionen."
Wenn ich mir das Mädchen ins Gedächtnis zurück rief, das ich vor zwanzig Jahren gesehen hatte, mit der Braut vor zehn Jahren und ihrem heutigen Erscheinungsbild verglich, musste ich zugeben, dass sie sich zu ihrem Vorteil entwickelt hatte. Trotz allem. Zwar war sie seit damals kaum noch gewachsen, aber sie war schlank, gut geformt und vorteilhaft frisiert, gekleidet und geschminkt.
Noch einmal Jahre später, Marielle musste jetzt vierzig sein, stand sie plötzlich vor meiner Tür. Ich war inzwischen wieder solo und hatte nicht vor, vorläufig irgendeine Beziehung einzugehen, auch wenn ich meine Tage nicht ganz ohne weiblichen Begleitschutz verbrachte.
Da stand Marielle nun. Ich erkannte sie kaum. "Ach", rief ich erleichtert, als der Groschen gefallen war. "Komm herein. Herzlich willkommen. Wie geht es? Was macht Dein Mann?"
"Nicht, dass Du jetzt die falschen Schlüsse ziehst, Klugscheißer", begann sie. "Ich will nichts von Dir. Das heißt, ich will doch was von Dir, aber nicht das, was Du vermutest."
"Was vermute ich denn?" fragte ich. "Ich vermute erst einmal gar nichts", log ich. "Jedenfalls nichts von dem, was Du erwartest."
Die wirklich höchst ansehnlich gewordene Marielle wurde unsicher. Sie zupfte an ihrem Rock herum. "Ich brauche Dich als männlichen Mülleimer, Klugscheißer", erklärte sie. "Als seelischen. Klapp bitte Deinen Deckel auf."
"Danke, aber warum brauchst Du den Mann in mir, wenn Du Dich ausheulen willst?"
"Weil ich meinen Mann verlassen will und wissen möchte, wie er reagieren wird."
"Ich mag ein Klugscheißer sein, aber ein Hellseher bin ich nicht."
Marielle sah zur Seite. Die Tränen in ihren Augen reflektierten das Licht der Lampe. Sie schien verzweifelt.
"Nun erzähl schon", schlug ich vor. "Ich nutze es auch nicht aus, wenn Du Dich mir gegenüber öffnest."
Marielle blinzelte mich an. "Du bist ein raffinierter Kerl. Du weißt ganz genau, was in mir vorgeht. Du überlegst Dir ganz genau, welche Vorteile Du daraus ziehen könntest. Ich wünschte, Du könntest mir wirklich echt helfen. Aber wenn einer helfen kann, dann Du."
"Ich gebe mir alle Mühe." Langsam wurde ich gespannt.
Marielle startete eine langatmige Lebensbeichte.
"Ich war heilfroh, dass endlich jemand mit mir schlief. Alle meine Freundinnen..."
Oh, dachte ich, als sie erzählte, seit wann ihre Freundinnen nicht mehr Jungfrauen gewesen waren.
"Du hast ihn also wegen Sex geheiratet?" fragte ich nach. Aus reiner Neugier und nicht etwa, weil das eine Rolle bei der von mir angestrebten Erkenntnis spielte, wie ich ihr würde helfen können.
"Nein, das mit dem Sex kam von beiden. Mario hatte keinen Bock mehr, immer wieder Flauten in seinem Liebesleben zu haben. Er meinte, ich wäre ihm gerade recht gekommen, damals. Mit mir hätte er nicht viel Arbeit gehabt."
"Übel und uncharmant, aber ehrlich", stellte ich fest. "Aber Du warst schließlich auch nicht gerade bis über beide Ohren in ihn verliebt. Am besten, Du sagst mir einfach mal ohne lange Vorrede, was Dein Problem ist."
Marielle holte tief Luft. "OK", sagte sie. "Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich bin fremd gegangen und Mario hat mich erwischt. Er hat mich rausgeworfen. Mein Koffer steht an Deinem Gartenzaun. Ich brauche eine Bleibe."
"Du hast doch einen Freund. Der, mit dem Du fremd gegangen bist", sagte ich. "Kannst Du bei dem nicht unterkommen?"
"Der ist verheiratet." Marielle brach plötzlich in Tränen aus. Weinende Frauen machen mich grundsätzlich verlegen.
"Ein paar Fragen musst Du mir schon noch beantworten", lenkte ich ein. "Warum bist Du fremd gegangen? Wie stellst Du Dir Deine weitere Zukunft vor?" Nur nicht von den Tränen beeindrucken lassen, hämmerte ich mir in den Kopf.
