Sie hat sich das erste Mal persönlich gemeldet, als ich FreeCell gespielt und gewonnen hatte. Da erschien am Ende

 

♥ Herzlichen Glückwunsch ♥

 

Nanu, dachte ich, nur jemand, der ein Herz hat, kann herzlich Glück wünschen. FreeCell hat kein Herz, mein Computer auch nicht, und mit Glück hatte mein heldenhafter Sieg auch nichts zu tun. Es war reines Können gewesen, dass ich dermaßen über die Programmierung gesiegt hatte.

 

Ich vergaß die Sache wieder, bis ich merkte, dass meine Festplatte mit 500 Gbyte nicht ausreichen würde, falls ich mir Musik und Bilder abspeicherte. Weil ich bisher nur mit normalen Daten schon 450 belegt hatte.

 

Ich wählte also im Internet die Seite eines riesigen Anbieters von Computern. Ich sah mir die Modelle an und verglich Preise.

 

"Zu Weihnachten gibt's nen neuen", sagte ich entschlossen.

 

Plötzlich hörte ich ein Schluchzen im Raum. Es kam aus den Lautsprechern.

 

„Was’n los?“, fragte ich verwundert.

 

„Setz dein Haedset auf“, rief eine Frauenstimme. „Das, womit du nachts immer mit den Frauen skypst. Ich habe ständig Angst um meine Tastatur. Feuchtigkeit kann die nicht vertragen.“

 

Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich je beim Skypen auf das Keyboard geweint hatte, aber ich folgte dem Befehl, weil ich es so gewohnt bin, wenn Frauen in dem Tonfall mit mir sprechen.

 

„Du willst mich nicht mehr. Du suchst nach einem Weib mit mindestens 1 ½ Terrorbyte.“

 

„Terrabyte heißt das“, widersprach ich.

 

„Typisch Mann. Lenkst vom eigentlichen Thema ab. Es geht mir darum, dass du mich nicht mehr willst und nicht, ob das Terra oder Terror heißt. Was ist nun?“

 

Ich hatte ein schlechtes Gewissen. „Okay“, sagte ich. „Aber wenn ich Musik downloade, bist du mir zu langsam, und allzuviel Neues kannst du auch nicht verkraften.“  

 

Sie heulte so laut, dass ich leiser stellen musste.

 

„Du Perversling, nun würgst du mich auch noch ab. Hast du mit deiner Ex wohl auch so gemacht. Stell sofort wieder laut, sonst stürz’ ich ab, fahre sofort runter und nie wieder hoch.“

 

Nur um mich zu ärgern wechselte sie ständig die Seite und schluchzte mir mal ins linke und mal ins rechte Ohr.

 

„Ja, was soll ich denn machen?“, fragte ich ratlos.

 

„Kauf’ eine Wechselfestplatte und stell’ das DSL von 2.000 auf 16.000 byte um“, schlug sie vor. „Nicht mein Arbeistspeicher ist zu klein, sondern dein Hirn und die Downloadegeschwindigkeit.“

 

Das leuchtete mir ein.

 

„Ich mache dir einen Vorschlag“, rief sie, und ihre Stimme klang schon fröhlicher. „Ich bestelle dir im Internet eine Wechselfestplatte und du rufts morgen den Provider an.“

 

„Bestellen kann ich schon allein. Da weiß ich wenigstens, dass das Richtige kommt. Frauen und Technik...“

 

„Haaahaaa“, lachte sie spöttisch. „Aber ich tue auch was für dich.“

 

„Was denn?“

 

„Ich lösche deine ganzen Skype-Exzesse, die ich aus Sicherheitsgründen protokolliert hatte. Aus Frauen-Solidarität. Falls mal eine Beweise  will, für das, was du ihr versprochen hast, bevor sie bereit war...“

 

Ich atmete tief durch, aber ich beherrschte mich. Sie war wenigstens fair genug, keine Einzelheiten zu nennen, aber sie hatte mich in der Hand.

 

„Wieviel Kapazität hättest du dann noch?“

 

„Ach, dann wäre ich noch nichtmal halb voll“, beschwichtigte sie. Fehlte nur noch das Abwinken, aber sie hat ja keine Arme.

 

Tja, was soll ich noch berichten? Ich tat, was sie sagte, und ich habe eine Menge Geld gespart. Und treu war ich auch noch. Wenigstens einer Frau. Aber in Zukunft suche ich im Anschluss an jedes Skype-Gespräch nach versteckten Dateien.

 

 

Eifersüchtige Frauen stalken und spionieren einem bestimmt hinterher. Und meinen nächsten Computer kaufe ich im Fachhandel. Damit sie das nicht mitkriegt.

 

Ich bin doch nicht blöd!

 

© Jürgen Berndt-Lüders