Wir saßen gerade im Garten und wollten einen verspäteten Kaffee trinken als meine Freundin Anne kam. „Weißt du schon, dass du heute Abend mit mir in den Swinger-Club gehst? Ich lad dich ein!“

Mir entfleuchte ein ungläubiges „Ach!?“, bevor mir der Unterkiefer herunter klappte.
Mein Mann guckte uns abwechselnd über seinen Brillenrand hinweg an und grinste.
„Wenn du den ganzen Abend so dumm wie jetzt guckst, bekommst du keinen Mann ab!“
Ich konterte „Dumm bumst gut, ich bekomme gleich zwei…oder drei?“
„Schön, dass du so locker damit umgehst“, lobte Anne meinen Mann und zog mich vom Stuhl, weil sie meinte, ich müsse mich doch in etwas anderes als Gartenkleidung werfen.
Immer noch grinsend lehnte sich der Herr des Hauses in den Gartenstuhl zurück und ..den Rest sah ich nicht mehr, musste mich ja umziehen.


Lag es daran, dass ich tatsächlich mal einen Rock trug oder daran, dass mein Gatte alles für einen Scherz gehalten hatte? Er glotzte wie die berühmte Kuh wenn’s blitzt! „Du willst doch nicht etwa wirklich…?“, fragte er verdattert. DOCH! Ich wollte.
„Keine Sorge“, versuchte Anne ihn zu beruhigen ,“Gangbang ist nur montags!“ Sie gab ihm eine Visitenkarte von sich und zeigte auf den oberen Teil, der eine wunderschöne Seenlandschaft im Sonnenlicht zeigte. „Dies hier ganz oben ins Englische übersetzen und googeln!“
Wir verließen einen Mann dessen Gesichtsausdruck eine wüste Mischung von Emotionen und Fragen verriet.

Anne erklärte mir, eine Bekannte hätte dort einen Mann gesehen, der hätte soooo einen Dödel gehabt. „Ach“, feixte ich, „wir fahren nach sea-world! Aber haben die da auch einen Blauwal?“
„Abwarten, Versuch macht kluch“, ulkte Suse und bretterte über die Autobahn.
Unser Navi lag brav daheim, sonst hätte es sich wohlmöglich in der Innenstadt bei der Suche nach besagtem Etablissement ebenso anstrengen müssen wie wir.
Völlig unscheinbar lag es an einer Hauptverkehrsstraße, Parkplätze gab es auch nicht…nicht gleich vor dem Laden, aber wer parkte denn auch vor sooo einem Club? Könnte ja ein Nachbar sehen, was allerdings voraussetzen würde, dass er den Club auch kennt. Wie hatte Opa immer schon kalauert? Da fährste bis Berlin in`n Puff un wen triffse? Dein Chef!
Parken also um die Ecke, Bürgersteig entlang, Stufen hoch, klingeln, Tür aufdrücken, durch den Vorhang und….keine Sau zu sehen!
Äh, das ist jetzt nicht wörtlich ..also ihr wisst schon!

