Mein Körper und ich
Früher waren wir eine Diktatur. Eine Phallokratie
Mein Körper und ich, wir gehen demokratisch miteinander um.
Mein Körper und ich leben friedlich miteinander in einer repräsentativen Demokratie. Mein Großhirn ist der Regent. Mein Unterbewusstsein ist sein Korrespondent. Mein Unterbewusstsein tauscht sich mit allen Komponenten meines Körpers aus und teilt mir die Quintessenzen mit. Wir beiden beraten dann darüber, was zu tun und zu lassen ist.
Früher waren wir eine Diktatur. Bis zu dem Zeitpunkt, wo mir im Bus eine Frau gegenüber saß. Eine Szene, die stark an die aus dem Film Basic Instinct erinnerte. Wo die Sharon Stone den Beinüberschlag wechselt und die Argumente der Polizisten in einem Wisch hinweg fegt.
Mein Bauch war leer und knurrte vor Hunger. Mein Kopf hatte mit spastischen Schmerzen zu kämpfen und meine Leber mit Restalkohol. Alle hatten mich lautstark aufgefordert, nun endlich auf dem schnellsten Wege nach Hause zu fahren, etwas zu essen und mich hin zulegen. Das hätte ich auch getan, wenn nicht dieser Diktator gewesen wäre.
„Du, die Frau hat keinen Schlüpfer an“, sagte der Diktator.
„Unsinn, die trägt einen schwarzen Slip“, sagte ich.
„Spinnst du?“, fragte mein Diktator. „Sieh doch mal genau hin“, und er machte sich so breit, dass ich schnell meine Jacke auszog und drüber legte. Über meine Hose und nicht über die Frau.
Meine heimatliche Bushaltestelle war fast erreicht, und ich beschwor meinen Diktator, sich zu setzen, oder besser zu legen, damit ich mich nicht zum Gespött der Leute machte.
„Am besten, du steigst mit ihr zusammen aus und folgst ihr“, schlug mein Diktator vor.
Ich verweigerte den Befehl, indem ich ihr nicht folgte, als sie ausstieg. Ich fuhr bis zur Endstation und wartete sogar noch, bis die Busfahrerin ausgestiegen war. Dann sprang ich hinaus und hinter ein Gebüsch. Erst musste ich die gemeinsame Petition sämtlicher Organe bearbeiten, die mir inzwischen präsentiert worden war.
Auf dem Heimweg setzten wir gemeinsam den Diktator ab. Das Unterbewusstsein erhielt Verhandlungsvollmacht, und das wiederum wählte meine Intuition als Repräsentanten. Von dem Zeitpunkt an bilden wir eine Demokratie. Die Penokratie hatte ihr Ende gefunden.
Als erstes wurde ich mit dem Rauchverbot konfrontiert.
„Sieh mal“, sagte meine Intuition in einer ruhigen Minute. „Wieviele Menschen sterben an den Folgen des Rauchens?. Kannst du nicht endlich mal damit aufhören? Die Lunge hat schon Probleme damit, den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen.“
„Aber mein Opa hat auch geraucht, und der ist 90 geworden“, wandte ich ein.
Meine Einwände wurden nieder geschmettert, ich rauchte noch eine letzte Zigarette und rührte seitdem keine mehr an.
Dann kam die Sache mit dem Abnehmen.
„Du bist zu fett“, fand meine Intuition. „Du jammerst darüber, dass du keine Frau findest...“
„Eben“, schrie mein ehemaliger Diktator von unten hoch.
„Du hast kein Stimmrecht“, entschied ich und wandte mich wieder meiner Intuition zu. „Und wie soll ich abnehmen? Hungern? Diäten einhalten?“
Meine Intuition beriet sich mit der Basis. „Iss einfach weniger. Der Magen und der Darm sind einverstanden“, meinte sie. „Tu’s einfach.“
Ich aß weniger, meine untergeordneten Chargen hielten sich an ihr Versprechen und ich nahm ab.
„Gibt’s noch Forderungen?“, fragte ich vorsichtshalber. Bei aller Wertschätzung für unsere Harmonie, aber ich wollte meine Ruhe.
„Ja, ich weiß nicht so recht...“, eierte meine Intuition herum. „Der Ex-Diktator hat wieder Oberwasser gewonnen. Manche Organe jammern rum: das Essen schmeckt nicht. Die Nerven jaulen: keine Streicheleinheiten. Die Hände meinen, sie seien zu Spülhänden verkommen, und überhaupt solltest du mal wieder eine Frau suchen. Allein der Klang ihrer Stimme sei so beruhigend, finden die Ohren.“
„Lass’ mich mal, du machst das nicht richtig“, schrie unser Großmaul, unser Ex-Diktator, und er schob meine Intuition beiseite. „Frauen stehen auf mich. Wenn du eine willst, suche ich dir eine aus.“
Ich will den Kampf, den alle Männer tagtäglich mit sich selber führen, nicht dramatisieren. Nur soviel: Meine Intuition und ich, wir stimmten ihn letztlich nieder. Ich lernte kochen, und die Wäsche und das Geschirr waschen inzwischen Maschinen. Seitdem fehlt ihm die Lobby.
Wie gut, das Winter ist, ich trage tagsüber dicke, enge Hosen und er meldet sich nur noch nachts im Traum.
