Wir schreiben das Jahr 2007 und ich finde es an der Zeit, mich zu outen. Heutzutage outet sich fast ja jeder. Ich bin seit gut vier Jahren Single und ich weis nicht, welcher Teufel mich 2004 geritten hat, aber ich bildete mir ein, nicht mehr allein sein zu wollen und so setzte ich eine Anzeige in die beiden hiesigen Wochenblätter auf.
Die Anzeige las sich wie folgt: am Leben interessierte, leicht durchgeknallte, quirlige rothaarige Frau (43) sucht belesenen, niveau- und humorvollen dunkelhaarigen schlanken Herren. Betonung lag insbesondere auf „Herren“. Eigentlich doch ganz einfach zu verstehen. Oder? Aber Männer lesen und denken da wohl anders, wie die folgenden Beispiele zeigen und die ich alle leider erlebt habe.
Nach einer Woche ungeduldigen Wartens kamen dann endlich die ersehnten Briefe. Ich setzte mich ins Wohnzimmer und besah mir die fünf Briefumschläge. Der erste war mit Herzchen beklebt (!), der zweite war in goldener Schrift beschrieben, der dritte hatte einige Fettflecken, Nummer vier war unbeschriftet und der fünfte und letzte war mit einem Adressenstempel versehen. Diesen öffnete ich zuerst.
Ach du meine Güte, der stellte sich in Tabellenform vor. Staubtrocken. Ein Beamter. Wenn der im Leben auch so trocken ist und zum Lachen in den Keller geht, nein danke. Weg damit.
Jetzt öffnete ich den unbeschrifteten. Oh nein, er ist ganze dreieinhalb Zentner leicht. Der hält eine Schweinshaxe bestimmt für ein Diätschnittchen. Hatte ich nicht etwas von schlank (na ja, wenigstens einigermaßen schlank) geschrieben?
Der Brief mit der goldenen Schrift lachte mich an und so wurde er geöffnet. Eine klare saubere Schrift und sehr humorvoll geschrieben. Ich ergriff das Telefon und rief mit Herzklopfen an. Eine Verabredung im Klinikum Bad Staffelstein kam dann schnell zustande. Aufgebrezelt fuhr ich nächsten Tag zum ersten Rendezvous. F. war schon da und stand auf als ich an den Tisch trat. Ich war hin und weg. F. sah meinem Lieblingssänger Michy Reincke aus Hamburg verdammt ähnlich. Sollte ich wirklich gleich beim erstenmal soviel Glück haben? F. entsprach all meinen Vorstellungen. Er war höflich, intelligent und hatte die Portion schwarzen Humors, die mir selber sehr liegt. Wir verbrachten vergnügliche zwei Stunden miteinander und wollten uns wiedersehen. Ich schwebte wie auf Wolken nach Hause und prompt kam ein paar Stunden die Ernüchterung per SMS. F. schrieb wie er sich unser Wiedersehen vorstellte, natürlich bei mir zu Hause, da er verheiratet sei. Dies war der erste Hammer, der zweite war, wie er es gerne hätte. Am besten kreuz und quer, über Kopf und auch mit Hilfsmitteln. Habe F. gleich unter Ulk abgehakt und mich nicht mehr gemeldet.

Ich brauchte ein paar Tage um den nächsten Brief zu öffnen. Den mit den Fettflecken mochte ich noch nicht aufmachen ( eine Vorahnung?), lieber erst den mit den Herzchen. Bei einem Glas Wein und einer Zigarette hing ich am Telefon. S. freute sich sehr über meinen Anruf, hatte er schon nicht mehr damit gerechnet. Er klang sehr nett am Telefon, ja beinahe schüchtern. Gefiel mir. S. erzählte, dass er einen großen Gasthof Nähe Bamberg besitzt und sich für ein kennen lernen am nächsten Tag zwei Stunden Zeit nehmen könnte. Wir trafen uns im Cafe Raab. Ich ging ohne große Erwartungen hin und war dann doch angenehm von seiner Erscheinung überrascht. Groß, dunkelhaarig und auch sehr gesprächig. Aber etwas war seltsam. S. sagte er sei Single, aber warum trug er dann einen Ehering? Darauf angesprochen erntete ich nur einen verständnislosen Blick. „Naja, bin ja auch erst drei Wochen geschieden“, kam prompt die Antwort. Bin ich im falschen Film? Das seine Geschiedene noch mit im Haus wohnt, schob er gleich hinterher. Damit kann ich leben, sagte ich mir. Habe zu meinem Ex auch noch ein wunderbares freundschaftliches Verhältnis. Aber da störte mich noch etwas. Immer wenn S. etwas über mich erfuhr, sagte er „Das passt! Das passt!“ Nach anderthalb Stunden überlegte er wirklich, ob er zu mir oder ich zu ihm ziehe. Hoppala!? Bin zwar Preuße, aber selbst die schießen bekanntlich auch nicht so schnell. Mein Gesicht war ein einziges Fragezeichen. Mein Gott, wo bin ich hier gelandet? Gibt es eigentlich noch normal tickende Männer? S. hatte anscheinend Torschlusspanik keine mehr abzubekommen. Etwas sehr gefrustet ging ich nach Hause und trank erst mal ein Glas Wein. Ich traf mich noch zweimal mit S. und beim letzten Treffen fragte ich ihn, nachdem er mich doch glatt bat meinen Berliner Dialekt abzulegen (der wirklich nur ganz leicht zu hören ist), ob er eine Freundin, eine Frau oder eine Küchenhilfe sucht. Damit war das Kapitel S. für mich abgehakt.

