"Mein Name ist Harvey Milk und ich will Euch rekrutieren"
Ein Filmtipp für Interessierte
So schallte es aus dem Megaphon, wenn der charismatische Aktivist der entstehenden amerikanischen Schwulenbewegung und Nachwuchspolitiker Harvey Milk in den 1970er Jahren für politisches Bewusstsein bei den Schwulen sorgte. Der, leicht ironische, Spruch sorgte jedes Mal für begeisterte Zustimmung und wurde zum „Markenzeichen“ dieses Pioniers „unserer“ Bewegung.
Ich habe mir den Film gestern in einem Preview angesehen:
Das große Kino ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Hetero-Paare im Publikum. Ich bin überrascht, weil ich nicht mit so viel Interesse rechnete. Zwar habe ich schon in den 1970er Jahren von Milk gehört und gelesen, wusste aber nicht, dass er über die Schwulenbewegung hinaus, im Gedächtnis geblieben ist. Oder locken die Namen Sean Penn (männliche Hauptrolle) und Gus van Sant (Regie) die Massen ins Kino?
Zu Beginn der 1970er Jahre arbeitet Harvey Milk an der New Yorker Wallstreet als Broker. Er verheimlicht Eltern, Bekannten und Kollegen gegenüber seine sexuelle Identität, weil er (zu recht) private und berufliche Nachteile befürchten muss. Darunter leidet besonders sein Lebenspartner, der ein Leben im Hintergrund führen muß …
Irgendwann haben beide dieses menschenunwürdige Versteckspiel satt, sie brechen „ihre Zelte“ in New York ab und werden Teil der prosperierenden Schwulen-Szene von San Francisco. Allerdings herrschen auch hier damals noch Behörden- und Polizei-Willkür, berufliche Diskriminierungen und gewalttätige Anfeindungen. Der heruntergekommene Castro-District wird zur „Welt-Metropole der Schwulen“; immer mehr schwule Männer aus aller Welt zieht es nach San Francisco. Dadurch werden die Schwulen hier zu einer wirtschaftlichen und politischen Macht, die nur noch organisiert werden muss, um Einfluss ausüben zu können …
Im Verlauf des Films (der auf Tatsachen beruht) entwickelt sich Harvey Milk zur charismatischen Figur, die gegen Willkür und Ungerechtigkeiten zu Felde zieht. Der kleine Fotoladen, den er zusammen mit seinem Lebensgefährten betreibt, wird immer mehr zum Planungszentrum von politischen Aktionen. Schließlich bittet die Gewerkschaft der Brauerei-Arbeiter Milk um Unterstützung durch die Gay Community, um eine Brauerei mit Boykott-Maßnahmen zu besserer Bezahlung ihrer Arbeiter zu zwingen. Dies ist der Beginn einer übergreifenden Solidarisierung.
Als sämtliche schwulen Lokale das Bier der bestreikten Brauerei aus dem Ausschank nehmen, bricht der Umsatz dramatisch ein und … die Brauerei lenkt ein.
Milk kandidiert als erster offen schwuler Mann für den Stadtrat von San Francisco und … verliert die Wahl. Auch eine zweite Kandidatur scheitert. Erst als eine taffe lesbische junge Frau zur Gruppe um Milk stößt und sich als Wahlkampfmanagerin anbietet, wendet sich das Blatt.
Sie gewinnt drei lokale Zeitungen dazu, auf ihren Titelseiten Wahlempfehlungen für Harvey Milk abzugeben. Währenddessen erweitert Milk die Zielgruppe seiner Politik um „Senioren“ und „ethnische Minderheiten“ und diesmal gewinnt er die Wahl und zieht in den Stadtrat von San Francisco …
Meine Beurteilung:
„Milk“ ist die faszinierende Schilderung einer Aufbruchzeit, die vom Regisseur Gus van Sant („My Private Idaho“ und „Good Will Hunting“) detailgetreu in Szene gesetzt wurde. Das Zeit-Colorit trifft der Film genau, indem van Sant kongenial Original-Filmaufnahmen und neu gedrehte Sequenzen mischt. Das Ergebnis ist hinreißend!
Hauptdarsteller Sean Penn („Colors“ und „Carlitos Way“), in der Rolle seines Lebens! Ich habe Penn schon immer als großartigen Schauspieler geschätzt, diesmal ist er noch einmal über sich selbst hinausgewachsen. Er spielt diesen Milk, der nicht nur Politiker, sondern auch Mensch mit kleinen Fehlern und Schwächen ist, absolut überzeugend.
„Milk“ ist zu recht für 8 Oscars nominiert, u.a. für die beste Regie und den besten männlichen Hauptdarsteller. Vergangenes Wochenende lief Milk auch auf den Berliner Filmfestspielen, leider außer Konkurrenz, da er bereits auf anderen Festivals gezeigt worden war. Wäre er nominiert worden, hätte er sicher sowohl einen Bären, als auch einen Teddy (schwul-lesbischer Filmpreis) gewonnen.
Am 19. Februar 2009 läuft „Milk“ in den deutschen Kinos an.