Wann ist endlich Schlafenszeit?
Mein Körper und ich leben friedlich miteinander in einer repräsentativen Demokratie. Mein Großhirn ist der Regent. Mein Unterbewusstsein ist sein Korrespondent. Mein Unterbewusstsein tauscht sich mit allen Komponenten meines Körpers aus und teilt mir die Quintessenzen mit. Wir beiden beraten dann darüber, was zu tun und zu lassen ist.
Früher waren wir eine Diktatur. Bis zu dem Zeitpunkt, wo mir im Bus eine Frau gegenüber saß. Eine Szene, die stark an die aus dem Film Basic Instinct erinnerte. Wo die Sharon Stone den Beinüberschlag wechselt und die Argumente der Polizisten in einem Wisch hinweg fegt.
Mein Bauch war leer und knurrte vor Hunger. Mein Kopf hatte mit spastischen Schmerzen zu kämpfen und meine Leber mit Restalkohol. Alle hatten mich lautstark aufgefordert, nun endlich auf dem schnellsten Wege nach Hause zu fahren, etwas zu essen und mich hin zulegen. Das hätte ich auch getan, wenn nicht dieser Diktator gewesen wäre.
„Du, die Frau hat keinen Schlüpfer an“, sagte der Diktator.
„Unsinn, die trägt einen schwarzen Slip“, sagte ich.
„Spinnst du?“, fragte mein Diktator. „Sieh doch mal genau hin“, und er machte sich so breit, dass ich schnell meine Jacke auszog und drüber legte. Über meine Hose und nicht über die Frau.
Meine heimatliche Bushaltestelle war fast erreicht, und ich beschwor meinen Diktator, sich zu setzen, oder besser zu legen, damit ich mich nicht zum Gespött der Leute machte.
„Am besten, du steigst mit ihr zusammen aus und folgst ihr“, schlug mein Diktator vor.
Ich verweigerte den Befehl, indem ich ihr nicht folgte, als sie ausstieg. Ich fuhr bis zur Endstation und wartete sogar noch, bis die Busfahrerin ausgestiegen war. Dann sprang ich hinaus und hinter ein Gebüsch. Erst musste ich die gemeinsame Petition sämtlicher Organe bearbeiten, die mir inzwischen präsentiert worden war.
Auf dem Heimweg setzten wir gemeinsam den Diktator ab. Das Unterbewusstsein erhielt Verhandlungsvollmacht, und das wiederum wählte meine Intuition als Repräsentanten. Von dem Zeitpunkt an bilden wir eine Demokratie. Die Penokratie hatte ihr Ende gefunden.
Als erstes wurde ich mit dem Rauchverbot konfrontiert.
„Sieh mal“, sagte meine Intuition in einer ruhigen Minute. „Wieviele Menschen sterben an den Folgen des Rauchens?. Kannst du nicht endlich mal damit aufhören? Die Lunge hat schon Probleme damit, den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen.“
„Aber mein Opa hat auch geraucht, und der ist 90 geworden“, wandte ich ein.
Meine Einwände wurden nieder geschmettert, ich rauchte noch eine letzte Zigarette und rührte seitdem keine mehr an.
Dann kam die Sache mit dem Abnehmen.
„Du bist zu fett“, fand meine Intuition. „Du jammerst darüber, dass du keine Frau findest...“
„Eben“, schrie mein ehemaliger Diktator von unten hoch.
„Du hast kein Stimmrecht“, entschied ich und wandte mich wieder meiner Intuition zu. „Und wie soll ich abnehmen? Hungern? Diäten einhalten?“
Meine Intuition beriet sich mit der Basis. „Iss einfach weniger. Der Magen und der Darm sind einverstanden“, meinte sie. „Tu’s einfach.“
Ich aß weniger, meine untergeordneten Chargen hielten sich an ihr Versprechen und ich nahm ab.
„Gibt’s noch Forderungen?“, fragte ich vorsichtshalber. Bei aller Wertschätzung für unsere Harmonie, aber ich wollte meine Ruhe.
„Ja, ich weiß nicht so recht...“, eierte meine Intuition herum. „Der Ex-Diktator hat wieder Oberwasser gewonnen. Manche Organe jammern rum: das Essen schmeckt nicht. Die Nerven jaulen: keine Streicheleinheiten. Die Hände meinen, sie seien zu Spülhänden verkommen, und überhaupt solltest du mal wieder eine Frau suchen. Allein der Klang ihrer Stimme sei so beruhigend, finden die Ohren.“
„Lass’ mich mal, du machst das nicht richtig“, schrie unser Großmaul, unser Ex-Diktator, und er schob meine Intuition beiseite. „Frauen stehen auf mich. Wenn du eine willst, suche ich dir eine aus.“
Ich will den Kampf, den alle Männer tagtäglich mit sich selber führen, nicht dramatisieren. Nur soviel: Meine Intuition und ich, wir stimmten ihn letztlich nieder. Ich lernte kochen, und die Wäsche und das Geschirr waschen inzwischen Maschinen. Seitdem fehlt ihm die Lobby.
Wie gut, das Winter ist, ich trage tagsüber dicke, enge Hosen und er meldet sich nur noch nachts im Traum.
Wann ist endlich Schlafenszeit?
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