"Meine Zukunft kann ich mir nicht vorstellen, weil ich keinerlei Perspektiven habe. Mir bleibt letztlich nur das Sozialamt, bis das Gericht bei einer Scheidung über den Unterhalt entschieden hat, den mir Mario zahlen muss."
Ich begriff. "Und warum bist Du nun fremd gegangen?", fragte ich ultimativ. "Wenn Du mir eine plausible Antwort gibst, kannst Du ein paar Tage hier bleiben. Hast Du keine vernünftige Erklärung, schmeiße ich Dich morgen früh vor die Tür."
Marielle atmete auf. Sie räkelte sich zurecht und begann zu erzählen, während ich eine Flasche Wein auf den Tisch stellte und entkorkte.
"Weißt Du, Mario hat eine sehr konservative Einstellung zur Ehe. Das Fundament für seine Einstellung ist die Aussage: Wer zahlt, hat Recht. Er arbeitet quasi rund um die Uhr und ich bereite ihm die Basis dafür, dass er das überhaupt durchhält. Alles richtet sich nach Mario. Er hat zu allem das letzte Wort, er teilt mir das Geld zu und er bestimmt, wann und wie wir miteinander schlafen. Ich kann erzählen, was ich will, wenn er keine Lust hat, darauf einzugehen, reagiert er nicht. Aber das allerschlimmste ist, dass er mir keine Anerkennung gibt."
"Wie meinst Du das mit Anerkennung?"
"Mario hat einmal zu mir gesagt, dass ich genau die Richtige für ihn bin. Er hat mich geheiratet, weil er glaubte, mit mir niemals Probleme zu haben. Ich war damals unscheinbar und unauffällig und bin es vielleicht heute noch."
Sie lächelte und wartete.
"Nein Marielle, ich empfinde Dich überhaupt nicht als graue Maus", bestätigte ich.
"Danke", flüsterte Marielle glücklich und fuhr fort. "Er hat sich also für mich entschieden, weil er genau so eine wie mich brauchte. Aber ich wollte späterhin natürlich kein Anhängsel von Mario mehr sein. Ich gierte nach Anerkennung"
"Du gierst heute noch nach Anerkennung, Marielle", fügte ich vorsichtig hinzu.
"Ist mir klar", bestätigte sie rasch. "Jedenfalls riet mir eine Freundin, den Typen mal so richtig eifersüchtig zu machen. Ich ließ mir von Mario unter einem Vorwand eine größere Summe Geld geben und ging zur besten Kosmetikerin, die ich finden konnte. Die machten aus mir, was eben noch möglich war." Wieder sah sie mich prüfend an.
"Das waren die absoluten Fachleute, Marielle", sagte ich.
Marielle strahlte. "Jedenfalls habe ich sofort meine Wirkung an Mario ausprobiert. Das war kurz vor dem Zeitpunkt, an dem wir uns in der Bar getroffen haben."
"Ich habe Dich kaum erkannt, Marielle", bestätigte ich, was ja auch stimmte, denn ich hatte sie ja nach all den Jahren nicht mehr in Erinnerung gehabt.
Marielle verstand dies als Kompliment. Ihre Laune besserte sich zusehends. "Ich war also auf Marios Reaktion gespannt, aber alles, was er von sich gab, war, dass ich mich nicht so aufdonnern solle. Was ich damit wohl bezweckte. Ob ich die Kerle anmachen wolle. Ob er mir nicht mehr genüge. Ob ich mich nicht damit abfinden könne alt zu werden und so weiter. Ich schnappte meine Sachen und ging zu der Freundin, die mir zu der Beautyfarm geraten hatte."
"Und dann hat er Dich wieder geholt?"
"Ja, er hat mich ins Theater eingeladen, dann waren wir essen, und weil ich mit ihm noch nicht fertig war und ihn pausenlos zutextete, hat er mich in diese Bar geschleppt, in der ich Dich dann getroffen habe."
"Aha", ich nickte. Jetzt begriff ich die Zusammenhänge.
"Ok", sagte ich, weil ich müde war. "Du kannst erst einmal bleiben, aber dann gucken wir nach einer anderen Möglichkeit", schlug ich vor.
"Ich dachte, Du wolltest hören, was ich dann gemacht habe", rief Marielle enttäuscht. "Das war nämlich ziemlich clever."
"Das kannst Du mir morgen erzählen", rief ich. "Jetzt gehen wir schlafen."
Marielle holte tief Luft. "Du hast doch sicherlich noch Dein Ehebett. Auf der Couch hier kriege ich kein Auge zu."
"Meinst Du ich?", fragte ich. "Ich bin auch mein Bett gewöhnt, und Du bist schließlich Gast."