So, jetzt blieb nur noch der Brief mit den Fettflecken. Irgendwie fühlte ich mich nicht ganz wohl, aber was solls. Schlimmer, habe ich gedacht, kann es nicht werden. Welch ein Irrtum! Das Telefongespräch hat mich sehr überrascht. Fast zwei Stunden haben N. und ich uns über Gott und die Welt unterhalten. N. erzählte, dass er regelmäßig ein Fitnessstudio besucht und was denke ich? Toll, hat bestimmt eine super Figur. War ich naive!! N. wollte er mich zum Spanier entführen und mich auch abholen. Der Abend kam und ich war doch wieder etwas aufgeregt. Zurecht gemacht und mit kalten Händen wartete ich schon zeitig vor dem Haus. Ein riesiger neuer Mercedes hielt an und wer stieg aus!? Ich habe gedacht mich tritt ein Pferd. Ein Michelinmännchen!! Wer kennt dieses Männchen nicht aus der Autowerbung. Ein Ring größer als der andere und natürlich hat N. sein Hemd in die Hose gesteckt, damit ich auch jedes überflüssige Gramm Fett an ihm bewundern konnte. Mir war ganz schlecht- Wie komme ich hier nur wieder raus? Augen zu und durch. Wird bestimmt ein nette Abend zustande kommen, so machte ich mir Mut. N. war sehr zu vorkommend und höflich. Ein Kavalier der alten Schule. Eine angeregte Unterhaltung beim Spanier kam schnell zustande und sie half mir einigermaßen über den ersten Schock hinweg. Beim Essen stellte ich fest, dass Messer und Gabel nicht so seine Freunde waren. Am Ende waren nicht nur seine Krawatte und sein Hemd bekleckert, auch ich hatte einige interessant Farbspritzer abbekommen. Meine Freundin konnte am nächsten Tag, an Hand der Flecken, die Speisefolge ablesen. Als N., ihm stieg der Wein wohl zu Kopf, mir auch dann noch freudestrahlend erzählte, dass er so unheimlich gern küsst, wars bei mir aus. (Ich muss dazu sagen, dass ich immer zuerst auf den Mund schau und der war überhaupt nicht nach meinem Geschmack.) Ich gab vor plötzlich Kopfschmerzen zu haben und ließ mich frecher weise auch noch nach Hause fahren. Ich habe mich nicht mehr gemeldet. So das war mein Ausflug in die Männerwelt im Jahr 2004. Verständlicherweise hatte ich die Nase voll.

Es verging ein Jahr und ich startete einen neuen Versuch. Diesmal antwortete ich auf eine Anzeige. Wir trafen uns im Restaurant Markt 17 und eine etwas zähe Unterhaltung begann. L. erzählt ganz stolz von seinem großen Haus, mit angrenzenden riesigen Grundstück und drei Fischteichen. Die Fischteiche ließen mich, als leidenschaftliche Anglerin aufhorchen. Seiner Tochter habe er auch erst ein neues Auto gekauft. Während der Unterhaltung, dachte ich mir irgendetwas stimmt hier nicht. Nach einer Stunde wusste ich was es war. L. warf beim Lachen und es war sein einziges Lachen in den anderthalb Stunden, seine Kopf in den Nacken und dabei sah ich mein Problem. L. hatte oben keine Zähne. Ich schüttelte innerlich den Kopf. Es wollte mir nicht in den Sinn, soviel Geld und keine Zähne. Ach, geizig mir gegenüber war er auch. Musste meine meinen Wein allein bezahlen. Also wieder nichts.
Und es verging wieder ein Jahr und ich war immer noch Single, bis ich G. in einem Lokal kennen lernte. G. sah sehr gut aus. Zwei Jahre älter als ich, 190 cm groß, schlank und hing nicht nur mit seinen Augen an meinen Lippen. Er war mehr so der stille Typ und wurde leider erst nach sechs bis acht Bier gesprächig und dann verstand nicht nur ich ihn nicht mehr. Nach einem zweiten Treffen verabschiedete ich mich.
Jetzt haben wir 2008 und immer noch hat sich kein Prinz gefunden und ich suche auch nicht mehr. Aber vielleicht klappt es ja bei der nächsten großen Singleparty in der Stadthalle.
Herzlichst Eure Susanne/Susila