© Jamerson akas Knüppel
P.S. In den 1970er Jahren hetzte die bigotte Werbe-Ikone und Sängerin Anita Bryant als fundamentalistische Evangelikale massiv gegen Schwule. Sie organisierte mehrere Kampagnen, um Homosexuellen ihre mühsam errungenen Bürgerrechte wieder abzuerkennen …
Im Jahr 2009 drohen fundamentalistische Evangelikale den amerikanischen Kinoketten, die „Milk“ zeigen, mit Boykottmaßnahmen …
Ich habe mir den Film gestern in einem Preview angesehen:
Das große Kino ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Hetero-Paare im Publikum. Ich bin überrascht, weil ich nicht mit so viel Interesse rechnete. Zwar habe ich schon in den 1970er Jahren von Milk gehört und gelesen, wusste aber nicht, dass er über die Schwulenbewegung hinaus, im Gedächtnis geblieben ist. Oder locken die Namen Sean Penn (männliche Hauptrolle) und Gus van Sant (Regie) die Massen ins Kino?
Zu Beginn der 1970er Jahre arbeitet Harvey Milk an der New Yorker Wallstreet als Broker. Er verheimlicht Eltern, Bekannten und Kollegen gegenüber seine sexuelle Identität, weil er (zu recht) private und berufliche Nachteile befürchten muss. Darunter leidet besonders sein Lebenspartner, der ein Leben im Hintergrund führen muß …
Irgendwann haben beide dieses menschenunwürdige Versteckspiel satt, sie brechen „ihre Zelte“ in New York ab und werden Teil der prosperierenden Schwulen-Szene von San Francisco. Allerdings herrschen auch hier damals noch Behörden- und Polizei-Willkür, berufliche Diskriminierungen und gewalttätige Anfeindungen. Der heruntergekommene Castro-District wird zur „Welt-Metropole der Schwulen“; immer mehr schwule Männer aus aller Welt zieht es nach San Francisco. Dadurch werden die Schwulen hier zu einer wirtschaftlichen und politischen Macht, die nur noch organisiert werden muss, um Einfluss ausüben zu können …
Im Verlauf des Films (der auf Tatsachen beruht) entwickelt sich Harvey Milk zur charismatischen Figur, die gegen Willkür und Ungerechtigkeiten zu Felde zieht. Der kleine Fotoladen, den er zusammen mit seinem Lebensgefährten betreibt, wird immer mehr zum Planungszentrum von politischen Aktionen. Schließlich bittet die Gewerkschaft der Brauerei-Arbeiter Milk um Unterstützung durch die Gay Community, um eine Brauerei mit Boykott-Maßnahmen zu besserer Bezahlung ihrer Arbeiter zu zwingen. Dies ist der Beginn einer übergreifenden Solidarisierung.
Als sämtliche schwulen Lokale das Bier der bestreikten Brauerei aus dem Ausschank nehmen, bricht der Umsatz dramatisch ein und … die Brauerei lenkt ein.
Milk kandidiert als erster offen schwuler Mann für den Stadtrat von San Francisco und … verliert die Wahl. Auch eine zweite Kandidatur scheitert. Erst als eine taffe lesbische junge Frau zur Gruppe um Milk stößt und sich als Wahlkampfmanagerin anbietet, wendet sich das Blatt.
Sie gewinnt drei lokale Zeitungen dazu, auf ihren Titelseiten Wahlempfehlungen für Harvey Milk abzugeben. Währenddessen erweitert Milk die Zielgruppe seiner Politik um „Senioren“ und „ethnische Minderheiten“ und diesmal gewinnt er die Wahl und zieht in den Stadtrat von San Francisco …
Meine Beurteilung:
„Milk“ ist die faszinierende Schilderung einer Aufbruchzeit, die vom Regisseur Gus van Sant („My Private Idaho“ und „Good Will Hunting“) detailgetreu in Szene gesetzt wurde. Das Zeit-Colorit trifft der Film genau, indem van Sant kongenial Original-Filmaufnahmen und neu gedrehte Sequenzen mischt. Das Ergebnis ist hinreißend!
Hauptdarsteller Sean Penn („Colors“ und „Carlitos Way“), in der Rolle seines Lebens! Ich habe Penn schon immer als großartigen Schauspieler geschätzt, diesmal ist er noch einmal über sich selbst hinausgewachsen. Er spielt diesen Milk, der nicht nur Politiker, sondern auch Mensch mit kleinen Fehlern und Schwächen ist, absolut überzeugend.
„Milk“ ist zu recht für 8 Oscars nominiert, u.a. für die beste Regie und den besten männlichen Hauptdarsteller. Vergangenes Wochenende lief Milk auch auf den Berliner Filmfestspielen, leider außer Konkurrenz, da er bereits auf anderen Festivals gezeigt worden war. Wäre er nominiert worden, hätte er sicher sowohl einen Bären, als auch einen Teddy (schwul-lesbischer Filmpreis) gewonnen.
Am 19. Februar 2009 läuft „Milk“ in den deutschen Kinos an.
© Jamerson akas Knüppel
P.S. In den 1970er Jahren hetzte die bigotte Werbe-Ikone und Sängerin Anita Bryant als fundamentalistische Evangelikale massiv gegen Schwule. Sie organisierte mehrere Kampagnen, um Homosexuellen ihre mühsam errungenen Bürgerrechte wieder abzuerkennen …
Im Jahr 2009 drohen fundamentalistische Evangelikale den amerikanischen Kinoketten, die „Milk“ zeigen, mit Boykottmaßnahmen …
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