Rechts eine Theke mit Barhockern, dahinter eine pralle Blondine mit hochgeschraubter Oberweite und nettem Lächeln. „Ach, zwei Mädel! Könnt ihr Skat spielen?“ Wir bekamen, für Damen völlig kostenlos, ein Glas Sekt, der gar nicht mal schlecht war und plauderten ein wenig. Mitten in der Woche um diese Uhrzeit…es sei ein wenig früh, aber später..bla bla. Erzählen konnte die ja viel.
Da Alkohol mir immer riesigen Hunger macht, dort aber nur Knabbereien standen, wollten Anne und ich in die Pommesbude gehen, neben der wir unseren Parkplatz gefunden hatten.
Gerade als wir gehen wollten, kamen zwei Männer rein und einer fragte „Nanu? Schon müde?“ Anne säuselte sanft „Ach, wir wollen doch nur unsere Peitschen holen..“ Dann in ganz herrischem, lauten Ton“ ..dann ist Ende mit frechen Fragen!“ Der Typ zuckte zusammen und verdoppelte seine Schrittlänge.
Kichernd wie Schulmädchen aßen wir gemächlich Pommes Schranke mit Gummiadler, tranken Cola und bummelten noch etwas rum. Inzwischen war es dunkel geworden und wir hofften, dass sich derweil mehr Gäste im Club befänden.
Inzwischen kannten wir uns aus und als wir durch den Vorhang traten, fiel mein Blick auf…..Linus van Pelt! MIT Schmusedecke!
Eigentlich glaubte ich den Sektschwips überwunden zu haben, aber das Kichern setzte ein als ich Linus sah, einen Herrn um die 70, der nichts trug als Socken und ein großes Badelaken, was allerdings nicht seinen Körper, sondern nur seinen linken Unterarm verhüllte, über den er es trug.
Von der Bardame hatten wir erfahren, dass es üblich sei, bei sexuellen Betätigungen eines der Hand- oder Badetücher unterzulegen, um Sofas, Matratzen, Tische, Stühle, Böden oder welche Stelle man auch immer wählte, sauber zu halten für die nachfolgenden Paare..oder Rudel? Kann man das so nennen? Jedenfalls schien Linus für alles und jedes allzeit bereit und gewappnet.Die Socken zum nackten Arsch verboten es, zumindest fünf Sternchen für gute Planung zu vergeben.
Im hinteren Bereich links neben der Bar lag eine Dame, die 2 Quadratmillimeter Haut unterhalb ihrer Brüste mit schwarzem Leder verhüllte, auf einer der Bänke und ließ sich gerade von drei Herren verwöhnen. Heiliges Kanonenrohr und ich dachte, mein Ausschnitt sei tief! Der Herr, dessen Kopf zwischen ihren Schenkeln steckte, bewegte sich kein bisschen. Trotzdem juchzte sie laut über die Musik hörbar. „Ist das von dem Porno oder ist sie das?“ fragte Anne und zeigte durch einen schmalen Gang, der in einen Raum führte, an dessen Wand wie im Kino ein Film lief..Kultur natürlich! „Nöö, das ist die Lederlady“, stellte ich fest und wunderte mich über ihren Enthusiasmus. Das war noch nicht der Effekt den die zupfenden Fingerspitzen an ihren Brustwarzen erzielten oder die Freude über das Zepter, dessen Schaft sie gerade auf Hochglanz polierte?! Ich an ihrer Stelle hätte dem unbeweglichen Kerl zwischen meinen Beinen wenigstens mal den Puls gefühlt..wer weiß, wie lange der schon tot war! Vielleicht war das ne naturechte Gummipuppe für Frauen? Mit einem Urschrei der jeden Tantra-(oder wie heißt das?)Lehrer zu Lobeshymnen gebracht hätte, explodierte das Stückchen Leder samt der Trägerin. Allerdings flog nur das Leder, nicht die Dame zu einem der drum herum stehenden Wichser. Nein, kein böser Ausdruck…die standen da in Zweierreihen und hatten teilweise nur eine Hand im geöffneten Reißverschluss und machten eindeutige Bewegungen.
Ich fragte mich ernsthaft, WIE das funktioniert. Es waren meist Jeans..normal eng. Den Drei-Kronen-Griff kenne ich ja noch aber das da?? Also wie klein…aber lassen wir das!
Der Tote hatte inzwischen wieder Puls..nicht nur am Handgelenk, denn gerade schoss sein Lebenssaft der immer noch stöhnenden Lederdame in den weit geöffneten Rachen.
Anne beschloss gerade „Ich hole mein Auto morgen früh, ich brauche jetzt Sekt zur Verdauung“, und steuerte die Theke an. Mein Gott, musste die denn alles, was sie sah, sooo authentisch miterleben?
Mit unseren Sektgläsern bewaffnet schlenderten wir …ja wohin sollten wir denn gehen…ach, gehen wir mal nach hinten ins Kino. Wir drängten uns durch die immer noch gaffende Menge, wobei ich im Augenwinkel sah, dass der Herr mit dem frisch polierten Zepter sich dort auch noch eine Zahngravur bei seiner Herzdame abholte. Wenn man so viel Appetit sah, konnte einem die Geschäftsidee kommen, bestimmte Flüssigkeiten in 1 Liter Tetrapacks zu verkaufen…aber wer baut denn solch ne Melkmaschine?