"Ich schlage vor, wir spielen Mann und Frau." Sie lachte neckisch und klang wie ein Teenager. "Du schläfst dort, wo der Wecker steht, und ich, wo bei Dir immer die Frauen schlafen."
"Gut", beschloss ich. "Wir spielen ein Ehepaar, aber ein ganz altes." Ich gähnte. Ich legte mich angezogen auf meine Seite des Bettes und hörte halb belustigt und halb mitleidig zu, wie Marielle ihren Koffer von draußen herein holte und die Haustür scheppernd hinter sich zuschlug. Dann war ich auch schon eingeschlafen.
Am nächsten Morgen klingelten der Wecker und die Haustür fast gleichzeitig. Da ich angezogen war, brauchte ich nur aus dem Bett zu springen und war schon an der Tür.
Natürlich stand Mario davor, und eben, als ich Mario mit gutem Gewissen herein bitten wollte, sah ich einen Schatten am Gartenzaun, der kaum, dass er die Situation geblickt hatte, auch schon wieder verschwunden war.
Marielles Freund natürlich, dachte ich.
Mario blieb absolut cool. Er sah an mir hinauf und hinunter und schien zu begreifen, dass sich zwischen mir und seiner Frau nicht das Geringste abgespielt hatte. Schließlich war ich angezogen und blitzschnell an der Tür gewesen.
"Entschuldige bitte", sagte er, und er entschuldigte sich nicht nur für sein Erscheinen, sondern auch noch dafür, dass er mich mit Du anredete. "Ist meine Frau bei Dir?"
Ich nickte. "Aber du hast sie hinaus geworfen. Damit hast Du freiwillig darauf verzichtet, auf ihren Aufenthalt Einfluss zu nehmen."
"Unsinn", knurrte er und schob mich beiseite.
"Warum Unsinn?", fragte ich ruhig.
Er ging nicht auf meine Frage ein. Er sah Marielle angezogen auf der weiblichen Seite meines Ehebettes sitzen und sich verlegen am Kopf kratzen. "Komm mit, es ist alles in Ordnung. Ich habe mit ihm geredet. Er verzichtet auf Dich. Wir können es ja erst mal mit Kondom machen, bis ich ganz sicher bin, dass Du Dir nichts eingefangen hast."
Marielle schwieg eingeschüchtert, aber mir war das zuviel. "Weißt Du", sagte ich zögerlich. "Was Du hier abziehst, verstößt ja fast gegen die Menschenrechte. Deine Frau ist keine Ware."
"Aber Marielle, ich liebe Dich doch", würgte er hervor. "Ich liebe Dich wirklich, glaube mir. Ich bitte Dich, komm wieder nach Hause. Ich werde alles ändern. Wenn ich dir nicht genüge, nimm Dir einen Freund. Selbst das würde ich auf mich nehmen, wenn Du nur wieder zurück kommst." Er ging langsam auf sie zu und streckte ihr die Arme entgegen.
Marielle schien verunsichert.
"Marielle", flüsterte ich. "Wenn Du mit ihm gehen willst, dann geh, aber bitte sprich mich nie wieder auf Deine Probleme an."
Ihrem Temperament entsprechend hüpfte sie aus meinem Bett und sprang herum wie Rumpelstilzchen. "Dann sag mir doch mal bitte einer, was ich tun soll. Ich bin nichts, ich kann nichts, ich habe nichts. Mein Mann macht mir ein Angebot, und ich muss überlegen, ob ich es annehmen sollte oder nicht. Gehe ich, behalte ich meinen Stolz und führe ein Leben wie ein streunender Straßenköter. Bleibe ich, putze ich ihm für den Rest des Lebens den Arsch, kann mir aber meine kleinen Freuden erlauben. Gut, ich komme mit Dir, Mario", entschied sie kurz entschlossen.
Ich sah sie erstaunt an.
"Du hast es gehört", rief sie und zeigte auf mich. Marielle schnappte den unausgepackten Koffer und drückte ihn Mario in die Hand. Wenn Du schon die traditionellen Rollen liebst, dann trage Du die schweren Dinge wie es sich für einen Mann gehört, schien das zu bedeuten.
Die beiden gingen ohne Gruß, und ich stand noch minutenlang in der Tür und starrte ihnen nach. Sie waren wirklich weg. Auch ihr Lover schien sich verzogen zu haben.
Wozu habe ich mich so bemüht, fragte ich mich. Weshalb mache ich mich so zum Esel, wenn er nur mit dem Finger zu schnipsen braucht und schon vergisst sie alles, was sie sich vorgenommen hat. Jeder Ansatz von Emanzipation ist flöten.
Ich sah sie nie wieder.
© Jürgen Berndt-Lüders
