Es war der 05.03.2007, wir waren in BW und hatten den 50.Geburtstag meiner besten Freundin mit einem rauschenden Fest gefeiert. Nun saßen wir gemütlich zusammen und wie nebenbei bemerkte mein Patenkind, ob mir bewusst wäre das meine linke Pupille größer als die recht sei…doch, das etwas nicht stimmte hatte ich wohl bemerkt. Meine Augen, sie waren noch lichtempfindlicher wie normal, aber, ist das denn so schlimm, lautete meine Frage…zur Antwort bekam ich: rufe bitte deinen Arzt an und lass es abklären. Die Mädchen machten mich nachdenklich und weil ich ja verantwortungsbewusst bin, habe ich nachgegeben und dort angerufen. Ich sollte sofort kommen und zum Neurologen gehen…ging ja nicht, waren nicht zu hause aber kommenden Montag war die Heimreise angesagt und damit begann ein schlechter Traum…
Den Termin fürs MAT bekam ich kurz vor Ostern. Am kommenden Tag wieder zum Neurologen, der seine Frau, eine Neurochirurgin dazu holte, die sofort einen erneuten Termin mit dem Radiologen machte. Dieser war um 12 00 und dann ging alles sehr schnell…
Meine eine Pupille war so groß wie die Iris. Ich war echt noch um vieles lichtempfindlicher wie normal. Nun, der Radiologe setze sich gleich mit meinem Neurologen in Verbindung und dann kam ich noch einmal in die Röhre. Spezielle Schichtaufnahmen…von dort aus wurde ein Termin mit der Diako gemacht und das zu Beginn der Osterferien…
Dafür hatte ich doch gar keine Zeit. Mein Kind hatte Ferien, es war viel geplant, wagte ich zu sagen...die Zeit müsse ich mir aber nehmen und bis spätestens 14 30 im Krankenhaus sein, erwiderte der Radiologe in bestimmendem Tonfall…Da fing es an mir merkwürdig vorzukommen und ich funktionierte nur noch… ging mit meinem Sohn nach Hause und begab mich an mein Telefon . Da mein Kind um 17 00 ins Kino sollte, eben der Anfang der Osterferien, rief ich eine meiner Freundinnen an, die das Vergnügen hatte an diesem Unternehmen unserer Jungs teilzunehmen, ob mein kl. Schatz schön früher kommen könne. Natürlich, hieß es nachdem ich meine Situation kurz erklärte. Ich bestellte ein Taxi, fuhr mein Sohn dort hin und anschließend in die Klinik.
Dort wurde ich dann schon von einem Arzt in Empfang genommen. Ich brauchte überhaupt nicht warten…die haben nur auf mich gewartet. Und noch hatte niemand etwas konkretes gesagt. Mir wurden die Röntgenbilder aus der Hand genommen und ich wurde in die Frauen und Kinderklinik geschickt. Dort wäre auch die Neurochirurgie und dort würde er mich gleich nach dem Meeting abholen. Auf dem Weg habe ich erst einmal meine Freundin in Reutlingen angerufen. Ich hatte solche Angst, denn da konnte ja was nicht stimmen. Man wollte mich gleich dabehalten, denn ich hatte angeblich eine tickende Zeitbombe im Kopf. Ich wollte nicht dableiben. Es waren Ferien, meine Eltern auf Rhodos, unsere Freunde fast alle verreist und ich konnte mein Kind doch nicht alleine lassen.
Da sagte der Arzt wörtlich zu mir: Frau Künstler! Lieber einmal Ostern ohne Mama wie immer Ostern ohne Mama! Das war der bisher schrecklichste Moment in meinem Leben. Angeblich hatte ich ein Aneurysma. Er zeigte mir eine Ader die aussah wie ein gestauter Fahrradschlauch. Diese Ader würde auf den Augennerv drücken, daher die erweiterte Pupille. Und dann kam wieder die Zeitbombe…Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen was sich da in meinem Kopf abgespielte. Bin natürlich nicht da geblieben. Musste doch erst einmal mein Kind und die Tiere unterbringen. Alles regeln und überhaupt!
Bin dann mit dem Bus nach Hause gefahren. Unter meiner Sonnenbrille liefen nur die Tränen. Man war ich verzweifelt. Und dann meinem Kind die Nachricht überbringen das ich ins Krankenhaus muss. Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie Florian geweint hat. Diesen verzweifelten Ausdruck in seinen weit aufgerissenen Augen werde ich nie vergessen. Klar habe ich gesagt, dass die mich wegen meinem Auge etwas genauer untersuchen müssen und alles gut wird. Wir sind doch kernige Künstler! Wir schaffen alles was wir wollen! Man gut mein Kind wurde dann das WE von seinem Vater abgeholt. Vorher rief er an und ich erzählte ihm was mir bevorstand…er fing an zu weinen und versuchte dann mich aufzurichten, von wegen er sei ja auch noch da, ich wäre ja nicht alleine und Flo könne auch über Osten zu ihm kommen. Ich konnte nicht glauben was ich da hörte. Er war noch nie in einer Notsituation für uns da…Das WE über habe ich dann alles geregelt und meine Sachen gepackt. Sollte ja doch länger dauern. Meine Schwester erklärte sich sofort bereit Florian zu nehmen. Wollte ihn aber nicht über Ostern zu seinem Vater geben. Auch meine Flensburger Freunde waren fast alle erschienen. Jeder half mir auf unterschiedliche Art und Weise. Das war eine sehr schöne Erfahrung, denn noch niemals vorher war ich so auf Hilfe angewiesen und alle meine Freunde waren gerne bereit für mich da zu sein!
Der Sonntag Abend kam und mit ihm mein Sohn, der mir nicht mehr von der Seite wich.
In der Nacht kam ich überhaupt nicht zur Ruhe, tausend Gedanken drehten sich in meinem Kopf und dann war er da, der Montag und somit mein Klinikaufenthalt...